|
Fritz Pleitgen sprach an der Kölner Uni über das „Journalist-sein“. |
|||||
|
Dichtes Gedränge vor dem Hörsaal 23 der Uni Köln. Das
ist nichts besonderes könnte man meinen. Aber an einem Donnerstagabend
um halb sieben? Die jungen Männer und Frauen stehen dicht nebeneinander
und wirken nervös. Sie sind bereit, um einen Sitzplatz zu kämpfen. Aber
warum?
„Na heute abend hält doch der wohl wichtigste Medienmensch in Köln `nen Vortrag über Medienberufe!“, verrät Alexander, der BWL im 9.Semester studiert und in die Medien will. Die Rede ist vom derzeitigen ARD Chef und WDR Intendanten Fritz Pleitgen. Er spricht im Rahmen einer Ringvorlesung, die die Uni Köln im Wintersemester 2001/02 anbietet, und die über Medienberufe informiert. Hinkommen kann jeder, da die Vorlesung fächerübergreifend ist. Jeden zweiten Donnerstag können sich also Interessierte eine Übersicht über die Vielzahl der heiß begehrten Berufe verschaffen. Bevor Herr Pleitgen loslegen kann heißt es erst mal Block und Stifte wieder schnell zusammenpacken und in einen größeren Hörsaal umziehen, denn die Zuhörermenge übertrifft bei weitem die Erwartungen, und der Hörsaal ist völlig überfüllt. Angekommen in der riesigen Aula 1 sind nur noch einzelne Plätze frei. Herr Pleitgen betritt das Rednerpult. Reihen voll gespannter Gesichter schauen ihn an. „Um ein Volontariat beim WDR machen zu können, benötigen sie ein abgeschlossenes Studium oder eine Berufsausbildung. Wenn Sie ein Volontariat beim WDR gemacht haben sind sie heiß begehrt! Nicht nur bei ARD Anstalten!“ Jedoch gibt Herr Pleitgen auch zu, wie schwer es ist ein Volontariatsplatz beim WDR zu bekommen, gerade in der heutigen Zeit, da Medienberufe beliebt sind wie nie. Der Wunsch in die Medien zu gehen ist unter den Abiturienten so groß wie nie und rangiert in der Berufshitliste unter den ersten drei. Darunter leiden das Handwerk und die kaufmännischen Berufe. Die WDR-Personalabteilung klagt, dass sich keine jungen Menschen für die anderen angebotenen Berufe interessieren, denn es steht ja nicht das Zauberwort „Medien“ in der Berufsbezeichnung. Nach zwanzig Minuten eher oberflächlicher Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten beim WDR sind erste enttäuschte und gelangweilte Gesichter zu sehen und ein paar Mutige trauen sich sogar den Hörsaal zu verlassen. So auch die 23jährige Andrea, die im 5.Semester Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studiert. „Nach einer halben Stunde hatte ich echt genug! Die Infos über ein „Volo“ beim WDR, die Herr Pleitgen preisgegeben hat, kannte ich schon. Und ich muss nicht erst von ihm hören, wie schwer es ist beim WDR ein Volontariatsplatz zu bekommen.“ Herr Pleitgen ist nun auch WDR Intendant und nicht Berufsberater. Nützliche Informationen und hilfreiche Tipps gibt’s es dennoch. Herr Pleitgen wird nämlich zum Märchenonkel und erzählt, mit vielen Anekdoten ausgeschmückt, wie er Journalist geworden ist. „Viele von Ihnen wissen wahrscheinlich nicht, dass ich weder Abitur noch eine Ausbildung habe, trotzdem bin ich Journalist geworden. Alles fing auf dem Schulhof in meinem Heimatdorf an. Ich sollte für unser Lokalblatt über ein Fußballspiel am Wochenende berichten...“ Vierzig Jahre später ist er Chef der ARD und im Herzen noch ein echter Journalist. Doch anstatt von einer Glamourwelt zu berichten, erklärt Herr Pleitgen, dass die Berufe in den Medien mit der Zeit auch nichts anderes als graue Routine zu bieten haben. “Wenn Sie nach fünf Jahren in der selben Redaktion jeden Tag Audiobeiträge hören, die Korrekturen aufschreiben, weiterleiten und dann auf die korrigierte Endfassung warten, wissen Sie was ich meine.“ Aus der Traum vom Star sein? Für die Meisten schon! Nur ein geringer Teil der Medienmenschen kommt in den „Genuss“ des Starruhm. „Fangen sie so früh wie möglich an Erfahrungen in der Praxis zu sammeln. Zum Beispiel in den Semesterferien. Und schließen sie ihr Studium ab. Machen sie sich zum Experten - egal ob in Jura, Literatur oder in der Wirtschaft - Experten braucht man in den Medien immer“, rät Pleitgen. „Außerdem sollten sie zusehen, sich immer mit den neuesten technischen Errungenschaften vertraut zu machen! In der heutigen Zeit ist der Wandel so unglaublich schnell. Hier bieten Journalistenschulen sehr gute Möglichkeiten. Aber die sind kein Muss.“ Aber die wichtigsten Attribute um in den Medien erfolgreich zu sein fasst Herr Pleitgen mit ernstem Gesicht kurz und knapp zusammen „Sie müssen Spaß an ihrem Job haben! Dann werden sie auch Erfolg haben. Außerdem sollte ein guter Journalist immer wissen, was die Gesellschaft interessiert. Dann liegen sie richtig.“ Auch wenn Herr Pleitgen nie Student an der Uni Köln war, verbindet ihn sehr viel mit ihr. Mit strahlendem Gesicht erzählt er, wie er seiner Frau auf der Universitätsstrasse, auf Höhe der Uni, im Stau stehend einen Heiratsantrag gemacht hat. Die Ehe hält seit 33 Jahren. Weitere Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten beim WDR unter www.wdr.de. |
|||||
|
Wie gefällt Euch dieser Beitrag? Sagt uns Eure Meinung im Forum !!!
|
|||||
![]()
© SpiriTV
e.V. 2001. Impressum
SpiriTV e.V. ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Seiten.
Hinweise zum RealPlayer