Spontandemo gegen Studiengebühren in Bonn

 

von Rene Westfehling

Am Mittwoch, den 10.12.03, rief der AStA Bonn zu einer Vollversammlung der Studierenden der Bonner Friedrich-Wilhelms-Universität in der Mensa Nassestrasse auf. Den Anlass dazu gaben die jüngsten bundesweiten Entwicklungen im Bereich Hochschulgebühren.

Ein kleines gelbes Rundschreiben, welches am Eingang verteilt wurde, enthielt neben einigen Informationen und Demonstrationsaufrufen auch die konkrete Formulierung einer Protestresolution. Der Entwurf wurde von den Anwesenden nach kleineren Änderungsvorschlägen mit eindeutiger Mehrheit verabschiedet und wird in den nächsten Tagen an Kommunal- und Landerregierung verschickt. In dem Schreiben fordern die Bonner Studenten ein klares Verbot von Studiengebühren und damit freie Bildung für alle. Die Studierenden werfen den Regierenden verfehlte Bildungspolitik vor und solidarisieren sich damit bundesweit mit allen weiteren Protestierenden.

Unter den Rednern befand sich auch ein Vertreter aus der Giessener Studentenschaft, welche sich seit Anfang November im totalen Unistreik befindet und mit zahlreichen Protestaktionen, die von Seminaren auf öffentlichen Plätzen über Besetzungen von Radiostationen bis hin zu Partys vor dem Anwesen verantwortlicher Politikgrößen die Öffentlichkeit aufzurütteln versucht. Auch die anderen Hochschulen in Hessen streiken, und in Frankfurt wurde zur Großdemonstration am 13.12. aufgerufen. Die Hessischen Politiker machen nach jüngsten Publikationen keinen Hehl aus der Tatsache, mit den horrenden Gebühren von bis zu 1500€ pro Semester hauptsächlich den Landeshaushalt sanieren zu wollen und reden unverblümt von „Maßnahmen gegen Bummelstudenten“, was die dortigen Studenten noch zusätzlich zum Widerstand anspornt. Auch die TU Berlin hat sich mittlerweile in Streik begeben, und landesweit werden Vollversammlungen abgehalten, die sich mit der Problematik auseinandersetzen.

Nach dem Beschluss versammelten sich ein Großteil der Anwesenden vor dem Mensagebäude und starteten eine spontane Demonstration durch die Bonner Innenstadt. Mit Transparenten und lauten Sprechchören zogen sie zum Poppelsdorfer Schloss, von dort aus über die Weihnachtsmärkte auf dem Münsterplatz und dem Friedensplatz .Im Anschluss begaben sich die Demonstranten zum Bertha-von-Suttner-Platz, wo sie die Straßenkreuzung eine Weile besetzt hielten. Durch die daraus entstandenen Verkehrsstörungen machten sie zahlreiche Passanten auf sich aufmerksam. Ebenso hielten sie damit die inzwischen mobilisierten Ordnungshüter stark beschäftigt, welche jedoch lediglich den friedlichen Ablauf sicherstellten und an die Demonstrierenden appellierten, den Verkehr nicht weiter zu behindern.

Eine kurze Befragung unter den Zuschauern ergab ziemlich deutlich, dass wie auf der Versammlung von den Rednern der Studierendenschaft schon beschrieben die Einzelheiten der Problematik den wenigsten wirklich vertraut sind. Ein Sprecher der Demonstranten deutete dies als eindeutiges Zeichen, wie wichtig und notwendig weitere Aktionen seien. Die Demo endete schließlich nach weiterhin friedlichem Verlauf wieder am Ausgangspunkt in der Nassestrasse.

Für weitere Informationen rund um die Bonner Proteste :
www.asta-bonn.de

Für Informationen über den Hochschulstreik in Hessen :
www.stud.uni-giessen.de/asta/cat/1/de/


 

 
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