| Salerno: Zwischen ‚Dolce vita' und Studentenalltag | ||||||
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von Maximiliane Sarwas
Das SOKRATES / ERASMUS Förderprogramm bietet Studenten der Universität Köln seit dem vergangenen Jahr die Möglichkeit an, im süditalienischen Salerno zu studieren. ‚Probabilità' schreibt Sonja Schwegler konzentriert mit einem rosa Kuli auf die dünnen Linien ihres eng beschriebenen Vokabelheftes. Ein Wort, bei dem sich das Gesicht fast zu einem Lächeln verziehen muss, will man es richtig aussprechen. Daneben kritzelt sie mit ein paar schnellen Strichen etwas, das an eine Palme am Meer erinnert. ‚Probabilità' ist italienisch und bedeutet ‚Chance'. Ein Wort, das für die 23-jährige Kölnerin von tragender Bedeutung ist. Denn hinter ihr liegt ein halbes Jahr im süditalienischen Salerno. "Ich kannte die Stadt schon von früheren Sprachaufenthalten", sagt die BWL-Studentin und grinst. "Sie hat mich einfach in ihren Bann gezogen. Das Klischee vom italienischen Lebensgefühl ist hier noch lebendig. Es geht darum, was Deutsche oft vergessen, nämlich arbeiten zu gehen, um sein Leben genießen zu können." Uni der Superlative Sonja war es auch, die den ersten Kontakt zwischen den Universitäten von Salerno und Köln herstellte. Über die Kölner Wirtschaftsfakultät gab es nur die Möglichkeit im norditalienischen Mailand an der Universität ‚Bocconi' zu studieren. "Das ist auch immer noch so", sagt Sonja, steht auf und schaut aus dem Fenster hinab auf das rege Treiben unten auf der kleinen Piazza. "Die Kölner Wirtschaftsfakultät wollte den Kontakt nach Salerno nicht haben. Die Gründe dafür liegen für mich völlig im Dunkeln. Ich habe den Kontakt dann der philosophischen Fakultät angeboten, worüber man sich dort auch sehr gefreut hat." Nicht ohne Grund, denn die ‚Università degli Studi di Salerno' ist der offizielle Name einer Uni, die den Vergleich mit der Kölner Partnerhochschule nicht zu scheuen braucht. "Die Uni glänzt mit Superlativen", schwärmt Sonja, während sie sich wieder hinsetzt und den rosa Kuli in der linken Hand hin und her tanzen lässt. Tatsächlich gehört Salerno neben Bologna und Paris zu den ältesten Universitätsstädten in Europa. Schon Goethe schrieb während seiner Italienreise über die Küstenstadt am südlichen Ende der amalfitanischen Halbinsel: "Wer wünschte nicht in einer Stadt zu studieren, in einer Zeit, in der ihre Universität aufblüht?" Mit dem Umzug 1988 ins zwölf Kilometer entfernte Fiscano wurde hochmodernes Multimedia-Equipment in jedem Raum installiert. "Unzählige Labore, moderne Bibliotheken, eine geräumige Mensa und diverse Sporteinrichtungen machen die Uni zu einer der größten in Süditalien", betont Professor Raimondo Pasquino, Rektor der Hochschule in Salerno. "In insgesamt neun Fakultäten teilen sich 43 000 angehende Akademiker den studentischen Alltag." Das entspricht fast der Hälfte der Anzahl aller Studenten, die an Kölns Hochschulen eingeschrieben sind. "Der Campus ist riesig", bestätigt Sonja grinsend. "Und dabei wird immer noch gebaut. Ich weiß gar nicht wie oft ich mich schon verlaufen habe."
Eine Stadt im Aufbruch Die Provinzhauptstadt Salerno mit ihren 150 000 Einwohnern ist nach Meinung der Kölner Studentin "einzigartig in Süditalien". Nur rund 60 km südlich von Neapel, eingebettet in die atemberaubende Landschaft der Amalfiküste, vereint sie den ‚Touch' vom Laissez-faire des Mezzogiorno mit mondäner Eleganz. Elegante Geschäftspassagen und die breite Fußgängerzone kontrastieren mit verwitterten Hausfassaden und den engen Gassen der ‚citta vecchia', die noch aus der Römerzeit stammen. "Die Menschen lieben ihre Stadt, für sie ist sie der Nabel der Welt", betont Sonja, die das ‚Dolce Vita' Salernos schon gut kennt. "Langweilig wird es hier nie. In den Sommermonaten ist immer was los auf den Straßen, vor und in den Cafés und Bars." Ihre Entscheidung für Salerno hatte "natürlich auch mit dem guten Wetter" zu tun, aber das war nicht das Wichtigste: "Europa rückt immer näher zusammen und es wird selbstverständlich nicht nur die eigene Landessprache zu beherrschen. Ich spreche Englisch und etwas Französisch wie heutzutage fast jeder. Italienisch ist meine Leidenschaft, aber ich verspreche mir auch in beruflicher Hinsicht viel davon, die Sprache zu beherrschen und mich kulturell auszukennen. Mit dem Italienischen erwerbe ich eine wichtige Zusatzqualifikation für das Berufsleben, die mir später auf dem Arbeitsmarkt den entscheidenden Vorteil gegenüber potenzieller Konkurrenz verschaffen kann."
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