| von Sandra Berkling
Ein ordentliches Studium an einer staatlichen Hochschule setzt drei
Dinge voraus: Ein akzeptables Abiturzeugnis, die halbwegs erkennbare Motivation,
sich dem steigenden Zeitaufwand und Arbeitspensum zu stellen, und –
last but
not least – die Möglichkeit, ein teures Studium finanziell
auf die Beine zu stellen. Wer nicht gerade von seinen Eltern unterstützt
wird, der sucht sich einen Job oder stürzt sich in den heroischen
Kampf um Geldmittel des
BaföG-Amtes. Wenn jedoch nicht nur die Sorge um den schnöden
Mammon verbannt werden soll, sondern auch nach einer ideellen Förderung
des eigenen Studiums gesucht wird, dann sind Studienstiftungen der richtige
Ansprechpartner.
Am 13.Mai nutzten Studenten der Kölner Uni die Gelegenheit, das
Angebot deutscher Studienstiftungen auf einer Veranstaltung des Evangelischen
Studienwerks unter die Lupe zu nehmen. Sämtliche kirchlichen, politischen
und gewerkschaftlichen Stiftungen präsentierten unter dem Motto "Mehr
als nur Stipendien" ihre Arbeitsphilosophie und erläuterten,
welche Voraussetzungen und Leistungen mit einem Stipendium verbunden sind.
Anhand von Informationsbroschüren, Vorträgen und Vier-Augen-Gesprächen
konnten sich Interessenten mit den nötigen Fakten vertraut machen
und spezielle Fragen erörtern. Obwohl der Erkenntnisdrang vieler
Anwesender sich
wohl hauptsächlich auf die finanziellen Modalitäten eines Stipendiums
konzentrierte, lag den Stiftungen besonders daran, die Bedeutung ihrer
Einrichtungen nicht auf eine bloße Geldgeberfunktion zu minimieren,
denn der
Schwerpunkt der Stiftungsarbeit bewegt sich viel stärker in Richtung
mentaler Förderung von herausragenden Persönlichkeiten und der
Fortentwicklung vielversprechender Wissensansätze. Trotzdem diese
bildungstechnische Komponente ins rechte Licht gerückt werden sollte,
verzichtete man nicht auf eine kurze Einführung in das finanzielle
Programm der Stiftungen, das nach einem einheitlichen Maßstab strukturiert
ist. Jede
Stiftung bietet daher die gleichen Geldsätze an. Für Studien-
und Promotionsstipendien, die sowohl deutschen als auch ausländischen
Bewerbern offen stehen, gilt grundsätzlich, dass das Einkommen der
Eltern bzw. das eigene Einkommen sowie die familiäre Situation (verheiratet,
eigene Kinder) berücksichtigt werden.
Das Angebot sieht folgendermaßen aus:
Studienstipendien: max. 525 € im Monat
plus 80 € Büchergeld 155 € für Verheiratete/ Eltern
Zuschuss zur Krankenversicherung
Promotionsstipendien: max. 920 € im
Monat plus 100 € Forschungsgeld 155 € für Verheiratete/
Eltern
Auslandsförderung: Studiengebührenerstattung
bis zu 8000 € pro Jahr (für Stipendiaten) Erstattung von Reisekosten
plus länderbezogener Auslandszuschlag
Außerdem im Angebot: studienbezogene
Praktika, Famulaturen, PJ (Praktisches Jahr)
Stiftungen garantieren ihren Stipendiaten offensichtlich ein beruhigendes
Finanzpolster, doch im Gegenzug werden entsprechende Leistungen gefordert.
Zum perfekten Bewerberprofil gehören zunächst überdurchschnittliche
Noten.
"Überdurchschnittlich" kann in diesem Fall heißen,
dass der Bewerber tatsächlich sehr gute Noten eingeheimst hat oder
dass er lediglich über dem Durchschnitt liegt, was nicht zwangsläufig
mit rekordverdächtigen Ergebnissen gleichzusetzen ist.
