Die Kunst des nicht Spielens vor der Kamera

 

von Olaf Demmerling
Copyright Birgit Schuler

 

Vor einiger Zeit leitete der erfolgreiche Schauspieler Klaus-Maria Brandauer an der internationalen Filmschule Köln ein Weiterbildungsseminar für Schauspieler. Wir trafen uns im Anschluß mit dem Teilnehmer Michael-Che Koch, um mit ihm über seine Erfahrungen und Erlebnisse dieser Tage zu sprechen.
Michael-Che Koch studierte an der „ARTURO Schauspielschule“ und bildete sich durch Schauspielworkshops in Frankfurt, Amsterdam und den USA weiter. Es folgten Theaterengagements am Freien Werkstatt Theater Köln, der Studiobühne Köln, sowie den Schauspielhäusern Bonn und Düsseldorf. Bis vor weniger Zeit war er hier auch noch in den Inszenierungen „Die Memphis Brothers“ und „Romeo und Julia“ zu sehen, wo Michael-Che Koch auch die Hauptrollen spielte.

Daneben stand er für verschiedene Kurzfilme vor der Kamera, wirkte in Episodenrollen wie „Die Wache“ auf RTL mit und gehörte zum Ensemble des TV-Movies Bastian und Kelly der ARD.


SpiriTV: Michael, kannst Du uns mal über eine Situation erzählen, wie Klaus-Maria Brandauer mit Euch gearbeitet hat?
Michael-Che Koch: Es fing damit an daß wir auf der Grundlage von William Shakespeares "Sommernachtstraum" verschiedene Rollen improvisiert haben. Klaus-Maria Brandauer hat dabei die Texte verteilt, wir haben die Rollen gelesen und neue Satzstücke mit eingebaut, zum Beispiel die Texte gesungen. Ein anderer Schauspieler, der auch als Sprecher arbeitet, sagte den berühmten Satz "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker". So haben wir ein Improvisationspaket daraus gemacht. Dadurch hat er gesehen wie wir sind, was wir machen, und wie wir spielen. Er hat uns auch gleich am ersten Tag einzelne Kritiken gegeben.
SpiriTV: Wie waren die Kameraübungen mit Klaus-Maria Brandauer?
Michael-Che Koch: Das Motto des Workshops lautete "Die Wahrheit im Spiel vor der Kamera". Genau das hat er auch vermittelt. Für uns war es sehr wichtig, dass er sagte: „Du bist dann gut und präsent und echt vor der Kamera, wenn Du mit Dir ident bist, also, wenn Du nicht spielst.“ Er sagte immer: „Sie spielen sehr schön, aber lassen Sie das mal. Spielen Sie nicht.“
SpiriTV: Bist Du nun mit neuen Erkenntnissen über Deinen Beruf aus dem Workshop herausgegangen?
Michael-Che Koch: Ja natürlich, absolut. Ich bin sehr motiviert und gestärkt worden durch dieses Wochenende mit Herrn Brandauer. Ich fand es sehr schade, als die Zusammenarbeit zuende war. Ich glaube, dass das Gelernte sehr fruchtbar sein kann.
SpiriTV: War der Unterricht mit Klaus-Maria Brandauer ein anderer als mit den Dozenten an der Schauspielschule? Auch dort hast Du ja bereits die Arbeit mit der Kamera gelernt.
Michael-Che Koch: Es gibt sicher einige Schuldozenten, von denen ich eine Menge lernen kann, aber in Deutschland gibt es kaum jemanden mit diesen Erfahrungen was Theater und Drehen angeht. Das kann ich nur bei Brandauer sehen, erleben und lernen. So etwas kann mir kein noch so guter Theaterschauspieler beibringen. Herr Brandauer hat in Hollywood gedreht und war für einen Oskar nominiert. Er hat einfach fantastische Filme gedreht und mit tollen Leuten zusammen gearbeitet.
SpiriTV: Was das „nicht spielen“ angeht, so ist sein Regiedebüt sicher ein gutes Beispiel!
Michael-Che Koch: In dem Film hat man gesehen, wie stark das ist, wenn ein Schauspieler nicht spielt, das beherrscht er einfach perfekt. In dem Film ist er zum Beispiel einfach Fahrrad gefahren oder hat eine Bombe gebaut ohne große Mimik anzuwenden. Er hat uns noch mal ausdrücklich gesagt, dass er in „Georg Elser – Einer aus Deutschland“ nicht gespielt hat.
SpiriTV: Vielleicht ist das auch die Kunst mit Rollen zu überzeugen: Sich vor der Kamera zurück zunehmen und nicht übertreibend wirken?
Michael-Che Koch: Gut, daß Du das sagst. Wir hatten auch auf der Schauspielschule schon Kameraseminare. Dort lautete der Grundtenor: „Macht nichts „ Das ist aber nicht richtig. Jetzt habe ich wieder gelernt und stimme Brandauer zu: Nichts machen ist auch falsch, dann wirkt man statisch, wie eingefroren. Das sieht man ständig im Fernsehen: starre Gesichtsausdrücke bei Großaufnahmen. Dabei muß man doch lebendig bleiben, und alles wird gut, wenn man mit sich ident ist. Das Schöne an dem ident sein ist, mit sich im Klaren zu sein. Dass Du nicht erst anfängst, wenn der Regiesseur sagt "Und Bitte". Du bist schon vorher da in der Rolle, und Du bist schon mitten drin und hörst nicht auf, wenn die Kamera aus ist. Es gibt das vorher und das nachher.
SpiriTV: Wo siehst Du Deine Zukunft?
Michael-Che Koch: Ich möchte gerne in den verschiedenen Bereichen meines Berufes arbeiten. Das sind Theater, Film und Fernsehen, Funk und Sprechen. Das Spannende an der Schauspielerei ist ja die Vielseitigkeit, das finde ich schön. Wenn ich mal mehr Erfahrung habe, könnte ich mir auch vorstellen zu unterrichten. Herr Brandauer hat uns da sehr stark motiviert. Er sagte, auch wenn wir Agenturen haben, sollen wir uns trotzdem auch selbst engagieren und die Dinge in die Hand nehmen und die Leute, die wir gut kennen, ruhig ansprechen, zum Beispiel Regisseure.
SpiriTV: Vielen Dank für das Interview

 


 
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