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Genug Hunger auf Mensa? |
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von Markus Gärtner
Spätestens seitdem Volkes Liebling Günther Jauch alle paar Wochen mal Lehrer oder Bürgermeister nach dem ihren fragt, ist er in aller Munde: der IQ. Allerorten kursieren diverse Tests, die sich anmaßen, mehr oder weniger zuverlässige Aussagen über dieses famose Ding, die Intelligenz, zu machen. Doch wer´ s wirklich wissen will, der geht in die Mensa. Allerdings nicht in den studentischen Mutterküchenersatz, sondern zur Hochbegabtenvereinigung Mensa. Die gibt wissenschaftlich seriös Auskunft über den Intelligenzquotienten.
Als Aufnahmeprüfung muss man sich einem Test unterziehen, der in acht Kategorien wie Sprachverständnis, räumliches Denken und Merkfähigkeit aussagt, ob man Mitglied werden kann oder nicht. Das geht nämlich erst ab einem Wert von 130. Doch die Leute kommen nicht nur, um dem Klub der Mensaner beizutreten, sondern vor allem aus Neugier und Ehrgeiz. Silke (33) ist Chemikerin und eine von nur zwei Frauen unter den 22 Teilnehmern. "Bei Mädchen ist es problematisch, da gilt dieses Verlangen nach Wissen und Intelligenz gleich als strebsam," bedauert sie. Adrian (20) hat den Ehrgeiz in sich gespürt: "Ich wollte wissen, ob ich´ s schaffe."
Heike Hefner, Testleiterin von Mensa, teilt die Fragebögen aus. Aufgabenstellungen durchlesen, bei Unklarheiten eventuell nachfragen, dann geraten die grauen Zellen auch schon in Wallung. Nur wenige Minuten bleiben den Teilnehmern, um Rechenoperationen in Zahlenreihen zu erkennen, unpassende Wörter auszuschließen oder im Geiste Würfel zu drehen und wenden. Bei manchen Matheaufgaben werden dunkle Erinnerungen an Schulzeitszenarien wach, und die Tests zum räumlichen Vorstellungsvermögen geben meiner nie geplanten Architektenlaufbahn den Gnadenstoß. Die Durchsagen "Noch eine Minute" führen zum hektischen Überlegen, Verwerfen und noch mal Überfliegen - nach anderthalb Stunden ist es vorbei. Die Bandbreite der Emotionen reicht von leichter Euphorie bis zum aufkommenden Selbstzweifel. "Denk dir besser nichts dazu, hab ich bei manchen Aufgaben nur gedacht," so Soziologiestudent Norbert. In zwei Wochen erfahren die Aspiranten ihren IQ-Wert und damit verbunden, ob sie Mensaner werden (dürfen) oder nicht. Mensa wurde gegründet, um die Kommunikation unter Hochbegabten zu fördern und das in Deutschland noch relativ unbefleckte, weite Feld der Intelligenz weiter zu erforschen. Der Name entstand aus dem lateinischen Wort für "Tisch", weil es die Intention der Gründer war, schlaue Köpfe an einen Tisch zu bringen. Außerdem bedeutet "mens" soviel wie Geist oder Verstand.
Inzwischen gibt es weltweit über 100.000 Mitglieder in über 80 Staaten, in Deutschland existiert nach den USA und Großbritannien mit knapp 3000 die größte Gruppe. Diese trifft sich bei den örtlichen Mensa-Stammtischen, bei denen die Mensaner nicht nur über die Relativitätstheorie, sondern auch über die Auswirkungen der Fliehkräfte auf die Socken in der Waschmaschine diskutieren. "Einen Mensa-Stammtisch erkennt man daran, dass da ein Haufen Leute sitzen, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen," verwirft die Testleiterin das Klischee von der eigenbrötlerischen Eliteclique. Darüber hinaus gibt es Vortragsabende, nationale Mitgliedertreffen und über 300 Special Interest Groups, die sogenannten SIGs, die sich besonderen Themen wie dem Kochen widmen, wie die SIG Mund Freud(!).
Auch die Mensamitglieder wissen, dass ein hoher IQ nicht die Eintrittskarte zur Glückseligkeit ist. "Man kann Probleme schneller lösen, aber sich auch schnell welche machen," betont Frau Hefner die zwei Seiten der Hochbegabung, "IQ hat nichts mit Lebenstauglichkeit zu tun." Hochbegabte Kinder haben aufgrund ihres Talentes oft Probleme akzeptiert zu werden und bleiben bei fehlender Entdeckung und Förderung massiv unter ihren Möglichkeiten. Das sind die sogenannten Underachiever. Diesen kann jedoch auch bei Mensa geholfen werden. Der Test kann ab 14 Jahren durchgeführt werden. Doch nicht jeder Frühentwickler ist hochbegabt. Die individuellen Lernfenster öffnen sich bei jedem zu unterschiedlichen Altersstufen. Dazu muss man unterscheiden zwischen Hochbegabten, die von Natur aus begünstigt, aber oft unmotiviert sind und Hochleistern, die die geringere Begabung durch hohe Leistungsbereitschaft beinahe egalisieren.
Außerdem kann man zwischen zwei Arten von Hochbegabung differenzieren: Eine, die sich auf allen Feldern auf einem wesentlich höheren Level bewegt und eine, die in einem spezifischen Bereich besondere Spitzenwerte, sogenannte peaks, erreicht. So erklären sich auch die teilweise skurrilen beruflichen Laufbahnen mancher Mensaner, die aufgrund ihrer vielfältigen Interessenlage oft heute in einem ganz anderen Bereich arbeiten als von ihrem Studium her vorgesehen. Aber das dürfte ja vor allem den Geisteswissenschaftlern unter uns nur ein müdes Lächeln entlocken. Auch bei der Auswertung des Testes ist die Flexibilität entscheidend. Nur wer bei allen abgefragten Bereichen konstant hohe Werte erzielt, hat gute Chancen zu den zwei Prozent der Bevölkerung zu zählen, die als hochbegabt gelten und aufgenommen werden. Für die Anderen heißt es weiter üben. Der Test kann in einem halben Jahr wiederholt werden, damit die Teilnehmer genug Zeit haben, die Aufgaben zu vergessen. Markus Gärtner Info-Link: Zum Üben:
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