| Ich erzähle die Geschichte eines anderen oder Übersetzen von Büchern | ||
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Ein Interview mit Barbara Schnell (freie Journalistin, Übersetzerin) von Kerstin Helbig
Wenn Barbara Schnell nicht gerade Joss Whedon interviewt oder über die Reit-WM zu berichtet, beschäftigt sie sich mit ihren Pferden. Hauptberuflich übersetzt sie aber vor allem sehr erfolgreich Bücher. Bekannt geworden ist sie durch ihre Übersetzungen der Romane von Diana Gabaldon, die ihr durch die Freundschaft mit Diana besonders am Herzen liegen, doch es gibt noch einige andere Titel, die sie übersetzt hat.
Wie bist du zum Übersetzen gekommen? Eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe Mitte der Achtziger (ja, sooo alt bin ich schon) in einer Computerfirma gearbeitet, die dringend jemanden brauchte, der für ihre Produkte Bedienungsanleitungen schrieb, und zwar für den deutschen und den internationalen Markt. Also habe ich die Handbücher auf Deutsch und Englisch verfasst. Das war natürlich etwas ganz anderes als eine literarische Übersetzung, weil es ja nur sinngemäß stimmen musste, aber es war der Anfang. Bei den Romanen wollte ich dann gleich hoch hinaus: Ich habe Diana Gabaldon 1992 im (damaligen) Litforum bei CompuServe (-> Das Forum heute) kennen gelernt, wo ich für einen Artikel über "Frauen im Netz" recherchiert habe. Sie war eine der ersten, die mir geantwortet haben, und im Lauf der Zeit haben wir uns angefreundet. Irgendwann habe ich dann auch ihre Bücher gelesen (damals waren erst zwei erschienen) und war davon so begeistert, dass ich sofort den Traum hatte, sie ins Deutsche zu übertragen, wenn es denn einmal eine deutsche Ausgabe geben würde. Bei den ersten drei Bänden hat es leider nicht geklappt, aber ab Band vier konnten wir - Diana und ich - den Verlag überzeugen, dass ich das nicht nur kann, sondern es auch termingerecht schaffe (die Bücher sind nun einmal sehr dick, und die ersten Bücher sind von Teams übersetzt worden). Seitdem übersetze ich nicht nur Dianas Romane, sondern auch die einer Reihe anderer Autoren. Ist dies der normale Weg um einzusteigen oder sollte jemand der Übersetzen will etwas Bestimmtes studiert haben etc? Es gibt sogar einen eigenen Studiengang für Übersetzer, allerdings glaube ich nicht, dass er das nötige Sprachtalent ersetzen kann - und mit genügend Talent geht es absolut ohne Studium, dann allerdings mit einer Extraportion Geduld und Spucke. Welche Fähigkeiten sollte jemand, der Bücher übersetzen will, mitbringen? Das schon erwähnte Sprachtalent in der Muttersprache sowie außergewöhnlich gute Kenntnisse der Sprache, aus der er übersetzen will. Durchhaltevermögen ist ein nützliches Plus. Welche Tipps würdest du Anfängern geben? Ich fürchte, bei meinem alles andere als geradlinigen Werdegang bin ich die Falsche, um diese Frage zu beantworten. Wer allerdings wirklich davon träumt, diesen Beruf auszuüben, dem kann ich nur raten, sich nicht entmutigen zu lassen und immer neue Versuche zu starten, irgendwo einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wenn es einmal geklappt hat, wird dann vieles einfacher. Wenn jemand ein ganz bestimmtes Buch übersetzen möchte, wohin sollte er sich wenden? Eigentlich ist das zumindest für Anfänger so gut wie aussichtslos; es sei denn, man kennt den Autor persönlich und dieser sagt einem Bescheid, wann das Buch nach Deutschland verkauft wird und an welchen Verlag, damit man sich dort sofort vorstellen kann. Wie lange hast du durchschnittlich für die Übersetzung eines Buches Zeit? Auch das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei Dianas Büchern ist es ja zuletzt