Das Kölner Loch wird gestopft - ein Happy End?
 

von Tanja Betzmeir

 

Das Loch
Das Kölner Loch

Juni 2005: Das herannahende Sommerloch wird sich bester Gesellschaft erfreuen. Löcher, wohin man blickt. Löcher im deutschen Staatshaushalt, die durch Löcher in studentischen Privathaushalten gestopft werden sollen. Löcher in der Abwehr der deutschen Nationalelf, die unter, mit und für Klinsi durch den "Confed-Cup" (sperriger auch "Konföderationen - Pokal" genannt) hechelt und mal wieder nicht so recht weiß, wohin sie schießen soll - das Runde ins Eckige, oder wie war das noch? Löcher auch in der Zukunftsplanung angehender Ex-Bundeskanzler - vielleicht sozialverträgliche Frühberentung?

Ein Loch soll jetzt jedenfalls über bloße gute Absichten hinaus endgültig gefüllt werden. Mitten in Köln gähnt es vor sich hin, sowohl nach unten als brachliegende Baugrube, als auch nach oben, wo es eine beträchtliche Lücke in der baulichen Rundum-Umschließung des Neumarkts lässt. In Anlehnung an das "Bonner Loch", die "Endstation Sehnsucht" für Angehörige sozialer Randgruppen, hat es den einfallsreichen Namen "Kölner Loch" verliehen bekommen und steht als solches für den Niedergang der Kultur in Köln.

Es liegt genau da, wo einst die Josef-Haubrich-Kunsthalle stand, bis das Gebäude 2002 dem Erdboden gleichgemacht wurde. Schon 1996 wurde der Sieger des Architektenwettbewerbs für den Neubau gekürt. Ein neues "Kulturzentrum" mitten in der Stadt sollte entstehen, das das Rautenstrauch-Joest-Museum, die Kunsthalle und das Museum Schnütgen beherbergen würde. Rund 61 Millionen Euro wollte die Stadt sich das kosten lassen, auf dass die Kölner Kultur erblühe im Glanze dieses Glückes. Nur wie so eine Summe aus einer Kasse nehmen, in der sowieso schon geschätzte 500 Millionen Miese auf Abtragung warteten? Wegen akuten und chronischen Geldmangels wurde das Projekt zunächst von der Agenda genommen. Da lag sie nun, die Baugrube neben St. Cäcilien, und verbreitete eine verbitterte Atmosphäre.

Das faule Zahnloch in der Neumarkt-Kulisse galt als Sinnbild für den maroden Zustand der umliegenden Kulturlandschaft. Als Köln an der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas kläglich scheiterte und die Jury nach der lange vorbereiteten Stadtführung wenig erfreute Gesichter machte, höhnten und spotteten die zahlreichen Kritiker. Nichts anderes hatte man erwartet. Auch das Loch, das nach dem Tode der verstorbenen Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer auf deren Stuhl fast ein Jahr klaffte, passte zur allgemeinen "löchrigen" Endzeitstimmung. Skeptiker sahen für beide Löcher schwarz.

Doch, Oh Wunder!, seit April hat Köln einen neuen Kulturdezernenten. Georg Quander ist sein Name. Er soll der Kölner Kultur wieder aus der Grube helfen, die sie sich selbst gegraben hat. Und der Wunder nicht genug: Das Land Nordrheinwestfalen hat sich nach langem Zögern bereit erklärt, 24 Millionen Euro aus der Kasse der Museums- und Städtebauförderung zum ehrgeizigen Bauprojekt wider das Loch beizutragen, so dass nun zumindest mit dem Bau des Untergeschosses, also der Tiefgarage, begonnen werden kann.

Schlussszene: Am 14.6.05 legen OB Fritz Schramma, Regierungspräsident Jürgen Roters, NRW-Kultusminister Michael Vesper und Rheinbau-Geschäftsführer Manfred Nagel mit vereinten Kräften den Grundstein zur Füllung des störenden Kraters. Hinter St. Cäcilien geht die Sonne auf und die Herren der Kölner Kultur blicken zufrieden auf ihr Werk, das im Glanze des Morgenlichts erstrahlt. Rein fiktiv natürlich...

Frühestens im Herbst 2008 soll die neue Museumsmegalopolis ihre Pforten öffnen. Doch bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter. Naja. Der Kölner an sich ist ja hart im Nehmen. Et kütt wie et kütt, aber et hätt noch immer joot jejange...

Infos: www.das-loch.net

 

 

 


 
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