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Tatort Campus - Wie sicher ist unsere Uni? |
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von Christiane Schmidt-Rottig
Die Universität zu Köln. Hier treffen täglich Tausende Menschen in einer doch sehr anonymen Atmosphäre aufeinander. Die Vorlesungen sind überfüllt, auf den Gängen wird geschoben und gedrängelt. Grund genug, über die Sicherheit auf dem Campus nachzudenken. Wer könnte hierzu präzisere Auskunft geben als die Polizei?
Meine diesbezügliche E-Mail-Anfrage an die Polizei Köln wurde mit regem Interesse beantwortet und ich wurde schon für den übernächsten Tag zum Interviewtermin mit den Kriminalhauptkommissaren Walter Luxen und Josef Pütz der Polizeiinspektion 3 eingeladen.
Die Freundlichkeit der Hauptkommissare half mir schnell über das mulmige Gefühl hinweg, das mich in Gegenwart der Polizei beschleicht. Sie betonten, dass sie in diesem Artikel vor allem die Chance sehen, Studenten über Brennpunkte an der Uni zu informieren und so Prävention betreiben zu können.
Zu den bei der Polizei angezeigten Delikten zählen hauptsächlich Diebstahlsdelikte. Von den 120 angezeigten Delikten innerhalb des Zeitraums von August 2002 bis März 2003 betrafen 29 Delikte die Einrichtungen der Universität (Diebstahl von Beamern, Monitoren etc.). In 22 Fällen wurde das Uni-Personal und in 69 Fällen wurden Studenten um ihre Wertsachen erleichtert. Die Vorgehensweise der Diebe ist denkbar einfach: Ein kurzzeitig leeres Büro oder ein achtlos vor dem Hörsaal abgestellter Rucksack laden zum schnellen Abgreifen von Handys und Geldbörsen ein. Bis der Verlust bemerkt wird, sind die Konten bereits abgeräumt und das Handy vertickt. Auch Fahrräder stehen hoch im Kurs. Erstaunlich, aber wahr: Hehler kaufen sie bereitwillig an, um sie Containerweise in Länder zu verschiffen, in denen sich der Absatz lohnt. Kein Wunder also, dass jährlich ca. 500 Drahtesel am Albertus-Magnus-Platz gestohlen werden.
Bei den Tätern handelt es sich fast ausschließlich um Junkies, die Geld für neuen Stoff brauchen. Meist sind Täterpaare unterwegs, so dass sie beim Einsatz geklauter EC-Karten wenig auffallen. "Vorsicht auch bei Bettlern, die auf dem Campus nach Kleingeld schnorren," warnt Kriminalkommissar Walter Luxen. "Blitzschnell greifen sie nach dem Inhalt der Geldbörse, während der mitfühlende Student Kleingeld zusammensucht."
Trotz der angezeigten Diebstähle schätzt die Polizei die Dunkelziffer auf ein fünffaches. Die Polizei bittet daher, jeden Diebstahl zur Anzeige zu bringen. Entsprechende Vordrucke sind bei allen Pförtnern der Uni erhältlich. Anzeigen müssen demnach nicht auf einer Polizeiwache gemacht werden. "Nur so können Brennpunkte ermittelt werden, um zielgerichtet vorgehen zu können," erklärt der Kriminalhauptkommissar Josef Pütz. Und die Polizei tut was! Neben uniformierten Beamten zur Abschreckung sind auch als Zivilpersonen getarnte Beamte im Einsatz. Auch im Schadenfall gibt die Polizei nicht auf. Unlängst gelang es ihr einen gestohlenen Beamer im Wert von 30.000 Euro bei Internetaktionshaus eBay aufzustöbern.
Bei der Frage nach schwereren Delikten wie Mord oder Vergewaltigung winken die beiden Hauptkommissare ab. Dennoch: Gelegentlich verirrt sich auch mal ein Exhibitionist auf den Campus. Auch Spanner sind schon beim "Spiegel-unter-der-Tür"-Trick erwischt worden. Auch hier ist also entsprechende Vorsicht geboten, und es gilt, jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen!
Aber auch die Studentenschaft selbst ist nicht ganz so unschuldig. Ein bestimmter Fachbereich fällt beispielsweise regelmäßig dadurch auf, dass vor Examensklausuren in das Büro der Fachschaft eingebrochen wird, um Klausuraufgaben zu stehlen. Was scheinbar jedoch noch keiner weiß: Aufgaben und Musterlösungen werden aus diesem Grund schon lange nicht mehr in der Uni aufbewahrt.
Nach ungefähr anderthalb Stunden ist das Interview beendet. Auf dem Weg zum Ausgang erhalte ich noch eine Informationsbroschüre zum Schutz vor Diebstahl. Insgesamt verlasse ich das Präsidium mit dem guten Gefühl, dass sich die Polizei für unsere Sicherheit an der Uni einsetzt, und ich hoffe, dass sich meine Besuche bei der Polizei auch zukünftig auf Interviewtermine beschränken.
Christiane Schmidt-Rottig |
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