Studieren ist kein Honigschlecken - Arbeitsloste Studenten in Köln
 

von Christine Schauerte

 

In der FH Köln
In der Fachhochschule Köln
Dass Geld verdienen nicht leicht ist, erleben tagtäglich viele Studenten, die für sich und ihr Studium finanziell aufkommen müssen. Bisher stand den Studenten in einigen deutschen Städten eine zuverlässige Adresse für ihre Jobsuche zur Verfügung, oftmals eingerichtet und angeboten von Kooperationen der jeweiligen Universitäten und der Bundesagentur für Arbeit. Doch das war einmal. Seit 2005 schließt die Bundesagentur für Arbeit bundesweit eine Jobvermittlung nach der anderen. Auch in Köln ist die Situation nicht anders. Eine Unverständlichkeit, denn Köln besitzt nicht nur ein vielseitiges Universitätsangebot mit insgesamt sechs Hoch- und Fachhochschulen. Sondern ist auch mit etwa 85.000 Studierenden die Stadt mit den meisten Studenten in Deutschland. Als erster Schritt in Richtung Rationalisierung wurde vor drei Jahren die Jobvermittlung des AStA, eine von zwei Kölner Jobvermittlungsmöglichkeiten, ersatzlos gestrichen. Am 1. Februar 2006 schließt nun als letzte Konsequenz die übrig gebliebene Jobvermittlung an der Fachhochschule Köln ihre Pforten. Der „Studenten-Fachkraft-Service“ ist 1989 als gemeinsame Initiative der Fachhochschule Köln und des ehemaligen Arbeitsamtes Köln gegründet worden. „Der Arbeitsmarkt gab einiges her, weil die Arbeitgeber sehr viele Fachkräfte benötigten, die sie zum Teil auch nicht über Arbeitslose abdecken konnten. Auf der anderen Seite waren die Studenten auch gerne bereit als Fachkräfte zu arbeiten, wenn sie vorher eine Lehre gemacht hatten oder aber im Studium einiges gelernt hatten“, erklärt Mitarbeiter Bernd Hockes, der in den letzten 16 Jahren die Studenten mit anspruchsvollen Jobs versorgt hat. Ab dem 1. Februar sitzt die Köln-Deutzer Jobvermittlung der Agentur mitsamt ihren Mitarbeitern in der Mülheimer Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit Köln. Die zukünftige Aufgabe der Mitarbeiter wird dort die Vermittlung von maximal drei Monate befristeten Beschäftigungen an Arbeitslose sein. Dass die Einstellung der Jobvermittlung von den meisten Studenten unentdeckt blieb, zeigt der recht spärliche Widerstand, in Form einer handgeschriebenen Unterschriftenliste, die an der Türe der Jobvermittlung hängt.

Den Hintergrund der Schließung erläutert Judith Hövels von der Agentur für Arbeit Köln. „Unser geschäftspolitischer Auftrag ist die Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Und deswegen haben wir im letzten Jahr unser Geschäftssystem verändert und müssen jetzt alle unsere Organisationseinheiten auf den Prüfstand stellen, inwieweit sie optimal strukturiert sind, um diese Aufgaben auch wirkungsvoll und zielgerichtet erfüllen zu können.“ Mit anderen Worten, um ein besseres „geschäftspolitisches“ Ergebnis der Arbeitsagentur Köln zu erzielen, werden die vorhandenen Jobs an Arbeitslose vermittelt und nicht länger an die Studenten.

Fachhochschule Köln
Fachhochschule Köln

Auf den ersten Blick signalisiert diese zentralisierende Maßnahme, in Zeiten von Hartz IV und über fünf Millionen Arbeitslosen, Handlungsbereitschaft der Bundesagentur für Arbeit. Inwieweit dieser Schritt jedoch Resultate erbringen wird, ist fraglich. Laut Aussage Peter Welters, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln, wird sich aus den befristeten Jobs nur selten eine direkte Übernahme beim gleichen Arbeitgeber ergeben.
Ungeachtet neben dieser neuen Regelung bedeutet die Entwicklung in der Praxis für viele Studierende eine regelrechte Katastrophe. Denn zusätzlich zur drohenden Last der Studiengebühren und den alltäglichen Kümmernissen eines selbstfinanzierenden Studenten kommt nun auch noch die Sorge der erschwerten Arbeitsbeschaffung hinzu. Vielen ausländischen Studierenden wird dieser Umstand noch schwerer zu schaffen machen, da sie häufig nur für maximal 90 Tage im Jahr eine Arbeitserlaubnis besitzen. Das sind nicht gerade rosige Aussichten für die Suche nach einem Beschäftigungsverhältnis, auch wenn die Studenten allgemein als pfiffig gelten und es mittlerweile einige Internet-Portale sowie Jobbörsen gibt, welche die arbeitssuchenden Studenten unterstützen sollen. So weiß jeder, dass es bei den Massen an Kölner Studenten ein mehr als schwieriges Unterfangen wird, etwas Geeignetes und vor allem Studiumkompatibles zu finden.

Studieren in Köln ist kein Honigschlecken, das wissen die meisten Studenten also schon. Und in Deutschland wird es demnach für viele immer schwieriger zu studieren. Denn ohne Geld kein Studium. Leider erhält man als „mittelloser“ Student keinen Kredit bei der Bank, erst recht nicht ohne Job. Das vom Staat angebotene Finanzierungssystem BAföG können längst nicht alle Studenten beanspruchen. Um zu studieren muss man also arbeiten. Aber wer entscheidet in Deutschland, welcher Job an wen vergeben werden darf?
Eine vorhersehbare Folge dieser unverständlichen Maßnahme wird sein, dass nun noch mehr aufhören zu studieren oder erst gar nicht anfangen.
Warum? Studieren? Wer kann sich das denn noch leisten.

 

 


 
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