Studieren in Spanien

 

von Lucia Schuz

Selbstverständlich kann jede/r Studienwillige ein Studium als Vollstudium von Anfang bis Ende in Spanien absolvieren, hier sollte man sich auf alle Fälle rechtzeitig beim DAAD informieren. Wesentlich einfacher ist es allerdings, das Studium in Deutschland zu beginnen und dem Grundstudium einige Semester in Spanien folgen zu lassen. Hierzu wurden auch europäische Förderprogramme aufgelegt, wie z.B. Erasmus/Sokrates (www.eu.daad.de/sokrates oder www.europa.eu.int/comm/education/programmes/socrates/erasmus/erasmus_de.html).

Bei verschiedenen internationalen Studiengängen sind Auslandssemester Pflicht. Eine Datenbank des DAAD gibt Auskunft darüber, welche Unis welche Studiengänge mit obligatorischen Auslandssemestern anbieten. Darüber hinaus wurden einige Studiengänge mit Doppeldiplom eingerichtet, Infos hierzu ebenfalls unter www.daad.de.

Wer sein komplettes Studium in Spanien durchlaufen möchte, hat als erste Hürde die Anerkennung der Zulassungsvoraussetzungen zu überwinden. Das Abitur bereitet keine Probleme, die Fachhochschulreife wird allerdings nicht allgemein anerkannt – hier ist unbedingt die Akzeptanz zu klären. Die Bewerbung ist unmittelbar an die Uni zu richten, an der man sein Studium aufnehmen möchte. Jeder ausländische Student muss zudem die Hochschulaufnahmeprüfung "Selectividad" ablegen, die selbstverständlich in Hochspanisch ("castellano") durchgeführt wird. An einigen Unis finden diese Prüfungen zumindest teilweise auch in "Catalán" (z.B. in Barcelona) oder in Baskisch statt.

Die "Selectividad" gilt als nicht einfach. Sie kann an der Hochschule selbst abgelegt werden, an der UNED (Universidad Nacional de Educación a Distancia, Fernuniversität, www.uned.es) oder in der Consejería de Educación en Alemania, d.h. der Kulturabteilung der Spanischen Botschaft in Berlin (www.sgci.mec.es/de/index_ie.html). Die Prüfungen für unsere Region finden meist in der Casa de España in Köln statt. Unter www.sgci.mec.es/de/es/es_html/es_frame/frame_de.html führt die Kulturabteilung der Spanischen Botschaft in Berlin die Zugangsvoraussetzungen sowie Einzelbestandteile der Prüfung detailliert auf.

Die Studiengebühren betragen ca. 500 € pro Studienjahr. Private Unis, die es in Spanien in großer Anzahl gibt, sind wesentlich teurer. Abgesehen von den katholischen Universitäten sind diese zumeist Ableger amerikanischer Unis, die Unterrichtssprache ist daher zumindest teilweise Englisch. Um den Geldbeutel etwas zu entlasten, kann unter Umständen nach einem Studienjahr Auslandsbafög gewährt werden.

Das spanische Bildungssystem sieht zwei Arten von Studium vor und führt zu einer Reihe von Abschlüssen. Das Kurzstudium erstreckt sich über einen Studienzyklus, dauert also drei Jahre und schließt mit dem "Diplomado" ab. Ein "langes" Studium erstreckt sich über zwei Studienzyklen, also vier bis sechs Jahre. Man kann es u.a. an der "Universidad" (entspricht der normalen deutschen Hochschule) absolvieren. Als Abschluß erwirbt man den Titel "Licenciado", also beispielsweise "Licenciado en Medicina" oder "Licenciado en Filosofía". Dies ist nur eine Auswahl an vielfältigen Studien- und Abschlußmöglichkeiten, die das spanische Hochschulsystem bietet. Infos hierzu sowie zu den Aufbaustudiengängen "Posgrados" vom Spanischen Kultusministerium (Ministerio de Educación) unter www.mec.es.

Eine gut sortierte Fortbildungsdatenbank ist www.aprendemas.com. Unter "seleccionar categoría", findet sich auch eine Reihe von Masterstudiengängen, die man im Fernstudium (a distancia), online oder auch vor Ort durchlaufen kann. Suchmaschinen (Anfrage auf Spanisch eingeben!) führen ebenfalls zu guten Ergebnissen, allein schon der simple Eintrag "Estudiar España" ergibt eine ganze Menge Treffer. Unter www.daad.de/ausland/de/3.2.5.html hat der DAAD eine Linkliste für Spanien zusammengestellt.

Praktika, Sommerjobs o.ä. sind nicht leicht zu finden. Praktika haben eine eigene Rechtsform. Nicht der Praktikant, sondern die Bildungseinrichtung, an der er seine Ausbildung absolviert, unterschreibt den Arbeitsvertrag. Damit kommen Gewerkschaft, Tarifrecht und alle anderen Themen ins Spiel, die auf einen normalen Arbeitnehmer auch zutreffen. Außerdem leidet Spanien unter hoher Jugendarbeitslosigkeit. Somit sind Praktika nur für Bewerber mit Berufserfahrung, in Programmen wie Erasmus o.ä. oder für Studenten verfügbar - alle anderen gehen leer aus! Eventuell wird sogar eine Vermittlungsgebühr fällig.

Praktika von Deutschland aus zu suchen ist ein schwieriges Unterfangen. Die besten Erfolgsaussichten bieten sich über private Kontakte im Lande. Bevor der hoffnungsfrohe Praktikant eine Spontanbewerbung aus Deutschland losschickt, sollte er unbedingt vorher bei dem ins Auge gefaßten Unternehmen anrufen, um zu erfahren, wer konkret für die Vergabe von Praktika zuständig ist. Diese Person erhält auch die Bewerbung, anderenfalls besteht die Gefahr, dass sie untergeht bzw. in "Ablage P" – sprich "Papierkorb" – landet. Unerlässlich ist es auch, hinterher zu telefonieren. So bringt sich der Bewerber in Erinnerung und kann sicherstellen, dass die Unterlagen bei der zuständigen Person angekommen sind. Ist das Unternehmen grundsätzlich damit einverstanden, ausländische Studenten als Praktikanten anzunehmen, ist es unverzichtbar, sich als nächsten Schritt persönlich vor Ort bei der zuständigen Person vorzustellen. Die Deutsch-Spanische Handelskammer (www.ccape.es) hält eine Liste von Firmen bereit, die Praktika anbieten. Diese Liste gibt es nicht gratis, sie ist leider nur käuflich zu erwerben. Das spanische Arbeitsamt (www.inem.es) vermittelt keine Praktikantenstellen.

Da hilft nur eins: Geduld und Spucke! Auch "enchufe" ("Vitamin B") kann sich manchmal als durchaus hilfreich erweisen. ¡Mucha suerte – viel Glück!


 
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