Fotoausstellung Shooting Stalin - Die wundervollen Jahre des Fotografen James Abbe (1883-1973)
 

von Dimitri Soibel

Plakat für die Ausstellung Shooting Stalin
Plakat der Ausstellung Shooting Stalin
Seit dem 2. Oktober 2004 läuft im Museum Ludwig die Ausstellung des beinahe vergessenen Fotografen James Abbe, der zur seiner Zeit zu den bedeutendsten Bildjournalisten zählte.

Nicht viele Menschen können mit dem Namen James Abbe etwas anfangen. Dies liegt sicherlich auch daran, dass der Fotograf, der zwischen 1883 und 1973 gelebt hat, nach 1937 fast gar nicht mehr fotografiert hat und nur noch für den Hörfunk gearbeitet hat. Dies mindert nicht seine genialen Fotos, die er bis zu diesen Jahr geschossen hatte. Beginnend mit den harmlosen Bildern der Stars des aufblühenden Hollywoods, wie Charlie Caplin oder Gloria Swanson, beendete er seine Fotokarriere mit den furchtbarsten Menschen der Menschheitsgeschichte wie Franco, Stalin oder Hitler.

Im ersten Teil der Ausstellung begegnen uns die harmlosen Bilder, die am Anfang seiner Karriere standen. Der Fotograf widmet sich hier seiner ersten Leidenschaft, dem Film, dem Theater und dem Tanz. Wir sehen die Stars und die längst vergessenen Sternchen bei Filmaufnahmen, hinter oder auf den Bühnen in Hollywood, Paris, Moskau oder Berlin. Es herrschen die sorglosen "goldenen" 20er Jahre. Die Bilder werden im Laufe der ganzen Ausstellung von den Memoiren des Fotografen begleitet. Durch diese Texte versteht der Besucher besser, wie sich der Autor bei der Begegnung mit diesen Menschen gefühlt hat. Die Spaßgesellschaften enden abrupt, als der Fotograf anfängt, für die Berliner Illustrierte Zeitung zu arbeiten. Man schreibt das Jahr 1932 und der Spaß ist den meisten Europäern, schon längst vergangen.

Als erstes tauchen die Bilder des verschneiten Moskaus auf. Plötzlich schaut uns ein freundlich lächelnder Mann mit einem Schnauzer und leicht durch Pocken vernarbten Gesicht an. Der Mann spielt förmlich mit der Kamera und wenn man nicht wüsste, dass es sich hier um einem der grausamsten Diktatoren der Menschheitsgeschichte handelt, nämlich Josef Stalin, würde man denken, es lächelt uns ein recht netter Kerl an. Und dies ist das interessante an der Ausstellung. Man schaut nicht auf die Taten dieser Menschen, man kennt ihre Taten, sondern man schaut in ihre Gesichter und versucht aus diesen Gesichtern die Taten nachzuvollziehen.

Berlin 1933 : Fahrgäste eines Busses
Berlin 1933 : Fahrgäste eines Busses

Zurück in Berlin, das schon "braun" befleckt ist, setzte sich der Fotograf in den normalen Bus und machte ein Bild, das für uns heute erschreckend wirkt. Im ganz normalen Bus der öffentlichen Verkehrsmittel sind schon jetzt, im Jahre 1933, rund die Hälfte der Gäste, Angehörige des Naziregimes. Ein Zeichen dafür, wie weit die Menschen bereits am Anfang der NS-Diktatur mit dem Regime kooperieret haben. Man schaut sich die Gesichter dieser ganz normalen Menschen an und fragt sich, ob die wohl damals wussten, wie das Ganze enden würde. Und das macht die Ausstellung noch spannender. Das danach noch Hitler und der freundlich lächelnde, selbstzufriedene Goebbels, der anscheinend stolz darauf ist, es doch noch zu etwas gebracht zu haben, auftauchen, ist nur noch eine Nebensache. Der ganz normale Faschismus zeigt sein wahres Gesicht in den Gesichtern der ganz normalen Berliner. Hitler, dagegen gibt von sich nichts preis. Ohne Emotionen erscheint sein Gesicht auf den Bildern. Deshalbzählen die Fotos von ihm nicht zu den stärksten der Ausstellung.

Im diesen Sinne geht es weiter. Wir befinden uns nun auf dem ersten Schauplatz des aufstrebenden Faschismus, nämlich in Spanien. Wir sehen den Diktator Franco, die zerstörten Städte und die Toten des Bürgerkriegs. Die Sammlung der Diktatoren vervollständigt Mussolini, der während seines Auftritts bei einer Massenveranstaltung in Italien gezeigt wird. Die Ausstellung endet mit den Radiokommentaren, des Fotografen, der sich zu den Begegnungen mit den Diktatoren äußert. Den Titel für die Ausstellung lieferte der Fotograf übrigens selbst. Er behauptete : "Shooting dictators is great fun".

Diese Ausstellung ist für jeden, der Fotografien und besonders Geschichte mag, oder einfach nur neugierig auf diese Zeit ist, ein Leckerbissen.

Zu sehen sind die Bilder im Kölner Ludwig Museum noch bis zum 9. Januar 2005.
Für Studenten kostet der Eintritt 5,50 €

 

 


 
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