"Ich liebe Fernsehen! Es ist das komplettere Medium."

 

Gerhard Zeiler
von Dorothee Kittlass

SpiriTV sprach mit dem Geschäftsführer von RTL, Gerhard Zeiler, 56, über die Zukunft des Internet, seinen beruflichen Werdegang und über die Ausbildungswege von Journalisten.

Gerhard Zeiler wurde 1955 in Wien geboren und war bereits mit 24 Jahren Pressesekretär und Pressesprecher des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst. Von 1983 bis 1986 war er Pressesprecher der Bundeskanzler Dr. Fred Sinowatz und Dr. Franz Vranitzky. Im November 1986 wurde er Generalsekretär des ORF. Nach seinen Stationen als Geschäftsführer bei dem deutschen Privatsender Tele 5 in München und RTL 2 in Köln, kehrte er 1994 als Generalintendant zum ORF nach Österreich zurück. Seit November 1998 ist er Geschäftsführer von RTL in Köln.

SpiriTV:
Wie wichtig wird das Internet in Zukunft sein?

Zeiler:
Als vor eineinhalb Jahren der Internet-Boom begonnen hat, gab es viele, die gesagt haben, dass das Internet alle anderen Medien ablösen wird, insbesondere das Fernsehen. Es wird vielleicht noch zehn Jahre dauern, aber dann ist es soweit. Heute gibt es viele, die sagen, das Internet sei tot, denn es gibt keine Geschäftsmodelle.

Beides ist falsch. Die Hysterie oder Euphorie des Jahres 2000 ist falsch gewesen, wie man heute sieht. Aber genauso die Grabesstimmung, die man heute erlebt, ist falsch. Das Internet ist in der Zwischenzeit zum Massenmedium geworden, das vor allem zur Kommunikation genutzt wird, aber auch sehr stark zur Informationssuche. Die zwei großen Fragen, die offen bleiben, sind: Wie wird es im Bereich der Unterhaltung genutzt? Welche Möglichkeiten gibt es da? Auf der anderen Seite frage ich mich: Wird es ein Kaufmedium, ein Commerce-Medium? So wie es sich die "Business-Model-Theoretiker" der vergangenen Jahre überlegt haben. Oder wird es das nicht?

Meine Ansicht ist, dass es das sehr wohl werden wird, dass wir uns darauf einstellen müssen, dass es kein "entweder oder" gibt, sondern ein "sowohl als auch". Und wenn Sie sich heute die Strategien der wenigen wirklich erfolgreichen E-Commerce Unternehmen anschauen, wie zum Beispiel amazon.com, dann sehen Sie, dass sie nicht nur virtuell den Buchhandel aufbauen wollen, sondern auch im normalen Buchhandelsgeschäft einsteigen wollen. In dieser Verbindung wird die Zukunft liegen.

SpiriTV:
Strebt RTL so eine Verbindung an?

Zeiler:
Wir haben mit dem RTL Shop begonnen, ein normales Handelsgeschäft zu betreiben, über das Medium Fernsehen. Natürlich spielt E-Commerce ein Rolle. Zugegeben, unsere hochtrabenden Pläne haben wir erst mal auf die lange Bank geschoben, weil viele unterschätzen, dass E-Commerce sehr viel kostet. Wir befinden uns noch in der Anfangsphase, trotzdem wird E-Commerce ein Zukunftsgeschäft werden. Davon bin ich überzeugt.

SpiriTV:
Warum sind Sie in die Medien gegangen?

Zeiler:
Ich bin mit 24 Jahren in den Aufsichtsrat des Österreichischen Rundfunks entsandt worden. Dort war ich sechs Jahre und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich ein Angebot wahrgenommen habe, in die zweite Ebene des Unternehmens einzusteigen. Das war der Start. Fernsehen ist Teil meines Lebens. Ich liebe Fernsehen.

SpiriTV:
Warum?