Zweitens verlangt jede Stiftung eine außergewöhnliche charakterliche
Eignung, wobei das persönliche Potential eines Kandidaten sicherlich
nicht nach streng festgelegten Kriterien beurteilt werden kann. Drittens
muß jeder
Bewerber ein längerfristiges Engagement im sozialen, politischen
oder kirchlichen Bereich vorweisen können. Gerade dieser Punkt besitzt
für eine Studienstiftung höchsten Erkenntniswert. Wer seine
durch das Studium ohnehin
schon eingeschränkte Freizeit ehrenamtlichen Aufgaben opfert, stellt
sein Verantwortungsbewusstsein unter Beweis und kann mit dem Wohlwollen
der Stiftung rechnen. Bei kirchlichen Stiftungen wird persönlicher
Einsatz im Gemeindewesen vorausgesetzt (ebenso wie die Zugehörigkeit
zu einer bestimmten Konfession), wohingegen politische Stiftungen den
Besitz eines speziellen Parteibuchs keineswegs für zwingend erklären.
Ferner wird natürlich erwartet, dass sich der Bewerber mit den jeweiligen
Werten und Zielen einer Stiftung identifiziert.
Wie immer wieder betont wurde, ist eine Bewerbung für ein Stipendium
nur dann wirklich erfolgversprechend, wenn der Kandidat die genannten
Anforderungen erfüllen kann, ansonsten fällt man schnell dem
harten Selektionsprozeß zum Opfer. Für all diejenigen, die
sich nicht abschrecken lassen und dem obligatorischen Papierkrieg die
Stirn bieten wollen, gelten noch ein paar formale Regeln. Interessenten
sollten sich zu Studienbeginn oder spätestens nach dem Grundstudium
um ein Stipendium kümmern, da im Studiumsendspurt nur in Ausnahmefällen
ein Stipendium bewilligt wird. Studenten einer Fachhochschule werden nicht
bei jeder Stiftung als Bewerber zugelassen und sollten sich erkundigen,
ob eine Bewerbung überhaupt möglich ist. Generell wird erwartet,
dass sich ein Interessent für eine Stiftung entscheidet und sich
bei dieser bewirbt, anstatt zig Bewerbungen in alle Himmelsrichtungen
zu verschicken. Zwar ist es durchaus erlaubt, parallel eine zweite Bewerbung
in die Wege zu leiten, aber hierbei können leicht Irritationen entstehen
(z.B. wenn man sich bei der CDU nahen Konrad-Adenauer-Stiftung bewirbt
und gleichzeitig bei der linken Rosa-Luxemburg-Stiftung anfragt).
Vor einer Bewerbung sollten sich Interessenten ebenfalls darüber
im Klaren sein, dass sie mit der Aufnahme in ein Stipendiatenprogramm
zu aktivem Engagement innerhalb der Stiftung verpflichtet sind oder dies
zumindest von
ihnen erwartet wird. Die Teilnahme an Seminaren und Treffen sowie die
eigenständige Organisation solcher weiterbildenden Veranstaltungen
liegen bei den Stipendiaten selbst. Und auch nach dem Abschluß des
Studiums bzw.
der Promotion wird der Kontakt zu der Stiftung weiter gepflegt, so dass
ehemalige Stipendiaten dort immer noch Verantwortung übernehmen können
oder sollen. Nach eigenen Aussagen empfanden anwesende Stipendiaten die
enge
Bindung an ihre Stiftung aber nicht als Belastung, sondern nahmen sich
im Gegenteil der gemeinsamen Arbeit mit ihren Kommilitonen gerne an.
