Erfolg mit Kunst ... oder: kann man Kunst lernen?

 

Der rote Teppich springt ins Auge: Hier rennen jeden Tag Kinderfüße, Größe 22, die von Oliver Schwabe gejagt werden, wenn er nicht gerade mit seiner Kamera unterwegs ist. An den Wänden hängen große Bilder, die zeigen, was man mit einer Fotokamera alles machen kann. Oliver Schwabe ist Fotograf, Videokünstler und Filmemacher in Köln - so steht es in seiner Biographie. Die Biographie oder genauer die Liste an eigenen Werken, ist bei Jan Krüger noch deutlich kürzer, aber er ist auch sieben Jahre jünger und hat seinen Abschluß an der Kunsthochschule für Medien gerade erst hinter sich. Oliver Schwabe kann seit seinem Abschluß 1998 an der KHM tatsächlich von Kunst - und einer Portion Handwerk- und Architektur-Fotografie - gut leben. Jan Krüger hat sich für seinen Abschlußfilm an der KHM bewußt einen "Videokünstler" als Kameramann gewählt, mit dem er zuvor bereits erfolgreich ein Musikvideo für Udo Lindenberg produziert hatte.

Bei der Geschichte von "Freunde/The Whiz Kids" zeigt die Kamera bekannte Jugendthemen: Konkurrenzkampf, Liebe, Gewalt, Freundschaft, Nähe und Distanz werden aus hautnahen Bildern gepellt. "Widersprüchlich und fragmentarisch, wie die Wirklichkeit," so beschreibt der Regisseur sein Werk. Die jungen Schauspieler, Martin Kiefer und Marlon Kittel haben erstaunlich offen und gefühlsecht gespielt. Und das, obwohl ihnen Oliver Schwabe praktisch auf dem Schoß gesessen haben muss: Gedreht wurde mit einer handlichen Digital-Kamera.

Das Konzept von Jan Krüger ging offenbar auf: Zunächst entschied sich eine Kölner Jury, dem jungen Talent gemeinsam mit Oliver Schwabe den "Spiridon-Neven-DuMont-Preis" 2001 zu übereichen. Dieser Preis ist mit 12 000 DM dotiert und gilt herausragenden künstlerischen Arbeiten, die an der KHM realisiert werden. Spiridon Neven-DuMont, der früh verstorbene Sohn des Ehepaares Neven DuMont, hatte an der Kunsthochschule für Medien studiert.

Vor der Preisverleihung am 26. November 2001 im legendären Kölner Broadway, erlebte der Film "Freunde" einen großen Überraschungserfolg: "Unserer KHM-Pressesprecherin Regina Maas gefiel der Film so sehr, dass Sie sich die Mühe machte, ihn zur Biennale nach Venedig zu schicken. Auf die Idee wären wir nie gekommen, aber dann waren wir prompt nominiert," erzählt Jan Krüger. Gemeinsam mit Oliver Schwabe fuhr er zu den 58. Filmfestspielen in Venedig und war sehr überrascht, als sein Film dort den "Silbernen Löwen" für den Besten Kurzfilm gewann. "Wenige Tage später erhielten wir auch den ersten Preis der "Short-Cuts-Cologne", so dass wir Ende September wirklich nicht mehr wussten, was wir denken sollen," beschreibt Oliver Schwabe.

Bei der Übergabe des "Spiridon-Neven-DuMont-Preises" Ende November 2001 traf SpiriTV auf zwei Preisträger, die sich immer noch herzlich freuen und trotz der großen Erfolge den roten Teppich noch unter den Füßen spüren konnten. Die Frage, ob man Kunst lernen kann, ist für beide schwer zu beantworten. Jan Krüger führte es erst über den Umweg eines Physik- und E-Technik-Studiums an die KHM, und Oliver Schwabe ist gelernter Fotolaborant und Fotograf. "Die Voraussetzungen für künstlerisches Arbeiten müssen aber auch stimmen. Ohne technische, professionelle und zumeist auch finanzielle Hilfen funktioniert das nicht," erklärt Oliver Schwabe. Da die Preisträger im Voraus wussten, dass man ihnen den "Spiridon-Neven-DuMont-Preis" übergeben würde, konnten beide für ihren Auftritt im Kölner Broadway eine kleine Dankesrede vorbereiten. Beide würdigten Eltern und "Sponsor-Onkel" und dankten der Kunsthochschule für Medien und deren Mitarbeitern. Allen voran widmen beide den Erfolg des "Freunde"-Films der Dozentin für Schnitt Rita Schwarze. Sie hat dem Film als Cutterin offenbar eine ganz eigene Note verliehen, aber "als Mitarbeiterin der Hochschule bloß ihre Arbeit getan," so Jan Krüger.

Von dem Erfolg des "Freunde"-Films profitieren nicht nur die Nachwuchskünstler. Die Kunsthochschule für Medien Köln kann sich ebenfalls mit einem "Silbernen Löwen" schmücken. Sie erhält dadurch die Bestätigung, dass sie mit dem Freiraum, den sie den Studenten ermöglicht, auf dem richtigen Weg ist. Wenn man Kunst lernen kann, dann vielleicht an der Kunsthochschule für Medien in Köln!

Die kleine Statue ist übrigens auf Tour: Jan Krüger und Oliver Schwabe bezeichnen ihren Film vor allem als "sehr gute Zusammenarbeit" und deshalb ist der "Löwe" im Haus des Kamerakünstlers Schwabe mit dem roten Teppich auch nur zu Gast: Nach ersten Stationen bei Regisseur und Cutterin, soll er nun bei den Hauptdarstellern einkehren.

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