| Sandige Zeiten |
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| von Karsten Wiedemann
Sand ist zur Zeit ja republikweit schwer angesagt. Kaum eine Metropole die in Ermangelung einer Küste nicht eine Beachbar á la Bundespressestrand ihr eigen nennt. Das der Trend auch in Köln Einzug gefunden hat, lässt sich seit einigen Wochen im Tanzbrunnen beobachten. Schade nur, dass der dazugehörige Sommer nicht im Preis enthalten ist.
Das Sand aber nicht nur als Großgehege für kölsche Strandschönheiten nutzbar ist, lässt sich zur Zeit am Messeufer beobachten. Dort wurde der Sand seiner Urbestimmung zugeführt: Dem Sandburgenbau. Allerdings werden sämtliche sommerliche Hobbyarchitekten von Costa del Sol, Nordsee oder Ballermann beim Anblick der Sandskulpturen im Messe-Rosengarten wohl vor Neid erblassen. Was sich dort findet hat so gar nichts mit den - unter Inkaufnahme eines Sonnenbrandes- emsig erbauten unförmigen Gebilden an den Stränden dieser Welt zu tun. Am heimischen Ufer errichtete ein Team von internationalen Künstlern mit der Unterstützung der Stiftung „Lebendige Stadt“ nämlich Sandskulpturen der besonderen Art.. Ob die Gemälde Dalis oder Picassos, die Sagrada-Familia von Gaudi, asiatische Paläste und Drachen, die Skyline einer amerikanischen Grosstadt, oder ein Formel-I-Wagen, alles wurde detailgetreu in „Sand gehauen“. Die Motive lieferten übrigens Köln-Partnerstädte Barcelona, Kyoto und Indianapolis.
In wochenlanger Kleinarbeit wurde der Sand aufgeschichtet, verfestigt, modellierfähig gemacht und schließlich mit Spachtel und Pinsel in Form gerückt. Das Ergebnis lässt sich seit dem letzten Wochenende bestaunen. Eine Szenerie aus Sandcollagen, bei deren Anblick das verwendete Material fast nicht mehr wahrgenommen wird. Dabei gilt, im Einklang mit dem in den Skulpturen immer wieder auftauchenden „Zeit-Motiv“: Alles ist vergänglich. Und so bleibt die Schau bis zu dem Zeitpunkt geöffnet, an dem sich sämtliche Türme, Paläste und Drachen wieder in normale Sandhaufen verwandelt haben. In Anbetracht dieses Sommers wird dies wohl nicht mehr allzu lange dauern. Die Veranstalter wollen die Schau aber noch mindestens drei Wochen erhalten. Also nichts wie hin, denn wo sonst kann man die „Sagrada Familia“ und den Kölner Dom in einem Bild einfangen. Eintritt: 1 bzw. 2 Euro als Spende für Nachfolgeprojekte.
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