Deutschlands „geilster“ Flughafen: Köln-Bonn

 

von Vitali Bogdanov
Der Flughafe Köln-Bonn

Köln als Drehkreuz für Billigflüge

Die Billiganbieter offerieren den Trip zu den Metropolen Europas jetzt zum "Nahverkehrstarif." Für 20 oder 30 Euro nach London, Berlin oder Mailand – bei solchen Schnäppchenpreisen können selbst Reisemuffel kaum widerstehen. Höhenflüge mit neuen Billig-Airlines sind nicht mehr nur den Reichen vorbehalten, sondern sind auch dem kleineren (Studenten-)Geldbeutel zugänglich.

Vier sogenannte Low-Cost-Airlines landen derzeit in Köln-Bonn, zwei davon haben sogar ihre Basis dort. Seit dem Start der Lufthansa-Billigtochter Germanwings und Hapag-Lloyd-Express steigen die Passagierzahlen des Flughafens kontinuierlich. Weiteres Wachstum wird erwartet, vor allem wenn 2004 der neue ICE-Bahnhof direkt am Flughafen eröffnet wird. Damit ist der Flughafen zum Drehkreuz für Billigflüge in Deutschland geworden und wird für Städtetouristen zu dem europäischen Reiseziel, das am günstigsten zu erreichen ist.

Was machen die Billigflieger anders, um solche Schnäppchenpreise offerieren zu können?

Sparen, sparen, überall sparen – das ist das einfache Prinzip der Billigflieger. Kostenlos ist an Bord nichts. Wer Bordverpflegung (Getränke, Essen oder Zeitungen) wünscht, muss hierfür extra bezahlen. Da wird dann auch nicht so zugelangt wie sonst, was den Vorteil hat, dass weit weniger Müll anfällt. Um beim Putzen Zeit und Geld zu sparen, bieten Billigflieger an Bord sogar fast bröselfreie Brötchen, die mit nicht schmierenden Belägen verkauft werden (Der Verzehr vom mitgebrachten Speisen ist übrigens verboten!). Dadurch dass der Service auf ein Minimum beschränkt ist, werden weniger Flugbegleiter gebraucht.

Auch bei der Buchung sparen die Gesellschaften massiv Personal. Verkauft wird nur übers Internet oder über das firmeneigene Callcenter, denn so entfallen die hohen Reisebürokommissionen. Tickets werden gar nicht mehr ausgestellt. Der Kunde bekommt stattdessen eine Buchungsnummer, damit sparen die Unternehmen Material- und Versandkosten.

Ein weiterer wesentlicher Faktor, der die Kosten niedriger als bei traditionellen Airlines hält, ist die Produktivität. Der Klassiker unter den Billig-Airlines, Ryanair, absolviert pro Tag mit einem Flugzeug im Durchschnitt einen bis zwei Flüge mehr als Lufthansa oder Air France, weil es nicht auf das Funktionieren eines Netzwerkes und Drehkreuzes mit genau getimten Start- und Landezeiten ankommt. Ryanair fliegt dabei noch konsequent nur ab Provinzflughäfen mit niedrigen Gebühren. Teure Großflughäfen meiden die Billigflieger nicht nur wegen der hohen Flughafensteuern, sondern weil diese oftmals ausgelastet sind. Staus auf der Rollbahn können sich die Unternehmen nicht leisten. Landen, tanken, putzen und nach einer halben Stunde wieder ab in die Luft, das spart viel Geld. Auch die Passagiere müssen sich beeilen: belohnt werden die Schnellen, die als Erste im Flugzeug sind. Es gibt keine reservierten Sitzplätze mehr – und beim Einchecken gehört der Run auf die besten Plätze zum „Bordprogramm".

Die Billigflieger haben bis zu einem Drittel mehr Sitze in ihre Flugzeuge gequetscht. Solche Maßnahmen machen das Fliegen nur halb so teuer wie bei herkömmlichen Unternehmen.

