| Duell im Dunkel |
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von Sven Hansen Rückblick auf die Ausstellung "Duell im Dunkel" im Haus der Geschichte in Bonn.
Explodierende Autos, knallharte Verfolgungsrennen und stets einen lockeren Spruch auf den Lippen. Der Zuschauer ist von dieser Action und gleichzeitigen Unverfrorenheit ergriffen, sein Atem stockt, und das Herz rast unaufhörlich! So kann man sich die Welt der Agenten und Spione vorstellen - wenn man den Ausführungen der James-Bond-Verfilmungen folgt. Doch so wunderbar diese Darstellungen auch sein mögen - der Wirklichkeit entsprechen sie nur in den seltensten Fällen. Denn stets werden Geheimdienste und ihre Agenten zu vermeiden suchen, dass Transparenz, Klarheit und insbesondere Öffentlichkeit ihre Arbeit gefährden. Tarnung und Täuschung sind oberstes Gebot, wirklicher Einblick wird selten gestattet. Mit dem Untergang der DDR ist schließlich auch ihr Geheimdienst aufgelöst worden. Somit wird geheimdienstliches Material - wenn auch nur in Teilen vielleicht nicht älter als 15 Jahren - potentiell zur Vergangenheit und damit aufarbeitungswürdig. Wenn auch nach wie vor strenge Auflagen zum Personenschutz bestehen, kann dem interessierten Zuschauer somit nun ein Einblick in ein Stück Zeitgeschichte geboten werden: Bemüht aufzuklären und eine lichtspendende Schneise durch dieses geheimdienstliche Dickicht zu schlagen, veranstalteten das Haus der Geschichte in Bonn und das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig ihre Ausstellung "Duell im Dunkel. Spionage im geteilten Deutschland", die bis zum 5. Oktober in Bonn zu sehen war. Das Hauptaugenmerk war hierbei auf die sogenannte "Westarbeit" des Ministeriums für Staatssicherheit, der Stasi, gelegt. Aber auch andere Themenkreise wurden mit einbezogen. Museumspädagogisch-ausgeklügelt betrat der Besucher eine Ausstellung, die durch ihre zurückhaltenden Lichteffekte eine beklemmende Untergrundatmosphäre erzeugte, denn selbst nach oben hin war ein dünnmaschiges schwarzes Netz aufgespannt, das wenig Durchsicht gewährte. Gerade Berlin, auch schon als "Hauptstadt des Kalten Krieges" bezeichnet, ist nach Beendigung des 2. Weltkrieges Tummelplatz der Geheimdienste: Franzosen, Russen, Briten und Amerikaner geben sich ihr Stelldichein. Anschaulich wurde dargestellt, wie sich Geheimdienste ihre Informanten anwarben: Neben geheimdienstlichen Anleitungen zum Umgang mit Überläufern oder einer Anweisung zur Anwerbung, vermittelt die Ausstellung ein plastisches Bild, wer und unter welchen Umständen zum Informanten wurde. Unter diesen Darstellungen stechen insbesondere solche Personen hervor, die als Übermittler eingesetzt waren, davon aber keine eigenen Kenntnisse besaßen: Darauf nämlich zielte die Methode "Romeo" ab, wodurch die in westdeutschen Ministerien beschäftigten Sekretärinnen durch ihren (Ehe-) "Partner" systematisch ausgehorcht wurden, so dass brisante Information den Geheimdiensten zugespielt werden konnten. Dem stehen Geschichten über Entführungen feindlicher Agenten, dem Menschenraub, sicherlich in nichts nach. Neben Haft und Folter sind auch in 38 Fällen seit 1952 Hinrichtungen bezeugt. So verwundert es kaum noch, dass es eigens Stätten zur Ausbildung für Terror- und Sabotageakte sowie für Mordtechniken gab, die allesamt ihr Ziel im Westen Deutschlands finden sollten.
Der Kampf um Wissen und Macht basierte selbstverständlich nicht bloß auf "menschlichen Quellen", sondern zunehmend und bereits berwiegend auf ausgefeilter Technik. Aufsehen erregend war der von Amerikanern und Briten geschaffene Spionagetunnel in Berlin, über den sie das sowjetische Telefonnetz in ihrer "Operation Gold" Mitte der 50er Jahre anzapften. Aber auch die aus älteren James-Bond-Filmen bekannten Spionage-Utensilien, wie eine in einer Handtasche versteckte Minikamera, waren einzeln vertreten. Ferner bot die Ausstellung Möglichkeiten, selber auszuwählen: In Schubladen oder hinter Türen zu spionieren, per Touchscreen Zeitzeugenberichte von Opfern und Tätern abzurufen oder ausliegende schriftliche Quellen zu studieren. Wer Interesse entwickelt haben sollte, sei auf die reizvollen Zusatzinfos verwiesen, die das gleichnamige Begleitbuch zur Ausstellung ( Böhlau-Verlag 2002) mit einer nützlichen Literaturliste an die Hand gibt. Weitere Informationen findet Ihr unter folgender Adresse:
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