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| Frauenpower für Köln |
„Die wahren Europäer leben im Rheinland“ titelte die
Berliner-Zeitung passend zum 11. Februar 2004. An jenem Tag ernannte Kölns
Oberbürgermeister Fritz Schramma im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums
elf Botschafterinnen, die Kölns Gesicht für die Bewerbung zur
Kulturhauptstadt Europas 2010 gestalten sollen. „Das gerade 11 Botschafterinnen
für Köln werben, ist natürlich kein Zufall: Stehen doch
die 11 Flammen im Kölner Stadtwappen für die Legende der Heiligen
Ursula, unserer Stadtpatronin.“ Sie sind Symbol für ihre sie
begleitenden 11 Jungfrauen – aus denen über die Jahre 11000
„wurden“ – und mit denen sie gemeinsam die Kölner
Einwohner gerettet und deren Eigenständigkeit gewahrt haben soll.
Gerade für Kölns kulturelle Schätze sei dieser Einsatz
von großem Wert gewesen. Wie eindringlich betont wurde, sei der
Aspekt, dass Ursula und ihre Jungfrauen durch die Hunnen in Köln
auch ihr Martyrium gefunden hätten, nicht für die Wahl der elf
Damen von Bedeutung gewesen.
Wahrlich können jene 11 Botschafterinnen in besonderem Maße
Kölns Bewerbung bereichern: Carola Bauckholt (Komponistin), Bettina
Böttinger (Journalistin und Talkshow-Masterin), Renan Demirkan (Schriftstellerin/Schauspielerin),
Anke Engelke (TV-Comedian), Prof. Dörte Gatermann (Architektin),
Angie Hiesl (freie Künstlerin), Alexandra Kassen (Veranstalterin
von Kabarett- und Kleinkunst), Ulrike Nasse-Meyfarth (2-malige Olympiasiegerin),
Prof. Barbara Schock-Werner (Dombaumeisterin) und Alice Schwarzer (als
Journalistin und Essayistin). Abgesehen von Anke Engelke, die in Berlin
einem Termin nachzugehen hatte, aber, per Video zugeschaltet, ihre Stimme
beisteuerte, waren alle Botschafterinnen vor Ort.
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Moderator Konrad Beikircher wusste ein „unglaubliches Niveau“
der Botschafterinnen zu preisen. Aus freien Entscheidungen heraus seien
die Botschafterinnen seit langem in Köln heimisch geworden –
und offenbarten deshalb internationalen Flair – mögen sie auch
in Bayern, Düsseldorf oder der Türkei geboren sein.
„Ich kenne keine andere Stadt ... in der so gegensätzliche
Individualitäten so eng und so friedlich beieinander leben“,
sagt beispielsweise Demirkan; in Köln herrsche weltoffener und freier
Geist, „denn nur ein freier Geist kann die Freiheit des anderen
garantieren – und gleichzeitig von ihm lernen“. Köln
habe ein „riesiges unausgeschöpftes Potenzial“ (Gatermann)
und Hiesl liebt „die Prozesshaftigkeit“, „die Unfertigkeit“
– den „ständigen Wandel“, dass Köln eben nicht
stromlinienförmig sei.
„Ist Kulturhauptstadt Europas werden, nicht wie der Kölner
Dom?“ fragte Schock-Werner, wäre doch furchtbar, wäre
der Dom mal „fertig“.
Überhaupt müsse die Bewerbung als Weg und mit nachhaltiger Wirkung
verstanden werden, man müsse sich noch „gewaltig anstrengen“(Schramma).
Köln „könnte noch viel schöner sein“ (Gatermann),
an den Bau eines Europäischen Hauses wurde gedacht und ebenso die
Chance erkannt – trotz klammer Kassen – gerade durch dieses
Projekt kulturell lebendig zu halten.
Die Bewerbung wird vornehmlich durch die SK-Stiftung und die Kölner
Stadtsparkasse gefördert. In einem dreistufigen Bewerbungsmodell
wird zunächst bis zum 31. März das Ministerium für Städtbau,
Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW angeschrieben. Per Kabinettsbeschluss
des Landtages wird bis zum 31.7.2004 an das Auswärtige Amt und damit
den Bundesrat überwiesen bis schließlich die Bewerbungsunterlagen
am 30.9.2005 in den Gremien der Europäischen Union angelangt sein
müssen.
www.koeln.de/kulturhauptstadt
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