| von Sibylle
Hodecker und Stephanie Maier
Medienmetropole Köln - ob die Maus und der Elefant, Harald Schmidt
und Stefan Raab oder die Superstars Juliette und Alexander - sie alle
tummeln sich in der Stadt am Rhein. Zahlreiche bekannte Medienunternehmen
wie WDR, RTL oder VIVA, ihre Produktionen und Statistiken beweisen, dass
Köln in den letzten Jahrzehnten zu Deutschlands Medien-Hauptstadt
geworden ist: 30 Prozent des deutschen Fernsehprogramms entsteht hier,
täglich wird an drei
verschiedenen Schauplätzen gedreht. Die Produktionsmaschinerie dreht
sich trotz lahmender Wirtschaft; inzwischen findet jeder 10. Kölner
Beschäftigung in der Medienwelt und zahlreiche junge Leute ziehen
nach Köln - der guten
Ausbildungsmöglichkeiten in Medienberufen wegen. Doch während
Ausbildungsberufe in den Medien wie Pilze aus dem Boden schießen,
gab es an der Universität zu Köln lange keine Alternative zu
dem bisher einzigen Medienstudiengang Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften.
Seit vergangenem Wintersemester wird nun ein weiterer medienspezifischer
Studiengang angeboten: der Diplomstudiengang Medienwissenschaften.
Entstanden als Gemeinschaftsprojekt der Philosophischen Fakultät,
der WiSO-Fakultät, der Juristischen Fakultät und der
Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät werden fünf Studienrichtungen
angeboten, von denen zwei ausgewählt werden:
Medienkulturwissenschaft (Philosophische Fak.)
Medienpsychologie (Philosophische Fak.)
Medienmanagement (WiSo-Fakultät)
Medieninformatik (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)
Medienrecht (Juristische Fakultät)
Mit diesem interdisziplinären und interfakultativem Konzept ist
der Studiengang in Deutschland einzigartig und an die vielfältigen
Anforderungen der Medienwirtschaft angepasst. Kaum ein Wirtschaftsbereich
verändert sich so rapide und so umfassend wie die Medienbranche.
Und die Berufsbilder wandeln sich mit ihr: Bisher getrennte Bereiche verschmelzen
teilweise miteinander, und mit dem technologischen Wandel kommen neue
Aufgaben hinzu.
Mit der Festlegung auf zwei Schwerpunkte haben die Medienwissenschaftsstudenten
einerseits schon früh konkrete Berufsfelder im Auge, andererseits
ermöglicht ihnen die solide interdisziplinäre Grundlagenausbildung
ein hohes Maß an Flexibilität, dass in der Branche von den
Beschäftigten gefordert wird.
Flexiblität wird neben Ausdauer und Nervenstärke aber auch
schon zu Beginn des Studiums von den Studenten verlangt. Ein Spagat reicht
häufig nicht aus, um die Pflichtveranstaltungen der zwei Studienrichtungen
zu besuchen, denn
diese überschneiden sich nicht selten. Und Ausdauer gehört ohnehin
zu den Schlüsselqualifikationen eines jeden Medienwissenschaftlers:
zum einen, weil sie ständig erklären müssen, was sie denn
jetzt eigentlich studieren, und
zum anderen, um die manchmal beträchtlichen Entfernungen zwischen
den Fakultäten zurückzulegen. (30 Minuten Fußweg sind
einzuplanen - nicht immer, aber immer öfter als den "MeWis"
lieb ist). Bei der Interpretation der noch in den
Kinderschuhen steckenden und zum Teil umfertigen Studienordnung, entstand
zu Beginn des Studiums einige Verwirrung bei den Studenten, denn das Konstrukt
erwies sich als "interpretationsoffen". So bombardierten die
Erstis die
Verantwortlichen mit E-Mails und behalfen sich mit Mund-zu-Mund-Propaganda,
um den Austausch der wichtigsten Informationen zu gewährleisten.
Doch die interne Kommunikation wurde bald mit einer eigenen Homepage
professionalisiert, und die schnell ins Leben gerufene Fachschaft unterhält
nun hauptsächlich den Kontakt zu den Professoren.
"Mittlerweile überwiegen die Vorteile des Studiengangs",
findet die Studentin Friderike Wilfert, die mit Johannes Breuer am 8.
Mai auf dem Symposion zur offiziellen Eröffnung des neuen Studiengangs
für die Studenten
sprach. Das anfängliche "Chaos" habe sich inzwischen etwas
gelegt und die "Ahnungslosigkeit auf beiden Seiten" sei zum
größten Teil verschwunden, kommentiert Friderike Wilfert die
anfängliche Unwissenheit vieler Professoren über den neuen Studiengang
und die organisatorischen Schwierigkeiten. Zu den Vorteilen der geringen
Anzahl der Studierenden
(insgesamt 60 Teilnehmer) bemerkt sie ihre privilegierte Lage, im Gegensatz
zu den BWLern den ganzen Studiengang zur Geburtstagsparty einladen zu
können.
Auch die Professoren und die zahlreichen prominenten Redner aus Medien
und Politik bewerteten die Einführung des Studiengangs auf dem Symposion
positiv WDR-Intendant Fritz Pleitgen betonte in seiner Rede die Rolle
des Fernsehens
für ein vereinigtes Europa, insbesondere für die Schaffung einer
europäischen Identität. Prof. Dr. Miriam Merkel, Staatssekretärin
für Europa, Internationales und Medien, bezeichnete im heutigen Informationszeitalter
mit seiner "Medienkultur" die Medienwissenschaften als Basiswissenschaft
mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Auf die
Interdisziplinarität des Studienganges ging Prof. Dr. Jo Groebel,
Direktor des Europäischen Medieninstituts in Düsseldorf, abschließend
ein. Er wies auf die Chance hin, die eine Synthese unterschiedlicher Methoden
aus verschiedenen Fachrichtungen birgt. Manchmal, fügte er hinzu,
erwiesen sich diese aber auch als unvereinbar. Alle Redner waren sich
jedoch darüber einig, dass die Medienbranche trotz momentanem Einbruch
eine Branche der Zukunft ist und mit ihr der neue Studiengang der Medienwissenschaften.
Die Bewerbung um einen Studienplatz in dem Studiengang muss bis 15.
Juli 2003 (Ausschlussfrist!) direkt beim Studierendensekretariat der Uni
Köln auf dem üblichen Bewerbungsformular für zulassungsbeschränkte
Studiengänge
erfolgen. Studiumsbeginn ist nur zum Wintersemester möglich. Zum
Wintersemester 2002/2003 lagen über 1200 Bewerbungen für nur
60 Studienplätze vor. Der örtliche NC für die Kombination
mit Medienmanagement
betrug 1,2 für die übrigen Fächer der Medienwissenschaften
1,4.
Weitere Informationen zum Studiengang unter:
www.zfmk.uni-koeln.de (Homepage
des Zentrums für Medienwissenschaften)
www.medienwissenschaften.de.vu
(Site der Fachschaft Medienwissenschaften)
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