| Lange Nacht im Kölner Zoo |
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von Isabel Raab
Ich lasse mich von den Menschen treiben, befinde mich in einer sich fortbewegenden Masse, die auf ein bestimmtes Ziel hinsteuert. Selbst jetzt – oder vielleicht gerade jetzt – da sich der Vorhang der Nacht über Köln gebreitet hat, scheint von Leblosigkeit keine Rede zu sein. Lebhaftigkeit träfe die Sache besser. Und so strömen die Menschen, und ich mitten drin, auf den Eingang zu, hinter dem sich ein so wunderbares, so zauberhaftes, ein so ungewöhnliches Spektakel abspielen soll. Es ist die lange Nacht im Kölner Zoo. Los geht’s! Ich beginne meinen Rundgang auf dem von Scheinwerfern beleuchteten Weg und bin gespannt auf das Spektakel. Der Waschbär, wohl nicht sehr belustigt von der nächtlichen Ruhestörung, zeigt sich zunächst nicht. Aber meine Hartnäckigkeit wird belohnt. Und da ist er dann. Krabbelt auf einem Baumstamm herum, und verschwindet wieder. Die Bären scheinen mit dem Licht zu so ungewöhnlicher Stunde
weniger Probleme zu haben. Sie balgen sich, fressen ihre Melone und wirken
sehr zufrieden. Nur der große Braunbär leidet sichtlich unter
der noch anhaltenden Hitze. Das Tropenhaus hat es mir angetan. Hier finde ich zum Beispiel vollgefressene dicke Schlangen, einen Papagei, der unbeweglich auf einem Ast sitzt und ganz niedliche Affen, die überhaupt nicht müde sind und ihre Kunststücke zum Besten geben. Die anderen Affen im Affenhaus hingegen hängen schlafend in ihren Käfigen. Ein bisschen tun mir die Tiere ja auch Leid. Wer wird schon gerne von Scheinwerfern angestrahlt und von Leuten beschaut, wenn er eigentlich schlafen will?! Allerdings sind die Lichter auch nur an einigen Stellen angebracht und geben so eher unaufdringlich den Blick auf die Gehege frei. Wer schlafen will, kann dies natürlich tun. So auch die Robben, die mit Flossen und Schwanz in die Höhe gestreckt friedlich schlummern. Ich wende meinen Blick von den Tieren ab und frage mich: Was für Menschen laufen hier eigentlich herum? Es ist ein sehr gemischtes Völkchen von Nachtschwärmern. Kleinfamilien mit äußerst braven (und vielleicht auch müden?) Kindern, ältere Menschen, Jugendliche und natürlich Pärchen, die unter sternenklarem Himmel den Blick auf die wilden Löwen genießen. Bei wem sich bei so viel nächtlicher Aktivität der kleine Hunger meldet, kann an diversen Fressbuden etwas zu sich nehmen. Ich genehmige mir eine Crêpe. Am Ende meines Rundgangs mache ich noch Halt an der aufgebauten Bühne, auf der einige Bands den Zuschauern so richtig einheizen und sie zum Mitsingen animierten. Nun will ich eigentlich mit der Seilbahn den Blick über Köln
genießen, aber wie kann es anders sein, diese Idee hatte ich natürlich
nicht alleine. So stelle ich mich mit vielen anderen an die Bahnhaltestelle
und reflektiere noch ein bisschen über das, was ich so gesehen habe:
Die Sommernacht im Zoo ist auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches,
und es ist vor allem für Nachtschwärmer und Tierliebhaber sehr
interessant mal einen anderen Blick in das Leben der Zootiere zu gewinnen.
Wer von den Zoobewohnern keine Lust darauf hat, zeigt sich einfach nicht
– ein scheinbar leeres Gehege hat ja auch seinen Reiz. Weitere Infos unter www.zoo-koeln.de
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