| "Alles, was ich tat, galt einem Ziel: Den Ruhm Frankreichs zu mehren!" |
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von Sven Hansen
SpiriTv: Herr Richelieu, Sie haben - gemessen an heutigen
Maßstäben - nicht sonderlich lange leben dürfen! Dennoch
haben Sie in 57 Lebensjahren (1585-1642) ein stolzes Werk hinterlassen,
das nicht mehr viel mit dem Frankreich vor Ihrer Zeit gemein hatte. Armand-Jean Du Plessis, Kardinal Duc de Richelieu : Nun, mein Herr. Ich liebe Frankreich, und ich liebe den König (Ludwig XIII., Anm. d. Red.). Einzig ein starker Monarch ist dazu befähigt, einem Staat dauerhaft Frieden und Wohlstand zu verschaffen. Deshalb musste ich dafür sorgen, dass dem König seine legitime Gewalt wieder zukommen konnte. Damit ist die Zentralisierung der Verwaltung und der Gewalt verknüpft. Letztlich gilt es auch das Ziel des Friedens im Staat zugunsten des Volkes zu schaffen... SpiriTv: ... aber gerade Sie haben doch zu kriegerischen Mitteln gegriffen, um Ihre Position durchzusetzen: Siehe die Kämpfe um La Rochelle gegen die Hugenotten. Richelieu: Aber Monsieur, würden Sie mich bitte
ausreden lassen; es gehört sich nicht andere in ihren Erläuterungen
zu unterbinden (sammelt sich). SpiriTv: ... was Frankreichs Stellung stärkte, weil der Kontrahent im Osten bedeutend geschwächt wurde ... Richelieu: ... aber den Weg zu einem geeinten Frankreich eben nicht von sich aus hervorbrachte. Das hatten wir immer noch selber zu bewältigen, ist uns aber wohl gelungen, wenn man die Herrschaft des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Betracht zieht, nicht wahr ? (Richelieu lässt ein funkeln in seinen Augen erkennen) SpiriTv: (insistierend) Und die Kunst ? Richelieu: Ach ja! Was die Kunst anbetrifft, so lag
meine Intention darin, Frankreich die kulturellen Errungenschaften - aus
antiken Zeiten und dem Italien der Renaissance - zukommen zu lassen. Malerei,
Bildhauerei, Literatur. Kunst und kulturelles Erleben wirken wie Klebstoff
für eine Nation, die zusammenfinden soll; darin und dadurch atmet
sie! SpiriTv: Eine bemerkenswert- progressive Ansicht. Nichtsdestotrotz haben Sie die Kunst für sich zu instrumentalisieren gewusst, sich als selbstbewusster Staatsmann portraitieren lassen. Grenzt es nicht ein wenig an Selbstüberschätzung in allegorischen Figuren als Herkules aufzutreten und Herrscherpose einzunehmen? Richelieu: Ich würde in diesem Fall nicht von Selbstüberschätzung
reden. Im Übrigen diente ich im französischen Staatsinteresse:
Die Einrichtung der Academie Française, die Gallerie des Hommes
Illustres und der Neubau der Kapelle der Sorbonne sollten Zeugnis genug
sein. SpiriTv: Sie sind ganz schön gewieft. Sie spielen
die Intention und Wirkung der Kunst für die damalige Zeit herunter!
Wir möchten nur an einen Kupferstich des Jahres 1637/38 erinnern:
Sie befreien eine französische Lilie von einer schädlichen Raupe,
während in der linken Seite des Bildes die habsburgischen Symbole
Adler und Löwe wutschnaubend an der Kette gehalten werden. (Richelieu
kneift die Lippen zusammen, schwenkt den Blick hastig weg und schaut in
die Leere) Richelieu: Also bitte! Ich habe schließlich auch Armenfürsorge betrieben. Beabsichtigt hatte ich, bis 1630 blühende Landschaften zu errichten. Als sich dies allerdings als Illusion entpuppte, führte dies mich dazu, das Volk wieder zur Pflicht zu rufen. Alle Politiker stimmen darin überein, dass das Volk, wenn es ihm zu gut ginge, unmöglich in den Schranken seiner Pflicht zu halten wäre. Die Räson gestattet nicht, es von allen Lasten zu befreien (fester, bestimmter Gesichtsausdruck). SpiriTv: Na, na, Sie alter Schönfärber. Die Lasten müssen unerträglich gewesen sein, das Land verelendete. Die Wut der Bürger führte regelmäßig zu Angriffen auf Ihre Steuereintreiber! Richelieu: (ernstes, distanziertes Gesicht) Die Staatsminister sind in ganz besonderer Weise verpflichtet, alles aufzubieten, die Autorität ihres Herrn so zu erheben, dass er bei aller Welt in höchstem Ansehen steht. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich. SpiriTv: Selten hat jemand so viel für (oder gegen) sein Land getan, wurde dann (aber) so verachtet. Erst spät gelangten Sie zu Ruhm. "Die drei Musketiere" waren Ihr "Durchbruch". Richelieu: Durchbruch ist gut gesagt. Dumas zeichnet mich als düster-intriganten Zeitgenossen. Er geht gar nicht auf mich als Staatsmann Frankreichs ein, ein Genie, das Frankreich über alle übrigen Nationen erheben wollte. Dieser Dumas hat meine Leistung beleidigt und mein Ehrgefühl verletzt. Das Bisschen Anerkennung, das er mir angeblich schenkte - er soll es sich in den Hut stecken!! (zieht die Augenbrauen zusammen und grollt) SpiriTv: Nun, er präsentiert Sie aber doch als
wahren Herrscher Ihres Landes! Richelieu: Oho. Zunächst ist der König mein
Gebieter. Ich übte lediglich den Posten des Ersten Ministers aus.
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