| Der Junge mit der Gitarre |
||
|
von Rene Westfehling
"Der Junge mit de Gitarre" ist kein kleiner Junge mehr. Vielmehr ist er aus seiner gutgläubigen Kindheit in die rebellische Pubertät hinein gewachsen. Statt "meer sehn" will er "mehr bewirken", und vor allem mehr auf seinen eigenen Beinen stehen. Beim Interview im Kölner Szenecafé "Hallmackenreuter" schildert mir der 27-Jährige Tobias Schacht, wie "Der Junge" mit bürgerlichem Namen heißt, was ihm durch den Kopf ging, als er sein neues Album produziert hat: "Ich habe dieses Album bewusst selbst produziert und mit Musikern aufgenommen, mit denen ich befreundet bin. Ich wollte mir dabei von niemandem hinein reden lassen." Und so ist das neue Album, das den schlagenden Titel "Im Affekt" trägt, auch eine Hymne auf das Leben in Deutschland. In Titeln wie "Casting Show" äußert er sich ironisch zum Trend der Rampenlicht-Junkies: "Die Leute sehen darin eine Chance, aber eine Chance auf was? Das ist ein Markt für Schafe, aber nicht für Künstler. Und daher fehlt das Hauptelement von Kunst: Die Progression! - und deswegen wird sich das ganze nach dem Trend irgendwann von selbst ausgrenzen, weil irgendwann jedem klar geworden ist, dass Casting Shows nur heiße Luft sind. Früher, im Mittelalter, gab es so genannte "Freakshows", die als hässliche Clowns zur Belustigung der Masse zur Schau gestellt wurden. Für mich sind diese Shows nicht viel anders. In abgeschwächter Form habe ich selbst erfahren müssen, als ich zum Grand Prix angetreten bin. Ich würde das nie wieder tun, denn ich habe meine Lektion gelernt". So lautet auch der Titel seiner Hymne gegen Kommerz und geistig armes Musikbusiness "Nie wieder Grand Prix". Lieber schlage er sich mit Liedermaching durch, als sich an den Kommerz anzubiedern. "Ich bin lieber weltlich arm, als geistig arm. Aber ich glaube auch, das sich Qualität auf Dauer durchsetzt. Meine Konzerte sind gut besucht und ich kann von der Musik leben. Dafür bin ich meinen Fans, aber auch der guten Kunst schuldig, und keine permanente Selbstdarstellung. Ich kann sehr demütig sein, und ich finde vor allem, dass das eine Eigenschaft ist, die sich ein Großteil der Menschen in Deutschland unbedingt zulegen sollte." Also ruft er im Opener des Albums mit "du wie ich" zu mehr Bewusstsein auf. Mit "Ich bin die Waffe" stellt er seinen Standpunkt in der Gesellschaft nochmals hervor, und mit "der Lehrer kommt" erinnert er auch seine Musikerkollegen daran, worum es geht: und zwar um die Musik, und nicht um die Technik. Und natürlich kommt das Leitthema der Pubertät, die Liebe, auch noch zu Wort, in Stücken wie "Feuer" und "Mädchen". Das letzte Wort jedoch, viel sagend in einem Hidden Track am Ende der Cd, hat Gott - oder was man darunter versteht. Dazu sagt der Sohn eines evangelischen Pfarrers: "Ich habe einen sehr starken Glauben, aber nicht im herkömmlichem Sinne. Ich glaube an die Seele, an Toleranz, Zuversicht und Interaktion - und ich glaube, dass Inhalt auch ohne Form bestehen kann, und das ist für mich Gott: Sein ohne körperliche Form, ohne materielle Bedürfnisse". Die Musik des Jungen ist sich im Großen und Ganzen selber treu geblieben. Lediglich in Botschaft ist drängender geworden, von "Dagegen" sein zu "Im Affekt" handeln. Auf 13 Tracks + Hidden Track bekommt man die Visionen des "Jungen mit der Gitarre" in solidem Gitarren-Pop vorgetragen, und kommt an der einen oder anderen Stelle doch schon mal mächtig ins grübeln - Und genau das soll "im Affekt" bewirken.
Info-Link:
|
||
|
Wie gefällt Euch dieser Beitrag? Sagt uns Eure Meinung im Forum !!!
|
||
![]()
© SpiriTV
e.V. 2001. Impressum
SpiriTV e.V. ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Seiten.
Hinweise zum RealPlayer