| Afrika-Tage in Bonn |
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von Sandra Berkling
„Afrika auf neuen Wegen?“ Diese Frage stellte sich die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn vom Ende März, als sie zu den Afrika-Tagen in ihren Räumen in der Godesberger Allee einlud. Vom 18. bis zum 20. März gaben sich Gäste aus afrikanischen und hiesigen Landen die Klinke in die Hand, um das vielfältige Angebot an Vorträgen und Präsentationen zum Thema „Afrika“ zu begutachten. Mit der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) als Initiatorin der Veranstaltung
durfte der informierte Besucher eine gewisse Erwartungshaltung verbinden:
Das Engagement der 1924 gegründeten Stiftung reicht von Studienförderung
über Forschungsaufträge bis hin zu internationaler Entwicklungsarbeit.
Gerade auf dem schwarzen Kontinent ist die FES durch zahlreiche Projektbüros
vertreten. In 20 Ländern leiten deutsche Mitarbeiter Hilfsprogramme
in die Wege, dabei werden sie tatkräftig von einheimischen Fachkräften
unterstützt. „Afrika existiert bisher nicht als politische, kulturelle und soziale Einheit. Dazu ist der Kontinent viel zu groß,“ so Anke Fuchs, die Präsidentin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Jedes einzelne Land wurde folglich durch politische und kulturelle Abgesandte repräsentiert, die über spezifische Probleme, aber auch positive Entwicklungstendenzen ihrer Staaten sprachen. In Gesprächsforen und Podiumsdiskussionen fanden sich diese Abgesandten zusammen, um so virulente Themen wie z.B. die Auswirkungen der Globalisierung in Afrika oder sich abzeichnende Demokratisierungsprozesse zu erörtern. Politische Entwicklungen gewannen umso mehr an Bedeutung vor dem Hintergrund der Irak-Krise, die sich am dritten Tag der Veranstaltung zu dem erwarteten Golfkrieg auswuchs. Die Tagesordnung wurde dadurch in Mitleidenschaft gezogen, angekündigte Redner mußten ihr Erscheinen absagen. So wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen, daß Bundespräsident Johannes Rau, der die Veranstaltung offiziell eröffnen sollte, verhindert war.
Ungeachtet dessen wurden die Zusammenkünfte debattierfreudiger Teilnehmer jedoch fortgesetzt. Das Interesse am Meinungsaustausch afrikanischer Politiker war groß: Schulklassen nahmen die Hälfte der Sitzplätze ein, Journalisten und Privatleute drängten sich durch die dicht besetzten Stuhlreihen. Die Diskussionen fanden in eng lischer bzw. französischer Sprache statt, was manchen Teilnehmern sichtliche Mühe bereitete und bei den Zuhörern leichte Irritationen auslöste. So wurde Kritik laut, daß die afrikanischen Gäste gezwungen seien, sich in ehemaligen Kolonialsprachen zu artikulieren und daß es eine Geste der Höflichkeit gewesen wäre, einen Dolmetscher für ihre jeweilige Muttersprache ausfindig zu machen. Offensichtlich haderten aber nicht nur manche afrikanischen Redner mit der englischen Sprache, sondern auch die deutschen Moderatoren, von denen man sich etwas mehr kommunikative Kompetenz gewünscht hätte. Bei einer Gesprächsrunde von afrikanischen Literaten aus Südafrika, Nigeria und Simbabwe verblüffte der Diskussionsleiter durch radebrechende Redseligkeit, die anderen die Sprache verschlug. Bis die anwesenden Schriftsteller zu einem ersten Statement ansetzen konnten, verstrich eine gute halbe Stunde.
Die zum Teil schleppend voranschreitenden Diskussionen wurden durch ein entsprechendes Rahmenprogramm ergänzt. Schautafeln und Infostände erlaubten dem Besucher, sich auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen und sein Hintergrundwissen über aktuelle Geschehnisse zu vertiefen. Neben Politik und Wirtschaft sollte aber auch die Kunst zu ihrem Recht kommen. Wohldosierter kultureller Genuß wurde in Form von modernen Malereien, Karikaturen und Comiczeichnungen geboten, die in einem Galleriekomplex die Wände bestückten. Wer von den vorbeidefilierenden Besuchern Kunstverstand besaß, blieb interessiert stehen, wer einfach nur hungrig war, hastete ohne Zwischenstopp gleich weiter zum Buffet. Dort hatte der an europäische Kost gewöhnte Magen die Qual der Wahl: Gerichte mit unaussprechlichen Namen und noch ominöseren Zutaten ließen den Blick gehetzt umherschweifen auf der Suche nach vertraut aussehenden Speisen. Doch der vorurteilsfreie Esser überwand sein Mißtrauen und ließ sich Wurzeln in safrangelber Sauce nebst gar nicht so fremdländischen Kartoffeln schmecken. Nachdem man sich mit afrikanischen Gaumenfreuden gestärkt hatte,
konnten weitere Stationen des Rahmenprogramms in Augenschein genommen
werden. Auf einem Markt wurden afrikanische Gebrauchsgegenstände,
Nahrungsmittel und Kleider feilgeboten. Weniger materialistisch Gesinnte
strömten in Richtung Bibliothek, um deren Buchbestände nach
einschlägiger Fachliteratur zu durchstöbern oder aber in den
Internetkosmos abzutauchen.
Volkstümlich und traditionell, zukunftsoptimistisch und politisch selbstbewußt: So präsentierten sich die afrikanischen Vertreter und man versuchte, ihnen mit dem Veranstaltungsprogramm gerecht zu werden. Dies gelang zwar nicht immer hundertprozentig, dennoch eröffneten die Afrika-Tage neue Perspektiven bei der Entdeckung eines Kontinents, dessen Leistungsfähigkeit und Innovationspotential oftmals unterbewertet werden.
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