PQ4R: Von Büffeln und Pauken ... Tipps und Tricks für effektives Lernen

 

von Markus Gärtner

Nicht erst seit PISA steht die bundesdeutsche Bildung im Kreuzfeuer der Kritik, und lebenslanges Lernen mutiert zur Vorzugsvokabel bei den viel zitierten Schlüsselqualifikationen. SpiriTV Bildungsbeauftragter Markus Gärtner bat eine Expertin zum Gespräch - Prof. Hilde Haider-Hasebrink von der Uni Köln.

SpiriTV: Wie definiert sich Lernen?

Haider-Hasebrink: Lernen ist ganz allgemein ein Prozess, der zu einer Verhaltensänderung führt und differenziert sich in Wissenserwerb, Fertigkeltenerwerb usw. Es ist ein fundamentaler Prozess, der uns oft unbewusst jede Minute unseres Lebens begleitet.

SpiriTV: Preisfrage: Wie lernt man am besten?

Haider-Hasebrink: Am besten über elaborative Prozesse, also zum Beispiel aus einem Text Schlussfolgerungen ziehen, und das Gelernte auf den Alltag übertragen und mit seinem vorhandenen Wissen abgleichen. Man sollte sich vorher Fragen zu einem Text überlegen, was man damit erreichen will und dann konkret dazu das Wichtigste raus schreiben. Dann gibt es die PQ4R Methode: Preview, Question, Read, Reflect, Recite, Review - also den Text überfliegen, Fragen notieren, dann gründlich lesen und reflektieren und sich am Ende vergewissern, ob man wirklich alles verstanden hat.

SpiriTV: Wie ist es bei Vorlesungen?

Haider-Hasebrink: Vorlesungen sind nicht dazu gedacht, dass man den gesamten Stoff sofort versteht, sondern es bedarf etwa der gleichen Zeit zur Vor- und Nachbereitung. Wichtig ist, dass man erst mal zuhört und mitdenkt. Notizen kann man sich später noch machen oder das Skript besorgen. Zur Festigung des Gelernten sollte man sich vor jeder neuen Vorlesung die alte ins Gedächtnis rufen und sich erinnern, was man dort gelernt hat.

SpiriTV: Wie behält man das Gelernte?

Haider-Hasebrink: Man sollte immer versuchen einen Bezug zu sich selbst herzustellen; also Gedanken oder Fragen, die mich persönlich bewegen oder im Alltag interessieren. Und man muss den Stoff natürlich wiederholen - Wissenserwerb ist Arbeit und braucht Zeit, da führt kein Weg daran vorbei.

verstanden wurde. Da besteht oft noch so eine Angst, als Dummer geoutet zu werden. So gibt es keinen Abgleich darüber, was verstanden wurde und was nicht. Und zur Not kann man natürlich immer in ein Buch schauen.

SpiriTV: Der Begriff "lebenslanges Lernen" wird gerne in den Medien und im Personalbereich als eine wichtige Schlüsselqualifikation zitiert.

Haider-Hasebrink: Wir müssen uns darauf einstellen permanent zu lernen. Dazu gehört die Bereitschaft und die Neugier, sich immer neue Wissensbereiche zu erschließen. Je mehr Bereiche man sich erschließt, umso leichter ist es, sich wieder neue anzueignen. Egal, was ich lerne - es wird zu einer Schlüsselqualifikation, wie man sich überhaupt Wissen erschließt, quasi als Nebenprodukt.

SpiriTV: Gesetzt den Fall, sie hätten die Macht - was wären die ersten drei Dinge, die sie an der Uni ändern würden?

Haider-Hasebrink: Ich würde stärker auf kritisches selbstständiges Denken pochen, ein Mentorensystem für Erstsemester einführen und das Studium stärker strukturieren, um eine größere Transparenz zu erreichen, was man in welchem Semester gelernt haben sollte.

SpiriTV: Vielen Dank für das Gespräch.

Markus Gärtner

 

 
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