"Neugierig muss man sein - und ein großes Mitteilungsbedürfnis haben"

 

Ernst Elitz

von Dorothee Kittlass

SpiriTV sprach mit dem Intendanten von Deutschlandradio und Deutschlandfunk über den Beruf des Journalisten.

Ernst Elitz wurde am 24. Juli 1941 in Berlin geboren. Dort studierte er an der Freien Uni Alte und Neue Germanistik, Theaterwissenschaften, Politik und Philosophie. Er arbeitete unter anderem als Redakteur für den Spiegel, die Zeit und Publik. Von 1974 bis 1983 arbeitete für das ZDF im Studio Berlin und war für die Berichterstattung aus Ost- und West-Berlin zuständig. Ausserdem war er Moderator und stellvertretender Leiter des "heute journals".

Seit 1994 ist er Intendant des Deutschland Radio und Deutschlandfunks.
SpiriTV: Welche journalistischen Ausbildungen bieten Deutschlandfunk und Deutschlandradio an?

Elitz: Wir bieten in unseren beiden Funkhäusern Praktikanten- und Volontariatsplätze an. Daneben natürlich auch Praktika im Justitiariat für Referendare, die ja bestimmte Stationen durchlaufen müssen, und in der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung bieten wir spezielle Praktika an.

Im Volontariatsbereich nehmen wir neben den allgemeinen Volontariaten auch für Musik und Wissenschaftsvolontariate auf. Weil auf Grund unseres Programmauftrages Musik und Wissenschaft eine wichtige Rolle spielen.

SpiriTV: Welche Voraussetzungen muss man erfüllen um ein Praktikum bzw. Volontariat zu bekommen?

Elitz: Für ein Praktikum sind Erfahrungen in anderen Medien wünschenswert aber nicht zwingend. Wir bevorzugen Studenten, die ein Praktikum für ihr Studium vorweisen müssen. Volontäre benötigen ein abgeschlossenes Studium und eine breitere Medienerfahrung.

SpiriTV: Wieviele junge Leute bewerben sich durchschnittlich auf diese Plätze?

Elitz: Es bewerben sich immer ein paar hundert. Damit es nicht ein paar tausend werden, schalten wir auch keine Anzeigen, sondern gehen davon aus, wer zu uns kommt sollte schon wissen, wofür er sich bewirbt und muss nicht erst durch eine Zeitungsanzeige darauf aufmerksam gemacht werden.

SpiriTV: Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen wenn man Journalist werden will?

Elitz: Er muss erstens neugierig sein. Er muss unbefangen allen Positionen gegenüber sein, nicht mit festgefassten Meinungen kommen, das ist für einen Journalisten immer eine schlechte Ausgangsposition, wenn er schon immer alles besser weiß bevor er anfängt zu schreiben. Außerdem sollte er eine breite Allgemeinbildung haben, eine hohe Kommunikationsfähigkeit und auch die Fähigkeit sich auszudrücken und den Spaß daran anderen etwas mitzuteilen - und zwar auf eine Art und Weise, dass die Leser es auch verstehen, und ihre Freude daran haben und das sie dabei Einsichten gewinnen für ihre persönlichen Entscheidungen.

SpiriTV: Haben Sie ein paar Tipps für Bewerber?

Elitz: Man sollte beweisen, dass man über das allgemeine Interesse hinaus ein Interesse am Journalismus hat und eine Neugier, die man schon befriedigt hat, indem man schon für andere Medien etwas geschrieben hat oder in anderen Medien schon tätig gewesen ist.
Man sollte ein Auftreten haben, das andere nicht blockiert, sondern für einen einnimmt. Sonst werden sie als Journalist wohin kommen mit einem Gesichtsausdruck, das alle Leute sagen: "Hoffentlich geht der bald wieder!" Dann hat man als Journalist wenig Chance überhaupt an Informationen zu kommen.

SpiriTV: Wie sieht ein typischer Tag im Leben des Intendanten vom Deutschlandfund und Deutschland Radio aus?

Elitz: Nehmen wir mal den morgigen Tag: um halb acht morgen früh werde ich abgeholt und fliege dann in unser Berliner Funkhaus und habe dort ein paar Termine und Personalgespräche mit Mitarbeitern. Ich muss Vorlagen für den Hörfunkrat und den Verwaltungsrat mit den unterschiedlichsten Themen fertig machen. Habe dann einen Termin mit dem Redakteursausschuss. Mittags werde ich zu einem Empfang zu Ehren des Oberbürgermeisters von Berlin gehen. Abends besuche das Berliner Ensemble, wo wir um 20 Uhr eine Veranstaltung vom Deutschlandfunk haben. Und dann ist mein Tag um 23Uhr beendet.

SpiriTV: Das hat ja nicht mehr viel mit Journalismus zu tun...

Elitz: Als Intendant habe ich nichts mehr Journalismus zu tun. Ich bin für Journalisten verantwortlich, bin aber kein tätiger Journalist mehr.

SpiriTV: Vermissen Sie die Arbeit als Journalist gar nicht?

Elitz: Ich war 40 Jahre lang Journalist und habe schon als Student in meinen ersten Semestern angefangen journalistisch zu arbeiten, und kann deswegen sagen, dass ich es hinreichend praktiziert habe und kann es immer noch. Als Hobby bin ich manchmal noch als Journalist tätig.

SpiriTV: Warum sind Sie Journalist geworden?

Elitz: Weil ich neugierig war, weil ich ein großes Mitteilungsbedürfnis hatte. Weil ich mich immer für unterschiedlichste Dinge interessiert habe. Für mich war es unvorstellbar, einen Beruf zu ergreifen in dem ich mich mein Leben lang mit der selben Thematik beschäftigen muss.

SpiriTV: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Elitz: Für die Zukunft wünsche ich mir lauter nette, neugierige und kontaktfreudige Journalistinnen und Journalisten.

Mehr Infos über die Ausbildungsmöglichkeiten beim Deutschlandfunk und Deutschlandradio unter: http://www.dradio.de/.

 
Wie gefällt Euch dieser Beitrag? Sagt uns Eure Meinung im Forum !!!
 


© SpiriTV e.V. 2001. Impressum
SpiriTV e.V. ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Seiten.
Hinweise zum RealPlayer