Im folgenden wird ein Überblick über die zehn Stiftungen gegeben,
die sich in der Uni präsentiert haben. Die meisten Angaben beziehen
sich auf die Studienförderung und nicht auf die Promotionsförderung,
für die wieder andere Richtlinien gelten. Ausführlichere Informationen
sind auf den angegebenen Internetseiten der Stiftungen zu finden. Die
Bewerbungsfristen, die sich gelegentlich ändern und nicht bei allen
Stiftungen identisch sind, können ebenso wie die genaue Bewerbungsprozedur
dort abgerufen werden.
Cusanuswerk
- Begabtenförderung der katholischen Kirche
- Voraussetzung: katholische Konfession
- Förderungsbeginn: ab dem 2. Semester
- Bewerber müssen mind. noch vier Semester Regelstudienzeit vor sich
haben
Cusanuswerk
Baumschulallee 5
53115 Bonn
Fon 0228- 98384 0
Fax 0228- 98384 99
www.cusanuswerk.de
Evangelisches Studienwerk Villigst
- Begabtenförderungswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland
- Voraussetzung: Zugehörigkeit zu einer evangelischen Kirche
- Förderungsbeginn: frühestens ab dem 1.Semester, spätestens
ab dem
5.Semester
(für Fachhochschulstudenten spätestens ab dem 3.Semester)
- Bewerbungsunterlagen: erhältlich als Download auf der Homepage,
Anforderung
per Internetformular oder telefonische/schriftliche Anforderung
Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst
Iserlohner Straße 25
58239 Schwerte
Fon 02304- 755 213
Fax 02304- 755 250
www.evstudienwerk.de
Friedrich-Ebert-Stiftung
- SPD nah
- Förderungsbeginn: frühestens ab dem 1. Semester, spätestens
ab dem 4.
Semester
- Bewerbungsunterlagen: Anforderung der Unterlagen durch ein formloses
Schreiben, das knappe Angaben zur Person, zur bisherigen Ausbildung und
zum
gesellschaftspolitischen Engagement enthalten soll oder: Unterlagen auf
der
Homepage downloaden und abschicken
keine festen Bewerbungsfristen!
Friedrich-Ebert-Stiftung
Abt. Studienförderung
Godesberger Allee 149
53170 Bonn
Fon 0228- 883 0
Fax 0228- 883 697
www.fes.de
Friedrich-Naumann-Stiftung
- FDP nah
- Förderung ab dem 2. Semester, für Ausländer nach einem
abgeschlossenem Grundstudium
- Förderungsdauer: 1 bis 3 Jahre
- Bewerbungsunterlagen: einige kurze Fragen, die auf der Homepage im Abschnitt
'Förderrichtlinien' zu finden sind, müssen beantwortet und der
Stiftung schriftlich zugesandt werden, dann erhalten Interessenten die
kompletten
Bewerbungsuntergen per Post
Friedrich-Naumann-Stiftung
Begabtenförderung
Karl-Marx-Str.2
14482 Potsdam
Fon 0331- 7019 349
Fax 0331- 7019 222
www.fnst.de
Hanns-Seidel-Stiftung
- CSU nah
- regionale Stipendiatengruppen in ganz Deutschland
- angehende Historiker haben besonders gute Chancen, publizistisch talentierte
Stipendiaten können sich für eine zusätzliche Förderung
für Nachwuchsjournalisten bewerben
- Förderungsbeginn: ab dem 2. Semester
- Förderungsdauer 1 Jahr, danach Verlängerung möglich
- Bewerbungsunterlagen: können bei der Stiftung schriftlich angefordert
oder auf der Homepage heruntergeladen werden
Hanns-Seidel-Stiftung
Förderungswerk
Lazarettstraße 33
80636 München
www.hss.de
Hans-Böckler-Stiftung
- Studienförderungswerk des DGB (Deutschen Gewerkschaftsbundes)
- Arbeitnehmerkinder und Absolventen des zweiten Bildungswegs werden vorrangig
gefördert
- Voraussetzung: gewerkschaftliches oder sozialpolitisches Engagement
- Förderungsbeginn: ab dem 1. Semester
- Förderungsdauer: max. 3 Semester
- Bewerbungsverfahren: direkte Bewerbung bei der Stiftung nicht möglich
Gewerkschaftsmitglieder werden vorgeschlagen von Vertretern des DGB oder
der Stiftung Nicht-Gewerkschaftsmitglieder können von den Stipendiatengruppen
der Hochschulen oder von den Vertrauensdozenten vorgeschlagen werden.
