Die Wahrheit im Spiel – mit Klaus Maria Brandauer

 

von Olaf Demmerling
Copyright Michael Stanullo

"Geschichten interessieren mich. Ich bin neugierig auf Texte, die ich auf die eine oder andere Weise lebendig mache. Ob als Regisseur oder Darsteller, ist nicht entscheidend," sagt der Schauspieler Klaus Maria Brandauer in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Der international tätige Künstler hat sich als Schauspieler und Regisseur am Theater und beim Film etabliert, gibt Lesungen oder hält Vorträge zu Themen, die ihm wichtig sind.
Eines dieser Themen war auch das gescheiterte Hitlerattentat von 1938. Mit dem weitgehend vergessenen Helden Elser setzte er sich sehr intensiv auseinander und verfilmte dessen Geschichte. In "Georg Elser - Einer aus Deutschland" gab Brandauer 1989 nicht nur sein Regiedebüt, sondern spielte auch die Hauptrolle.
Den Beruf des Schauspielers erlernte Klaus-Maria Brandauer klassisch an einer Schauspielschule, außerdem durch verschiedene Engagements am Landestheater Tübingen in Salzburg und dem Schauspielhaus in Düsseldorf. Den "Hamlet" spielt er immer wieder in Wien. Internationalen Bekanntheitsgrad erlangte er durch die Rolle des „Hendrik Höfgen " in der Istvàn-Szabò-Verfilmung des Romans „Mephisto“ von Klaus Mann, als dieser bei den internationalen Filmfestspielen in Cannes präsentiert wurde. Seine Rolle in "Jenseits von Afrika" neben Meryl Streep und Robert Redford wurde mit einer Oskar-Nominierung geehrt. Danach folgten weitere Hauptrollen in Filmen von Istvàn Szabò, Bernhard Wicki und vielen anderen.
Dennoch kehrt der Schauspieler immer wieder gerne zu den Theaterbühnen zurück und ist Professor am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Um den Nachwuchs im künstlerischen Beruf ist er sehr bemüht, und so ist es der ifs, der internationalen Filmschule Köln, auch vor einiger Zeit gelungen Klaus Maria Brandauer als Dozenten für ein dreitätiges Seminar zu gewinnen. Dieses nannte sich "Internationale Filmkünstler arbeiten mit Schauspielern. Die Wahrheit im Spiel – mit Klaus Maria Brandauer". Während dieses Workshops entstand das folgende Interview.

 

