Maurizio Cattelan beschallt Köln

 

von Gisela Hartmann
Der kleine Italiener
trommelt und
trommelt.....

Erschreckend echt sieht er aus, wie er da mit herabhängenden Beinen auf dem Dach des Museum Ludwigs sitzt und sich die Seele aus dem Leib trommelt. Die Rede ist von Maurizo Cattelans Blechtrommler, der seit Mitte Mai das Museum ziert. Er trommelt auf seine mit blau-weißen Rauten verzierte Blechtrommel ein und macht dabei Günter Grass’ Oskar Matzerath echte Konkurrenz. Nur ab und zu hält er inne, dann sitzt er steif und starr da und guckt mit glasigen Augen teilnahmslos herab.

„Hoffentlich fällt der Kleine da nicht runter!“ oder „Was zum Teufel macht der Knirps da oben?“ mag sich der eine oder andere gedacht haben. Auf den ersten Blick muss es ein schockierendes Bild für den unvorbereiteten Besucher sein, die Figur in luftigen Höhen zwischen den Sheds – dem wellenförmigen Dach des Museum Ludwigs – sitzen zu sehen. Die Skulptur hat täuschende Ähnlichkeit mit einem kleinen Jungen: Turnschuhe, beige Hose, braunes Hemd und nussbraune Haare – halt ein echter Italiener.
Wie der Mann, der ihn gemacht hat. Der 1960 in Padua geborene Maurizio Cattelan besuchte keine Kunstakademie, sondern lehrte sich die „Kunst“ selber. Heute lebt er in Mailand und New York. Der Trommler ist nicht die erste Installation, mit der der italienische Aktionskünstler für gemischte Gefühle beim Publikum sorgt. Die einen lieben und feiern ihn, die anderen stößt seine provokative Kunst ab. Einige seiner Plastiken sorgten für besonders viel Furore, darunter die Darstellung des von einem Meteoriten erschlagene Papsts oder die Wachsfigur Adolf Hitlers in Büßerpose.

Da ist der Kölner Trommler schon harmloser, wohl auch ein Grund, weshalb das Projekt die Unterstützung des italienischen Kulturinstituts Köln fand. Übrigens ist der Trommler nur von einem ganz bestimmten Blickwinkel zu sehen: Man muss an der Südseite des Museums die Treppe neben der Philharmonie hochgehen, dann den Blick in die Höhe richten und schon sieht und hört man ihn. Zu hören ist er nur tagsüber, denn nachts hat ihm die Stadt eine Ruhepause verordnet - wohl auch um den Schlaf der umliegenden Bewohner nicht übermäßig zu stören.

Bis Ende September kann man den Blechtrommler noch trommeln hören. Schade, dass er Karneval nicht mehr hier ist. Dann hätte er besonders gut nach Köln gepasst, denn wie heißt es so schön „Wenn dat Trömmelsche jeht, da stonn wa all parat....“




 

 

 
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