Moderate light fastness
 

von Gisela Hartmann

 

Die Tapeten dominieren alles
Die Tapeten dominieren alles
"Mit dir gehe ich durch dick und dünn", "Mit dir könnte ich Pferde stehlen". Nein. "With you I could hang wallpaper" - "mit dir könnte ich Tapeten hängen" - na, wenn das nicht das schönste Kompliment ist, was ein Mann einer Frau machen kann....

In Richard Aczels Theaterstück ‚Moderate Light Fastness' geht es um den festgefahrenen Dialog zwischen Mann und Frau. Szenen eines Ehelebens von der jungen Liebe über die ersten Konflikte bis hin zur Alterseinsamkeit zu zweit zeichnet Aczel präzise und mit viel Wortwitz nach. Dass die junge Liebe schon bald am Unfalltod des gemeinsamen Kindes erstickt, ist dabei nur ein Nebenaspekt der erlöschenden Gefühle.

‚Moderate Light Fastness' handelt von Liebe, von Untreue, vor allem aber von Tapeten - und so trifft es sich gut, dass während der Aufführung stets ein leichter Duft von Tapetenkleister in der Luft hängt. "Colors fade in the sun light, but patterns repeat. I don't want to be his pattern repeat." "Farben verblassen im Sonnenlicht, aber Muster wiederholen sich. Ich möchte nicht sein Muster sein, das sich stets wiederholt." Die "pattern", die Muster der Tapeten, die auch in realiter auf der Bühne zu sehen sind, stehen als Allegorie für die verschiedenen Phasen der Beziehung: Die psychedelische 70er-Jahre-Tapete für die wilde Anfangszeit, die Kinderzimmertapete mit schlafenden Bärchen für das gemeinsame, zu früh gestorbene Kind, das Louis Quatorze-Modell für den bürgerlichen Lebenswandel, den das Paar nach außen vorgibt. In Schichten kleben die Tapeten übereinander.

Cork
Schicht um Schicht
Das Drama, das das englischsprachige Ensemble Port in Air im Ehrenfelder ARTheater auf die Bühne brachte, karikiert die Hohlheit im Diskurs zwischen den namenlosen Ehepartnern. "They said, that we change lovers like we changed wallpaper - but we never changed wallpaper." 'They' steht natürlich für die gesellschaftliche Norm. Der Sprachstil wird teilweise ein wenig derb, aber besonders dann fühlt Aczel der englischen Sprache in besonders unterhaltsamer Weise auf den Zahn.

Meisterhaft hat Autor und Regisseur Aczel das Stück inszeniert: Die beiden Ehepartner werden jeweils von vier Darstellern verkörpert. Kein Schauspieler hat eine klar definierte Rolle - mal sprechen die vier weiblichen Darstellerinnen im Chor, mal diskutieren sie miteinander. Sie sind somit mal Unterbewusstsein, mal gutes Gewissen im Konflikt mit dem schlechten. Unterstrichen wird diese Auflösung der Charaktere durch ein intelligentes, bewegliches Bühnenbild. Vier Stellwände auf Rollen werden auf der Bühne hin- und hergeschoben. Auf beiden Seiten sind sie mit verschiedenen Tapeten beklebt.
Regisseur und Autor des Stücks ist der gebürtige Brite Richard Aczel. Aczel lehrt an der Universität Köln englische Literatur und Creative Writing. Dass er selbst ein Talent für kreatives Schreiben hat, beweist er mit ‚Moderate Light Fastness'. Die Schauspieler für sein Ensemble rekrutiert er aus seinen Vorlesungen und Kursen. Keiner von ihnen spricht Englisch als Muttersprache, und doch hört man in nur ganz seltenen Fällen einen leichten deutschen Akzent heraus.

Der Plot ist nicht immer leicht verständlich. Hat man das Stück aber einmal durchschaut, ist es grandios!

Moderate Light Fastness ist noch am 11. und 12. Mai 2005 im Artheater zu sehen: Ehrenfeldgürtel 127, Tel.: 0221-5503344

 

 

 


 
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