| Namibia – Deutschland: eine geteilte Geschichte |
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von Gisela Hartmann
„Namibia – Deutschland: eine geteilte Geschichte“ – so lautet der Titel der am 7. März eröffneten Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum. Wobei das Partizip „geteilt“ im doppelten Wortsinn zu verstehen ist: einerseits für die getrennte Geschichte der beiden Nationen, andererseits für die gemeinsam gelebten Erfahrungen. Noch heute ist das namibische Leben sehr von Deutschen und ihrer Kultur geprägt.
Die meisten Deutschen hierzulande wissen kaum etwas über die deutsche Kolonialzeit in Namibia – dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika. Selbst die Tatsache, dass es dort einen Genozid gab, der von Historikern oftmals als Vorläufer zum Holocaust gewertet wird, ist weitestgehend unbekannt. Diese und viele weitere Bildungslücken möchte die Ausstellung schließen. 2004 jährt sich der Aufstand der einheimischen Bevölkerungsgruppen Herero und Nama gegen die deutschen Besatzer zum 100. Mal – Anlass genug, mit einer derartigen Ausstellung die eigene, koloniale Vergangenheit Revue passieren zu lassen.
Seit 1884 hatte Namibia unter deutscher Kolonialherrschaft gestanden. Im Januar 1904 begann eine Revolte der Herero gegen die Kolonialherren. Ein Aufstand der Nama im Oktober desselben Jahres folgte. Beide Stämme wehrten sich gegen die zunehmende Benachteiligung und Entrechtung durch die Deutschen. Die kaiserlichen Truppen wurden von Generalleutnant Lothar von Trotha befehligt, der die Vernichtung der Aufständischen anordnete. Während die Herero im August 1904 ihre letzte Schlacht verloren und in die Omaheke-Wüste abgedrängt wurden, in der der größte Teil des Volkes elend verdurstete, erhoben sich die Nama zu einer bis 1908 andauernden Widerstandsbewegung. Zu dieser grausamen Zeit Anfang des letzten Jahrhunderts passt auch die Tatsache, dass das deutsche Heer die Kriegsgefangenen erstmals in Konzentrationslagern gefangen hielt und sie zur Zwangsarbeit unter harten Bedingungen verpflichtete. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Südwestafrika/Namibia an Südafrika, erst 1990 konnte das Land seine Unabhängigkeit erlangen.
Doch zurück zum Rautenstrauch-Joest-Museum: Die Ausstellung dokumentiert sehr eindrucksvoll die einzelnen Entwicklungsstationen des Landes seit es als Kolonie des deutschen Kaiserreichs galt. Das Konzept der Ausstellung ist es, jeweils zwei verschiedene Sichtweisen einzunehmen: Einerseits zeigt sie die Perspektiven der schwarzen Bevölkerung, anderseits nimmt sie auch die Position der Deutschen bzw. Deutschstämmigen ein.
Eines der faszinierendsten Exponate der Ausstellung ist ein Herero-Grab: In einem dreigliedrigen Ast sind 13 Rinderschädel befestigt, die Macht und Reichtum des Verstorbenen symbolisieren. Andere Exponate zeugen von der Kölner Präsenz in der einstigen Kolonie. Eine große gusseiserne Glocke wurde vor einigen Jahren mitten in der trockenen Sandwüste gefunden. Ein Prägestempel beweist, dass sie im 18. Jahrhundert in Köln gegossen worden ist. Es ist ein Rätsel, wie diese Glocke in die Wüste geraten konnte. Billardkugeln und Klaviertasten aus Elfenbein deuten an, dass die deutsche Oberschicht zur fast völligen Ausrottung der namibischen Elefanten beigetragen hat. Eine Parkbank, die nur für die weiße Bevölkerung reserviert ist, zeigt, dass sich die südafrikanische Apartheid auch in Namibia niederschlug. Heute leben weiße und schwarze Namibier (relativ) friedlich miteinander. Spuren vom deutschen Erbe finden sich wortwörtlich an allen Ecken: Straßen sind nach Otto von Bismarck und anderen Figuren der deutschen Geschichte benannt und selbst mitten in der Steppe trifft man ganz unerwartet auf ein Schild in Herzform, auf dem ein Pfeil die Richtung nach „daheim“ anzeigt.
Obwohl die deutsch-namibische Geschichte mehr „geteilt“ im Sinne von „getrennt“ ist, zeigt die Ausstellung dennoch auch Aspekte, die die Gemeinsamkeiten des multikulturellen Landes deutlich machen.
Die Ausstellung „Namibia – Deutschland. Eine geteilte Geschichte. Widerstand, Gewalt, Erinnerung“ ist noch bis zum 3. Oktober 2004 im Rautenstrauch-Joest-Museum zu sehen.
Rautenstrauch-Joest-Museum Ubierring 45 50678 Köln/ Südstadt
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