Vive l'Europe!

 

von Rémi Mathieu und Sven Baumhauer

SpiriTV-Korrespondent Rémi Mathieu

Unser französischer Korrespondent Rémi Mathieu über sein Kölner Studentenleben im Eurozeitalter

Keine DM, kein Franc mehr. Eigentlich ist es ja egal, welche Währung wir im Portemonnaie haben. Geld ist schließlich Geld. Wir Europäer werden uns schon schnell an den Euro gewöhnen. Er ist ein weiterer Schritt in Richtung "ein Europa". Vielleicht habe ich auch einiges dazu beigetragen, da ich schon viele französische Euro in deutschen Kassen hinterlassen habe. Die Kassiererin vom Plus jedenfalls hat sich schnell daran gewöhnt.

Ich habe jetzt 6 Monate als französischer Austauschstudent an der Kölner Universität verbracht. Ich studiere Angewandte Fremdsprachen, Englisch und Deutsch, an der Uni Blaise-Pascal in Clermont-Ferrand. Deutsch ist schon seit der Schulzeit meine Wahlfachsprache. Das ist aber eher ein Zufall. Als ich auf dem Gymnasium die Wahl zwischen Deutsch und Spanisch hatte, waren es mehr meine Eltern, die für mich entschieden haben. Sie konnten mir besser in Deutsch helfen.

Auch meine Zeit in Köln war eher ein Zufall: Im 3. Semester meines Studiums geht man ins Ausland. Ich hatte die Möglichkeit zwischen England, Irland, Finnland, USA oder Deutschland zu entscheiden. Ich wollte zunächst nach Finnland, da ja die Finnen auch fast alle Englisch sprechen. Das Finnische hätte ich dann mal eben schnell nebenher gelernt. Aber meine Professorin meinte: "Dein Deutsch ist schlecht, Du musst nach Deutschland." Zur Auswahl stand Leipzig, Rostock, Saarbrücken und Köln. Köln hat eine Unipartnerschaft mit Clermont-Ferrand. Et voilà...so bin ich in Kölle gelandet. Ich habe es nicht bereut.

Ich wollte nicht unbedingt nach Deutschland. Das Land mit seinen Menschen schien mir zu kalt, weil weniger Sonne wie bei uns in Frankreich, die deutsche Sprache zu schwer, die Grammatik zu kompliziert. Zum Beispiel der Gebrauch von Präpositionen wie "aus", "an", "ab", "hin", "zu" etc. Nehmen wir das Verb "sehen": Es gibt aussehen, ansehen, absehen, hinsehen, zusehen...Wann benutze ich was? Ein Rätsel.

Heute weiß ich, daß meine ursprüngliche Meinung über Deutschland vollkommener Blödsinn war. Die Stadt Köln ist dafür der beste Beweis. Es ist eine lebendige, multikulturelle und offene Stadt mit vielen Studenten, wo einem der Kontakt zu anderen leicht fällt. Ich habe viele interessante Menschen hier getroffen, die mir geholfen haben. Zum Beispiel bei AEGEE Köln (Association des Etats Généraux des Etudiants de l'Europe), einer internationalen Studentenorganisation, die u.a. Treffen wie den "Ausländerstammtisch" durchführt. Wer sein Englisch Französisch, Spanisch oder Deutsch üben will, der sollte jeden Montag abend in die Bar "Piranha" an der Kyffhäuserstr. kommen. Hier kann man Studenten aus aller Welt treffen. Wenn wir aber unter uns Franzosen waren, dann haben wir Französisch und nicht Deutsch gesprochen. Man nimmt sich das zwar immer vor, aber es klappt nicht. Das ist immer das Gleiche.

Ein anderes Beispiel ist mein Handballverein Fortuna Köln (da wird nicht nur Fußball gespielt.). Ich wollte auch in Deutschland weiter trainieren und habe ohne Probleme einen Klub gefunden. Der Sport ist eine der besten Möglichkeiten, um gerade Deutschen zu begegnen und die Sprache zu lernen. Ich kann nur jedem Ausländer raten, offen zu sein und Kontakte zu anderen zu suchen. Ob im Sportverein, am Ausländerstammtisch oder Bridgeclub.

Da ich später Journalist werden will (am liebsten bei "France Football" - einer Zeitung nur über Fußball), bin ich besonders froh darüber, zufällig SpiriTV in Köln kennengelernt zu haben. Die Zeit, die ich bei den wöchentlichen Redaktionssitzungen verbracht habe, hat meinen Wunsch verstärkt, später journalistisch tätig zu sein. Nach meinem Studium möchte ich einen der begehrten Plätze an einer von Frankreichs renommierten Journalistenschulen bekommen. Wenn ich den Aufnahmetest schaffe, komme ich vielleicht später wieder nach Deutschland, um ein Praktikum zu machen oder sogar als Auslandskorrespondent, um über die deutsche Fußball-Bundesliga zu berichten.

Insgesamt hatte ich eine Superzeit hier in Köln. Den kölschen Karneval lasse ich mir natürlich nicht entgehen, danach muß ich aber wieder zurück nach Clermont-Ferrand. Ich nehme viele positive Eindrücke und Kontakte mit. Ich habe ein besseres Bild über Deutschland bekommen, und mein Deutsch hat sich wesentlich verbessert. Auch wenn die Probleme mit den Deklinationen, Konjugationen und Präpositionen bleiben. Egal, Hauptsache man versteht mich. Irgendwie.

Zurück in Frankreich, bin ich mal gespannt, was die Kassiererin sagt, wenn ich mit deutschen Euromünzen bezahle. Vive l'Europe!

Links:
www.aegee.org
www.uni-koeln.de/studenten/aegee
www.fortuna-koeln.de

 
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