Hans-Böckler-Stiftung
Abt. Studienförderung
Hans-Böckler-Str. 39
40476 Düsseldorf
Fon 0211- 77 78 145/ 146/ 140
Fax 0211- 77 78 210
www.boeckler.de
Heinrich-Böll-Stiftung
- GRÜNEN nah
- ca. 80- bis 100 Stipendien jährlich
- Voraussetzung: Übereinstimmung mit den Werten der GRÜNEN (Schutz
der Menschenrechte, Ökologie, Demokratie etc.)
- Förderung möglich nach abgeschlossenem Grundstudium
- Förderungsdauer: 2 bis 3 Jahre
Heinrich-Böll-Stiftung
Studienwerk
Rosenthalerstr. 40/41
10178 Berlin
Fon 030- 285 34 400 (Sprechzeiten Mo, Di, Do, Fr 10-13 Uhr)
Fax 030- 285 34 5400
www.boell.de
Konrad-Adenauer-Stiftung
- CDU nah
- neben den üblichen Stipendienprogrammen auch journalistische Nachwuchsförderung
(Bewerbung spätestens bis zum 3. Semester) und Stipendien für
Künstler (für Studenten im Aufbaustudiengang oder Freiberufler
mit abgeschlossener Berufsausbildung)
- Förderungsbeginn: ab dem 1. Semester
- Bewerbungsunterlagen: Download auf der Homepage
Konrad-Adenauer-Stiftung
Begabtenförderung
Rathausallee 12
53757 Sankt Augustin
www.kas.de
Rosa-Luxemburg-Stiftung
- PDS nah
- Frauen sowie sozial benachteiligte Bewerber werden bevorzugt gefördert
- Förderbeginn: ab dem 3. Semester, Fachhochschulstudenten ab dem
2. Semester
- Bewerber müssen noch mindestens vier Semester Regelstudienzeit
vor sich haben und dürfen nicht älter als 30 Jahre sein
- Förderungsdauer: max. 3 Jahre
- Bewerbungsunterlagen: Download auf der Homepage, keine Versendung per
Post
durch die Stiftung!
Rosa-Luxemburg-Stiftung
Gesellschaftsanalyse und Politische Bildung e.V.
Studienwerk
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin
Fon 030- 44 310 223 (Sprechzeiten Mo-Do 13 bis 15 Uhr)
www.rosaluxemburgstiftung.de
Stiftung der Deutschen Wirtschaft (Studienförderwerk Klaus
Murmann)
- Angebot richtet sich an alle Fachrichtungen, Bewerbungen von Frauen
und aus natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern werden besonders
begrüßt
- jährlich ca. 800 Stipendien
- Förderungsbeginn: frühestens ab dem 2. Semester, spätestens
ab dem 5. Semester (Fachhochschulstudenten spätestens ab dem 4. Semester)
- Bewerbungsverfahren: Bewerbung über den nächsten sdw-Vertrauensdozenten
in einer Region
Stiftung der Deutschen Wirtschaft
Studienförderwerk Klaus Murmann
Haus der Deutschen Wirtschaft
Breite Straße 29
10178 Berlin
Fon 030- 203315 40
Fax 030- 203315 55
www.sdw.org
Weitere Förderungswerke:
Arbeitsgemeinschaft der Begabtenförderungswerke in der Bundesrepublik
www.begabtenfoerderungswerke.de
Studienstiftung des Deutschen Volkes
(Bewerber können nur vorgeschlagen werden, keine Selbstbewerbung
möglich!)
www.studienstiftung.de
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