Buchkritik: "Generation Ally"

 

Mit ihrem Buch Generation Ally hat es sich Katja Kullmann, wie der Untertitel bereits sagt, zur Aufgabe gemacht, die Frage „Warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein“ zu beantworten. Der Begriff Frau wird hierbei ziemlich eng geschnürt, denn er bezieht sich ausschließlich auf die zwischen 1965 und 1975 geborenen Frauen.

Kullmann, selbst 1970 geboren, schildert ihre eigenen Erfahrungen von Kindheit bis zum 31. Geburtstag als generationstypisch. Sie hat eine Art sich ironisch mit dieser, ihrer eigenen Generation auseinander zu setzen, die den Leser oft zum Schmunzeln bringt. Und es kommt nicht selten vor, dass man sich selbst in ihren Beschreibungen wiedererkennt. Dafür muss man auch nicht zwangsläufig dreißig sein.

Es gelingt der Studie aber keineswegs, eine Antwort auf die Frage „Warum es heute so kompliziert ist eine Frau zu sein“ zu geben. Stattdessen bringt erst die Lektüre, die Leserin auf die Idee, ihr Leben sei kompliziert. Kullmann schafft es, ihr weiszumachen, dass sie beide das gleiche Schicksal teilen und da sie, Kullmann selbst, nicht glücklich mit ihrem Leben ist, die Leserin dieses tunlichst auch nicht sein sollte. Jede von frau als individuell angesehene Stärke, Schwäche oder auch Macke wird als generationstypisch umgedeutet.

Im Prinzip leistet das Buch lediglich Beobachtungsarbeit von persönlichen Geschehnissen aus Kullmanns Leben und generalisiert diese als für die Frau als solche gültig. Das Werk gibt leider keinerlei Anleitung zur Verbesserung der somit als eigen erfahrenen unbefriedigenden Situation. Mit einer kurzen Zusammenfassung ihrer eigenen Person auf rein faktischer Ebene, Gefühle bleiben weitgehend außen vor und der Schlussfolgerung „Ich hasse Ally McBeal“ endet Kullmann und lässt die Leserin mit mehr Fragen zurück als zuvor da gewesen. Übrigens hat das Buch als solches mit der namengebenden Serie „Ally McBeal“ eigentlich reichlich wenig gemein, abgesehen davon, dass jedes Kapitel von einem Zitat der gleichnamigen Anwältin eingeleitet wird.

Die Titulierung der einzelnen Kapitel ist hingegen immer passend, reichlich kreativ und betont modern. So nennt Kullmann zum Beispiel ihr siebtes Kapitel nicht einfach nur „Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft und Kind“ sondern „Körpersäfte, dicke Bäuche und prominente Wonneproppen“ was durchaus auch eine Kategorie in dem Computerspiel „You don’t know Jack“ sein könnte. Überhaupt findet man sehr häufig bekannte Markennamen in dem Buch, direkt an der Kursiv-Schrift als solche zu erkennen, was zeigt wie viel Platz Kullmann – und daher natürlich auch die Frauenwelt als solche - ihnen in ihrem Leben einräumt.

Alles in allem ist Generation Ally ein Buch um sich die langweiligen Minuten in denen man auf die Bahn oder das freie Praxiszimmer wartet zu versüßen, aber kein Ratgeber der frau mit ein paar Tricks zu einem hindernisfreien Dasein verhilft.


Generation Ally. Warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein.
von Katja Kullmann
Gebundene Ausgabe – 217 Seiten – Eichborn Verlag, Ffm.
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 382183918X
Preis: EUR 14,90


 

 
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