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von Olaf Demmerling
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"Geschichten interessieren mich. Ich bin neugierig auf Texte,
die ich auf die eine oder andere Weise lebendig mache. Ob als Regisseur
oder Darsteller, ist nicht entscheidend," sagt der Schauspieler
Klaus Maria Brandauer in einem Interview mit der Neuen Zürcher
Zeitung. Der international tätige Künstler hat sich als
Schauspieler und Regisseur am Theater und beim Film etabliert, gibt
Lesungen oder hält Vorträge zu Themen, die ihm wichtig
sind.
Eines dieser Themen war auch das gescheiterte Hitlerattentat von
1938. Mit dem weitgehend vergessenen Helden Elser setzte er sich
sehr intensiv auseinander und verfilmte dessen Geschichte. In "Georg
Elser - Einer aus Deutschland" gab Brandauer 1989 nicht nur
sein Regiedebüt, sondern spielte auch die Hauptrolle.
Den Beruf des Schauspielers erlernte Klaus-Maria Brandauer klassisch
an einer Schauspielschule, außerdem durch verschiedene Engagements
am Landestheater Tübingen in Salzburg und dem Schauspielhaus
in Düsseldorf. Den "Hamlet" spielt er immer wieder
in Wien. Internationalen Bekanntheitsgrad erlangte er durch die
Rolle des „Hendrik Höfgen " in der Istvàn-Szabò-Verfilmung
des Romans „Mephisto“ von Klaus Mann, als dieser bei
den internationalen Filmfestspielen in Cannes präsentiert wurde.
Seine Rolle in "Jenseits von Afrika" neben Meryl Streep
und Robert Redford wurde mit einer Oskar-Nominierung geehrt. Danach
folgten weitere Hauptrollen in Filmen von Istvàn Szabò,
Bernhard Wicki und vielen anderen.
Dennoch kehrt der Schauspieler immer wieder gerne zu den Theaterbühnen
zurück und ist Professor am Max-Reinhardt-Seminar in Wien.
Um den Nachwuchs im künstlerischen Beruf ist er sehr bemüht,
und so ist es der ifs, der internationalen Filmschule Köln,
auch vor einiger Zeit gelungen Klaus Maria Brandauer als Dozenten
für ein dreitätiges Seminar zu gewinnen. Dieses nannte
sich "Internationale Filmkünstler arbeiten mit Schauspielern.
Die Wahrheit im Spiel – mit Klaus Maria Brandauer". Während
dieses Workshops entstand das folgende Interview.
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| SpiriTV: |
Sehr geehrter Herr Brandauer, was möchten Sie den Schauspielern
in der Kürze der Zeit vermitteln? |
| Klaus-Maria Brandauer: |
Das wichtigste ist die Energieübertragung im Zusammenhang
mit dem, was man tut und das, was ich schon viele Jahre ausübe,
unglaublich respektiere, schätze und liebe: Geschichten
erzählen und spielen. Ich habe das Wort spielen allerdings
nicht so gern, das klingt immer ein bisschen wie Sandkasten,
oder nach „so tun, als ob.“ Ich meine schon eine
künstlerische Arbeit, und das ist das wichtigste. Wir wissen
ja, dass wir in den wenigen Tagen das Filmemachen oder Geschichten
erzählen nicht neu erfinden können. Es ist einfach
so, dass sich bei diesem Workshop Menschen treffen, die in diesem
Bereich aktiv sind, und ich von meinen Erfahrungen erzähle.