SpiriTV: Sehr geehrter Herr Brandauer, was möchten Sie den Schauspielern in der Kürze der Zeit vermitteln?
Klaus-Maria Brandauer: Das wichtigste ist die Energieübertragung im Zusammenhang mit dem, was man tut und das, was ich schon viele Jahre ausübe, unglaublich respektiere, schätze und liebe: Geschichten erzählen und spielen. Ich habe das Wort spielen allerdings nicht so gern, das klingt immer ein bisschen wie Sandkasten, oder nach „so tun, als ob.“ Ich meine schon eine künstlerische Arbeit, und das ist das wichtigste. Wir wissen ja, dass wir in den wenigen Tagen das Filmemachen oder Geschichten erzählen nicht neu erfinden können. Es ist einfach so, dass sich bei diesem Workshop Menschen treffen, die in diesem Bereich aktiv sind, und ich von meinen Erfahrungen erzähle. Ich bin gerne mit den jungen Leuten zusammen. Das sind sozusagen meine Kinder, weil es mich selber jung hält.
SpiriTV: Wie können wir uns dieses Zusammentreffen vorstellen?
Klaus-Maria Brandauer: Wir haben versucht mit Handwerk, künstlerischen Themen, Umsetzungsmöglichkeiten und vor allem mit Heiterkeit die bisherigen Stunden zu verbringen. Gestern haben wir ohne und heute zum ersten mal mit Kamera gearbeitet. Natürlich liegt mein Augenmerk nicht darin, den Leuten etwas über die Technik des Filmemachens zu erzählen, sondern über die Möglichkeiten des Lebens vor der Kamera.
SpiriTV: Welche Tipps können Sie den Schauspielern mitgeben, damit sie erfolgreich in ihrem Beruf sein können? Die Medienbranche ist vielseitig, wird aber auch immer anstrengender und schnelllebiger!
Klaus-Maria Brandauer: Obwohl Sie Recht haben und ich niemandem zu nahe treten möchte, habe ich das Bedürfnis zu sagen, daß die Leute mit denen ich arbeite und das, was ich schon seit Langem ausübe, nicht die Medienbranche ist. Wir Schauspieler haben eine Leidenschaft, eine Sehnsucht, das machen zu wollen. Der Weg, für jeden einzelnen, wie man das ausführt, da arbeiten die Leute nicht mehr so mit, nicht hier, sondern grundsätzlich. Heute geht alles zu schnell. Außerdem haben die Schauspieler noch einen ganz merkwürdigen Konkurrenzdruck, von dem sie gar nichts wissen können. Sie stellen fest, daß es alle paar Monate eine Starjury gibt, durch die irgend ein Schreiner für zwei bis drei Jahre zum Popstar wird. Das ist nur ein Beispiel von vielen über Künstler, die den langen Weg zu dem, was sie sich vorgenommen haben, gar nicht gegangen sind, und nicht konkurrieren können. Denn das hat damit nichts zu tun. in Wirklichkeit ist es eine lange Reise zu sich selbst. Der künstlerische Beruf ist eine sehr schwierige Lebensart, den Weg zu sich zu finden, wenn sie nicht jemanden begegnen, der sie liebevoll überschätzt.
SpiriTV: Meinen Sie jemanden, der Künstler richtig fördert?
Klaus-Maria Brandauer: Ja, wir brauchen jemanden, der auch zu Schauspielern, die schon dreimal durch die Aufnahmeprüfungen gefallen sind, sagt "Das macht nichts, ich glaube an euch!" Das ist das Wichtigste.
SpiriTV: Werden Sie die Schauspieler auch bewerten?
Klaus-Maria Brandauer: Ich würde niemandem sagen „Du bist gut, Du bist nicht gut und Du nicht geeignet,“ das werden die nicht von mir hören. Sie werden aber sonst jede harte Kritik im Zusammenhang mit Erscheinung, den Möglichkeiten, die ich in ihnen sehe und das, was ich als Talent erkenne, von mir hören und sie auf alle Gefahren aufmerksam machen. Außerdem sage ich jedem, dass ich nicht verstehe, dass sie sich diesen Beruf ausgesucht haben. Viele Theater werden geschlossen, und nicht nur junge Schauspieler sind arbeitslos. Das ist ziemlich hart. Der Stellenwert dessen, was wir als künstlerische Arbeit bezeichnen, ist gar nicht mehr so wichtig; es gibt wichtigeres. Aber solange es Menschen gibt, die das sehen wollen, müssen wir auch darüber reden. Dann müssen wir uns aber auch auf die künstlerischen Möglichkeiten besinnen und nicht sagen: „Wir sind Teil einer Medienbranche, weil wir sonst die falsche Karriere, die falsche Konkurrenz ansprechen.“ Bei denen geht es um viel Geld und um die Vermarktung des Namens.
SpiriTV: Würden Sie dennoch wieder Schauspieler werden wollen und den Beruf erneut erlernen?
Klaus-Maria Brandauer: Ich bin mit dem, was ich seid vielen Jahrzehnten tue, sehr zufrieden, gelegentlich so etwas wie glücklich. Das geschieht meistens natürlich in Theatern, gelegentlich aber auch am Filmset, wenn das Team anwesend ist. Das sind Momente, die mich in der Tätigkeit, die ich seit so vielen Jahren ausübe, erfreuen. Allerdings muß ich dabei sagen, daß ein volles Haus, mit 1500 Plätzen wie im Burgtheater, wo man sein Publikum trifft und die Zeit scheinbar stehen bleibt, natürlich unwiederbringlich ist.
SpiriTV: Danke für das Interview.

 

An der ifs finden ständig Weiterbildungsseminare mit verschiedenen Dozenten statt. Weitere Informationen darüber findet Ihr unter
www.filmschule.de

 


 
Wie gefällt Euch dieser Beitrag? Sagt uns Eure Meinung im Forum !!!
 
zurück ...


© SpiriTV e.V. 2001. Impressum
SpiriTV e.V. ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Seiten.
Hinweise zum RealPlayer