Zeiler:
Weil es etwas mit Emotionen zu tun hat und das gefällt mir. Es ist eben nicht nur ein reines Fakt- und rationales Medium wie Print. Beim Fernsehen ist eine wahnsinnige Menge an Gefühl und Emotion dabei. Wenn Sie gefühlsmäßig in der Bild- und Hörsprache den richtigen Ton treffen, können Sie Botschaften sehr effizient übermitteln. Insofern ist es für mich das komplettere Medium. Ja, ich liebe Fernsehen!

SpiriTV:
Wie sieht ein typischer Tag im Leben des RTL-Geschäftsführers aus?

Zeiler:
Viel unspektakulärer als man es sich vorstellt. Ich bin ca. zwischen 8.30 und 9 Uhr im Büro. Zwölf Stunden später bin ich zu hause. Dazwischen gibt es viele Besprechungen und Sitzungen. Was ich dann auch noch mache, ist mir ungefähr zehn Stunden pro Woche Kassetten mit Fernsehformaten anzuschauen. Meistens auf meinem Hometrainer, damit ich wenigstens ein wenig Bewegung habe. Das ist mein Fernsehalltag.

SpiriTV:
Gehen sie schon mal fremd beim TV gucken?

Zeiler:
Ja selbstverständlich. Betriebsblindheit wäre das Falscheste was man tun kann.

SpiriTV:
Was schauen sie am liebsten?

Zeiler:
Ich bin ein Kinofan. Ich gehe einmal in der Woche mit meiner Frau ins Kino. Ich finde das große und kleine Hollywood-Kino toll. Kinofilme sind schon was ganz spezielles.

SpiriTV:
Also auch hier wieder Emotionen?

Zeiler:
Ja, ganz große!

SpiriTV:
Was gucken sie gar nicht gerne?

Zeiler:
Was ich eigentlich gar nicht gerne gucke sind Talkshows. Zumindest wenn die Menschen da nicht wirklich interessant sind.

SpiriTV:
Welche journalistischen Ausbildungen bietet RTL an?

Zeiler:
Wir haben vor einem Jahr eine Journalistenschule gegründet, wo wir Leute zu Fernsehjournalisten ausbilden. Die sonstigen Journalistenlehrgänge bilden ja meist nur zu Bildjournalisten aus. Das ist nur die halbe Miete. Viele unserer Journalisten kommen nach wie vor vom Radio. Das ist auch ein sehr guter Ausbildungsweg, aber so eine eigene Journalistenschule, wo wir die Anforderungen und Besonderheiten des Fernsehens darstellen können, ist ein sehr effektiver Weg für uns und auch für das Medium Fernsehen. Wir können nicht alle dreißig Journalisten, die wir jährlich ausbilden, bei uns halten. Insofern finanzieren wir mit unserer Ausbildung auch die Konkurrenz. Aber das soll uns recht sein.

SpiriTV:
Welche Fähigkeiten sollten die Bewerber mitbringen?

Zeiler:
Es gibt eine Vielzahl von Dingen, die ich jetzt nennen könnte, ich nenne ihnen nur einige: Fleiß, eine gewisse Intelligenz und Gradlinigkeit. Das zusammen mit einem gewissen Bildungsniveau. Man sollte zum Beispiel wissen wie der Finanzminister heißt, das sollte Voraussetzung sein. Ansonsten quick, smart, lebendig, flexibel.

SpiriTV:
Was wünschen Sie sich beruflich für die Zukunft?

Zeiler:
Das es nicht schlechter werden soll. Das alle Pläne, die wir uns vorgenommen haben zumindest teilweise in Erfüllung gehen.

SpiriTV:
Welche Pläne?

Zeiler:
Vor allem die Pläne, die wir in Bezug auf unsere Expansion im Bereich Fernsehen in Europa haben.

SpiriTV:
Was wünschen Sie sich privat für die Zukunft?

Zeiler:
Da wünsche ich mir eigentlich am meisten, dass meine Tochter, die jetzt sechs Jahre alt ist, genauso glücklich und froh in den nächsten sechs Jahren ist wie heute.

SpiriTV:
Vielen Dank.

Mehr Infos zu RTL unter www.rtl.de und zur Journalistenschule unter www.rtl-journalistenschule.de.

 
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