Einziger Punkt, bei dem nicht gespart wird: Die Sicherheit. Die wird auch bei den Billigfliegern groß geschrieben. Sämtliche Gesellschaften fliegen mit jungen Maschinen von Airbus oder Boeing. Das Durchschnittsalter der Flotten liegt zum Teil deutlich unter dem der etablierten Konkurrenz.

Was beachtet werden soll, um teure Bauchlandung zu vermeiden

Trotzt der verlockenden Dumpingpreisen haben Billigflugangebote auch bestimmte Nachteile, die man in Kauf nehmen sollte.


Nur gewisser Prozentsatz der Plätze wird zum Schleuderpreis verkauft. Sind diese Plätze vergeben, bleibt für die später buchenden Passagiere nur das Ticket aus der teureren Kategorie. Wer auf ein bestimmtes Flugdatum festgelegt ist, sollte daher so früh wie möglich buchen.


Gestartet oder gelandet wird meist auf kleinen Flughäfen mit niedrigen Gebühren. Diese liegen häufig außerhalb der Stadtzentren, was weite Anfahrten zum Flughafen der „Low-Cost-Carrier" erforderlich macht. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch zusätzliche Anreise- und Abreisekosten, die mit den Flugkosten vergleichbar sein können: Ein Flug bis London–Stansted mit Ryanair kann man für 10 Euro buchen, die Fahrt vom Flughafen bis ins Zentrum kostet dann noch mal 10 Pfund (Hin- und Rückfahrt). Kleiner Tipp: Studenten aus Köln fahren mit dem Flughafenbus bis Flughafen Köln-Bonn für 1.90 ( Normalpreis ca.5 Euro).


Man muss häufig unattraktive Flugzeiten in Kauf nehmen, insbesondere beim niedrigsten Preis. Umsteigeverbindungen sind nicht vorgesehen.


Die Buchung läuft in der Regel über das Internet (empfehlenswert) oder über Callcenter. Die Telefonkosten bei der telefonischen Buchung über teure 0190er-Nummern sind ebenfalls mit dem Flugpreis vergleichbar, denn wer beim Buchungsversuch lange in der Warteschleife hängt, muss bei der Telefonrechnung mit bösen Überraschungen rechnen. Manche Billigflüge können auch über das Reisebüro gebucht werden – gegen einen Aufpreis von bis zu zehn Euro.


Das Bezahlen ist in der Regel nur mit einer Kreditkarte möglich, und selbst dafür verlangen einige Billig-Airlines (z.B. Ryanair) gesonderte Gebühren. Ebenfalls negativ fällt auf, dass Billigflieger nur in Westeuropa (Ausnahme: Germanwings fliegt nach Prag) fliegen, also nur Bürger der relativ reichen Länder in Genuss der niedrigen Preise kommen.


Bei einigen Anbietern (z.B. Ryanair) sind Steuern und Gebühren in den beworbenen Preisen nicht enthalten und teilweise höher als der Flugpreis selbst.


Umbuchungen oder Stornierungen von Billig-Tickets sind nur gegen Gebühr (in der Regel 25 Euro pro Namens- bzw. Streckenänderung) möglich.


Die Maschinen der Billig-Airlines sind häufig extrem eng – die Beine auszustrecken ist kaum möglich.


Wer billig fliegt, darf nicht viel Gepäck mitnehmen. Ryanair beispielsweise gesteht dem Kunden gerade mal 15 kg ohne Aufpreis zu, während die Lufthansa 32 kg erlaubt.

Fliegen oder nicht fliegen?

Die Erfolgstory der Billigflieger zeigt, dass für einen Großteil der Fluggäste die Nachteile der Billigfluge kaum eine Rolle spielen. Das sind insbesondere Studenten und Städtetouristen. Wenn ein Student aus Köln über das Wochenende nach Berlin fliegt, dann zahlt er normalerweise keinen Aufpreis für Übergepäck (wer nimmt schon seine ganze Garderobe mit?) und kann im Prinzip circa eine Stunde (Flugzeit bis Berlin) auch ohne Bordverpflegung auskommen und seine Beine schon zu Hause bequem ausstrecken.


 
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