Ich bin gerne mit den jungen Leuten zusammen. Das sind sozusagen
meine Kinder, weil es mich selber jung hält. |
| SpiriTV: |
Wie können wir uns dieses Zusammentreffen vorstellen? |
| Klaus-Maria Brandauer: |
Wir haben versucht mit Handwerk, künstlerischen Themen,
Umsetzungsmöglichkeiten und vor allem mit Heiterkeit die
bisherigen Stunden zu verbringen. Gestern haben wir ohne und
heute zum ersten mal mit Kamera gearbeitet. Natürlich liegt
mein Augenmerk nicht darin, den Leuten etwas über die Technik
des Filmemachens zu erzählen, sondern über die Möglichkeiten
des Lebens vor der Kamera. |
| SpiriTV: |
Welche Tipps können Sie den Schauspielern mitgeben, damit
sie erfolgreich in ihrem Beruf sein können? Die Medienbranche
ist vielseitig, wird aber auch immer anstrengender und schnelllebiger! |
| Klaus-Maria Brandauer: |
Obwohl Sie Recht haben und ich niemandem zu nahe treten möchte,
habe ich das Bedürfnis zu sagen, daß die Leute mit
denen ich arbeite und das, was ich schon seit Langem ausübe,
nicht die Medienbranche ist. Wir Schauspieler haben eine Leidenschaft,
eine Sehnsucht, das machen zu wollen. Der Weg, für jeden
einzelnen, wie man das ausführt, da arbeiten die Leute
nicht mehr so mit, nicht hier, sondern grundsätzlich. Heute
geht alles zu schnell. Außerdem haben die Schauspieler
noch einen ganz merkwürdigen Konkurrenzdruck, von dem sie
gar nichts wissen können. Sie stellen fest, daß es
alle paar Monate eine Starjury gibt, durch die irgend ein Schreiner
für zwei bis drei Jahre zum Popstar wird. Das ist nur ein
Beispiel von vielen über Künstler, die den langen
Weg zu dem, was sie sich vorgenommen haben, gar nicht gegangen
sind, und nicht konkurrieren können. Denn das hat damit
nichts zu tun. in Wirklichkeit ist es eine lange Reise zu sich
selbst. Der künstlerische Beruf ist eine sehr schwierige
Lebensart, den Weg zu sich zu finden, wenn sie nicht jemanden
begegnen, der sie liebevoll überschätzt. |
| SpiriTV: |
Meinen Sie jemanden, der Künstler richtig fördert? |
| Klaus-Maria Brandauer: |
Ja, wir brauchen jemanden, der auch zu Schauspielern, die
schon dreimal durch die Aufnahmeprüfungen gefallen sind,
sagt "Das macht nichts, ich glaube an euch!" Das ist
das Wichtigste. |
| SpiriTV: |
Werden Sie die Schauspieler auch bewerten? |
| Klaus-Maria Brandauer: |
Ich würde niemandem sagen „Du bist gut, Du bist
nicht gut und Du nicht geeignet,“ das werden die nicht
von mir hören. Sie werden aber sonst jede harte Kritik
im Zusammenhang mit Erscheinung, den Möglichkeiten, die
ich in ihnen sehe und das, was ich als Talent erkenne, von mir
hören und sie auf alle Gefahren aufmerksam machen. Außerdem
sage ich jedem, dass ich nicht verstehe, dass sie sich diesen
Beruf ausgesucht haben. Viele Theater werden geschlossen, und
nicht nur junge Schauspieler sind arbeitslos. Das ist ziemlich
hart. Der Stellenwert dessen, was wir als künstlerische
Arbeit bezeichnen, ist gar nicht mehr so wichtig; es gibt wichtigeres.
Aber solange es Menschen gibt, die das sehen wollen, müssen
wir auch darüber reden. Dann müssen wir uns aber auch
auf die künstlerischen Möglichkeiten besinnen und
nicht sagen: „Wir sind Teil einer Medienbranche, weil
wir sonst die falsche Karriere, die falsche Konkurrenz ansprechen.“
Bei denen geht es um viel Geld und um die Vermarktung des Namens. |
| SpiriTV: |
Würden Sie dennoch wieder Schauspieler werden wollen
und den Beruf erneut erlernen? |
| Klaus-Maria Brandauer: |
Ich bin mit dem, was ich seid vielen Jahrzehnten tue, sehr
zufrieden, gelegentlich so etwas wie glücklich. Das geschieht
meistens natürlich in Theatern, gelegentlich aber auch
am Filmset, wenn das Team anwesend ist. Das sind Momente, die
mich in der Tätigkeit, die ich seit so vielen Jahren ausübe,
erfreuen. Allerdings muß ich dabei sagen, daß ein
volles Haus, mit 1500 Plätzen wie im Burgtheater, wo man
sein Publikum trifft und die Zeit scheinbar stehen bleibt, natürlich
unwiederbringlich ist. |
| SpiriTV: |
Danke für das Interview. |
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An der ifs finden ständig Weiterbildungsseminare mit verschiedenen
Dozenten statt. Weitere Informationen darüber findet Ihr unter
www.filmschule.de
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