| Evanescence im Palladium |
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| von René Westfehling
Das Evanescence Konzert am 17.10. fand nicht wie zunächst angekündigt im Kölner E-Werk, sondern im ungleich größeren Palladium gegenüber statt. Diese kleine Detailänderung hing vermutlich mit der zu erwartenden Besucherzahl zusammen, denn schon kurz nach Einlass war das Palladium gerammelt voll, und schon eine Stunde vorher traf man auf eine nicht unbeträchtliche Schlange Fans, die begierig darauf waren, endlich die Halle zu betreten. Das Publikum musste sich jedoch noch ein wenig gedulden, bevor sie Amy Lee & Co. zu Gesicht bekommen sollten, denn gleich zwei Vorgruppen standen auf dem Programm. Die erste Vorgruppe Revis erinnerte mit ihrem Stil an einen Mix aus Creed und Nickelback. Schade nur, dass der äußerst stimmgewaltige Sänger leider einige Fauxpas in der Performance beging (wie z.B. mehr zur Band hin zu Rocken als zum Publikum, etc.), und auch der Rest der Band wirkte ziemlich bald nach Beginn recht statisch. Trotzdem boten Revis guten Classic Rock mit aktuellem Sound, der nicht unbedingt hervorsticht, aber in seinem Genre stabil bleibt. Die zweite Vorgruppe Finger eleven kam mit einer deutlich größeren Ladung Energie rüber. Die beiden Gitarristen James Black und Rick Jackett standen während des Auftritts keine Minute still und maßen stattdessen springend und bangend die ganze Bühne aus. Frontmann Scott Anderson legte diese Energie lieber in seine Stimme und wirkte wie in Trance, wenn er sich dem Publikum zuwandte und den melodischen und doch krachenden Riffs mit seinem fast ekstatisch hohen und doch vollen Gesang in eine ziemlich düstere Aura setzte. Charismatisch wie musikalisch eine fähige Band, soviel war nach diesem Abend sicher. Eine kurze Umbaupause später war es dann soweit: Mit einem ätherischen Intro betraten Evanescence mit einer Licht- und Tonflut und dem Opener "Haunted" die Bühne. Amy im üblichen (und nicht wenig fesselnden) gemischten Gothic und Streetwear Outfit mit zum Zopf zusammengebundenen Haaren, Gitarrist und Songwriter Ben Moody im raubeinigen Nu-Metaller-Dress mit Straßenkämpferhose und schwarzem, ärmellosem Hemd. Die restlichen Musiker hatten ihre Garderobe an diesem Abend auf schlichtes Schwarz beschränkt. Doch weniger das Outfit der Gruppe beeindruckte, sondern mehr die ungebändigte Energie, mit der sie ohne zu Zögern "Going under" nachlegten, die zweite Single aus ihrem aktuellen Album. Nur durch bestenfalls kurze Ansagen unterbrochen folgten "Taking over me", "Everybody's fool" und "My last breath". Evanescence verlangsamten das Tempo nicht, sondern gaben mit "Farther away" weiter volle Power. Diesen Song ließen sie in einem krachenden Finale enden, das jedem erklärten Metalfan den Abend veredelte. Ähnlich beim Abschluss des darauf folgenden Songs "Even In Death". Nach soviel Power schalteten Evanescence erst mal zwei Gänge zurück. Die nächsten zwei Songs "Read Me More" und "My Immortal" wurden von Amy Live am E-Piano begleitet. "My Immortal" spielten sie in der neuen Single Version, bei der im Abschluss einsetzende Gitarren und Schlagzeug der Ballade noch mehr Druck verleihen. Die neue Version steht übrigens zur Zeit auf der Homepage der Band als Audiostream zur Verfügung (Link siehe unten). Ich empfand die Neuerung zunächst als schade, da ich die Bandversion aufgrund der urigen Kombination aus Klavier und Stimme eher schätze, aber mit der neuen Fassung kann man sich auch anfreunden. An diesem Abend stieß der Song beim Publikum jedenfalls auf große Begeisterung, denn der Jubel fiel nur beim folgenden Hit "Bring me to Live" heftiger aus. Hier spielte die Band den Beginn anders als bei der bekannten Version, um direkt mit der Hookline voll einsteigen zu können. Die Fans vor der Bühne reagierten prompt und der ganze Saal kam noch mehr in Wallung als zuvor. Mit "Tourniquet" und "Imaginary" setzten sie dann noch einmal nach, um dann zum obligatorischen "Zugabe schinden" hinter die Bühne zu verschwinden. Die Besucher hatten trotz des geladenen Sets noch nicht genug und jubelten die Band noch einmal auf die Bühne, und so spielte diese noch "Whisper" als Zugabe. Insgesamt kann man eine sehr positive Bilanz für den Abend ziehen.
Evanescence haben ein sehr rocklastiges Set abgeliefert, nur von zwei
Balladen zum Verschnaufen unterbrochen. Die Lichtshow, die Kulisse und
der Sound waren gut abgestimmt, und die Band gab von Anfang bis Ende volle
Leistung. An der Auswahl der Songs gab es im Grunde auch nichts zu vermissen.
Die wohlbekannten Songs waren in der Reihenfolge gut platziert und zwischen
den Songs wurde grade das nötigste gesagt, um die Stimmung nicht
zu unterbrechen. Die Performance der Band wurde gut inszeniert und war
im Allgemeinen sehr eindrucksvoll unterhaltsam. Manch einer würde
das vielleicht als "professionelles runterleiern" bezeichnen,
jedoch bin ich der Meinung, dass nicht unbedingt jedes Lied eine ellenlange
Ansage braucht und eine gute Performance ruhig in weiten Teilen abgestimmt
sein darf. Das Publikum empfand das offensichtlich ähnlich. Letzteres
schien beim Hinausgehen auch recht begeistert, und ich denke, Evanescence
können in Köln ruhig bald mal wiederkommen, und ich kann nur
empfehlen, sich eine solch Info-Links:
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