so gewesen, dass ich mit der Autorin parallel gearbeitet habe, und auch ihr Arbeitsstil ist eher ungewöhnlich. Bei "Ein Hauch von Schnee und Asche" habe ich Ende 2003 mit den ersten Häppchen angefangen, zwischendurch immer wieder an anderen Projekten gearbeitet und schließlich 2005 einen gewaltigen Non-Stop-Endspurt hingelegt - herausgekommen ist dann ein 1300-Seiten-Wälzer, der in Deutschland sogar drei Wochen eher erschienen ist als in Amerika. Für ein "normales" 300-Seiten-Buch brauche ich etwa zwei Monate. Suchst du dir deine Übersetzungsprojekte alle selber aus oder kriegst du auch welche vom Verlag gestellt? Ich übersetze vier Autoren, die ich persönlich kenne. In diesen Fällen habe ich mich beim jeweiligen Verlag gemeldet und gesagt, dass ich an den Büchern Interesse habe. Es kommt aber inzwischen auch durchaus vor, dass sich Verlage bei mir melden und mir Bücher anbieten. (Wenn das passiert, darf man anfangen, sich vorsichtig selbst auf die Schulter zu klopfen.) Wieviel Freiheit hast du beim Übersetzen eines Buches? Musst du alles Wort für Wort übersetzen? Natürlich nicht. Es gibt ja Redewendungen und Wortspiele, die sich nicht übersetzen lassen; mit Dialekten muss man sehr vorsichtig sein, damit es im Deutschen nicht lächerlich wirkt. Wichtig ist, dass sich das Ergebnis flüssig liest und dass im Idealfall auch für einen Leser, der gut Englisch kann, der Original-Wortlaut nicht mehr durchscheint. Ich bin jedenfalls immer bemüht, dem Original so viel Respekt wie möglich entgegenzubringen. Wieviel Input bekommst du vom Autor des Buches? Kannst du nachfragen, falls du dir bei einer Stelle unsicher bist oder ist das dir überlassen? In den meisten Fällen hat ein Übersetzer keinen Kontakt mit dem Autor. Ich habe das große Glück, gleich mit mehreren "meiner" Autoren auch persönlich bekannt zu sein, so dass ich im Zweifelsfall immer fragen kann. Input vom Autor gibt es aber normalerweise nicht - dazu müssten die Autoren ja Deutsch können. Gibt es Autoren, die die Übersetzungen kontrollieren? Wie schon gesagt, dazu müssten sie Deutsch können, und das ist wohl eher selten der Fall. Es gibt aber ganz berühmte Fälle, in denen der Autor konkrete Vorstellungen an die Übersetzer weitergegeben hat - Tolkien zum Beispiel bei der ersten "Herr der Ringe"-Übersetzung durch Margaret Carroux und Umberto Eco bei "Der Name der Rose". Gibt es starke Unterschiede in der Schwere der Übersetzungen? Ja. Ich übersetze ja "nur" Unterhaltungsliteratur, aber natürlich ist ein Text von Diana Gabaldon kniffliger als ein Groschenroman. "Schwer" kann aber zum Beispiel auch bedeuten, dass man es mit einem fahrlässig verfassten Original zu tun hat, bei dem man erst einmal Zeit damit verliert, den Text zu redigieren, bevor an eine Übersetzung zu denken ist. Kann man vom Übersetzen leben? Wie viele Bücher muss man ca. jährlich übersetzen um das zu können? Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn es ist ja ein Unterschied, ob es der schon zitierte 1300-Seiten-Wälzer oder ein "normales" 250-Seiten-Buch ist. In diesem Jahr sind es bei mir fünf Bücher und ein Kurzroman. Für einen Porsche reicht es nicht, aber ich kann mich nicht beklagen. Vielen Dank für das Interview. Was ist dein nächstes Übersetzungsprojekt? Derzeit arbeite ich an einer Reihe von Piraten-Romanzen - "Fluch der Karibik" trifft Susan Elizabeth Phillips -- von Darlene Marshall, auch eine alte Mitstreiterin aus dem Litforum. Eins habe ich schon, am zweiten sitze ich gerade, insgesamt sind es drei. Danach kommt der nächste Lord-John-Krimi von Diana Gabaldon. Barbaras Website: www.bschnell.de |
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