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von Rene Westfehling
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| Headcrash on fire |
Am 3.Dezember gab sich die wiedervereinte Crossover Band
Headcrash im Kölner MTC die Ehre. Das Konzert fand im Rahmen ihrer
Promotour zur EP "Peas in a pod" statt. Headcrash blicken bereits
auf eine stolze Karriere zurück, die vor über 10 Jahren in Karlsruhe/Pirmasens
mit der EP "Scapegoat" ihren Anfang nahm. Seit März 1994
gingen HEADCRASH dann auch verstärkt live auf die Bühne und
überzeugten damals mit ihrer Musik so sehr, dass die Zeitschrift
ROCK HARD sie zum "besten Newcomer des Jahres" kürte. Nach
einer Tour als Vorgruppe von Boo-yaa Tribe galten sie als eine der angesagtesten
Live-Bands auf dem Hardcore-Sektor.
Als 1996 die "Overdose on Tradition" - LP erschien,
gingen sie erneut auf Europatour, auf der sie auch auf zahlreichen Festivals
(Bizarre, Strange Noise, Rocknight) meist vor ausverkauftem Haus spielten.
1998 veröffentlichten sie die LP "Lifeboat"
bei Sony Music.
Anstatt schließlich jedoch den absoluten Durchbruch zu erleben,
lösten sich Headcrash im April '99 plötzlich aufgrund persönlicher
Probleme der einzelnen Mitglieder auf. Erst Zwei Jahre später begann
Herwig Meysner, der ehemalige Mitbegründer, Gitarrist und Programmierer,
die Bruchstücke wieder zusammenzufügen. Mit dem ehemaligen Sänger
Shane Cooper, der in der Zwischenzeit nach Colorado umgezogen war, und
zwei neuen Mitgliedern, dem Bassisten Justin Stone und dem Drummer Paul
Jones (beide aus England), ging es 2002 an die Arbeit zum neuen "2002"-Demo.
Bei dem Gig im MTC am 3.12. war René Westfehling für SpiriTV
vor Ort und hat sich vor dem Konzert mit Shane unterhalten.
SpiriTV:
Shane, du bist noch eins der Gründungsmitglieder von Headcrash...?
Shane Cooper:
Na ja, genau genommen bin ich kein Gründungsmitglied. Von den Live-Shows
ja. Herwig und zwei Techno-Produzenten gründeten '92 die Band, und
sie fragten damals zwei Leute, ob sie nicht für sie singen würden.
Einer davon war Allan, mit dem sie dann die "Scapegoat"-EP aufnahmen
und einen Majordeal bei Eastwest für die "Direction of Correctness"-LP
signten. Dann beging einer der Produzenten Selbstmord. Die drei übrigen
wollten eine Live-Band gründen. Da kam ich dann zur Band. Wir suchten
noch Gitarre, Bass, Schlagzeug. Bei unserem ersten Live-Auftritt in Hannover
'94 waren wir dann zu sechst. So gesehen bin ich Mitgründer der Live-Band.
SpiriTV:
Ihr habt euch vor 3 Jahren aufgelöst. Wie kam das ?
Shane Cooper:
Wir hatten einen Majordeal mit Sony für die "Lifeboat"-EP,
und dann explodierte die Band. Wir hatten auf einmal viele interne Probleme.
SpiriTV:
Private oder bandmäßige?
Shane Cooper:
Private. Ich zum Beispiel hatte eine Menge privater Probleme, und schließlich
trennte sich die Band. Alle gingen ihrer Wege, Allan nach Holland, Ich
in die Staaten. Dann, 2000, mailte mich Herwig an und meinte: „Hey,
lass uns doch noch mal versuchen, zusammen Musik zu machen!" Wir
haben Allan noch mal gefragt, aber er hatte kein Interesse mehr, also
haben wir uns mit neuen Leuten an Bass und Schlagzeug zusammen getan und
sind heute noch zu viert. Aber es läuft gut, wir haben viele neue
Songs. Es macht jede Menge Spaß.
SpiriTV:
Also sind du und Herwig die einzigen von der Originalband. Heißt
das, Euer Stil hat sich mit der neuen Besetzung krass verändert ?
Shane Cooper:
Die Vocals und Sounds sind immer noch Aggressiv, vieles klingt noch sehr
nach dem alten Headcrash-Style, aber ich würde sagen, im Großen
und Ganzen sind wir experimenteller geworden, benutzen mehr Harmonien,
schwer einzuordnen.
SpiriTV:
Wie steht's im Bezug auf Nu Metal, würdet ihr euch da einordnen lassen
?
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| Shane Cooper |
Shane Cooper:
Wir machen mehr unser eigenes Ding und achten auch nicht so besonders
darauf, auf eine bestimmte Schiene zu springen. Herwig und ich machen
die Songs, und wenn es gut klingt, dann spielen wir's.
SpiriTV:
Eure Einstellung ist also mehr auf Musik, weniger auf Business fokussiert?
Shane Cooper:
Auf jeden Fall. Diese Tour geht bisher auch rein auf unsere eigene Kappe.
Wir haben noch keine Plattenfirma hinter uns. Klar, jede Band hat gerne
einen Plattenvertrag und will sich keine Sorgen ums Geld machen müssen,
aber was soll's. Es macht einfach zu viel Spaß Musik zu machen,
mit diesen Jungs auf der Bühne zu stehen. The Show must go on.
SpiriTV:
Wie sieht's denn mit einer neuen Platte aus ?
Shane Cooper:
Wir haben 14 neue Songs insgesamt, acht davon haben wir letzten Sommer
produziert. Zwei davon haben wir auf der neuen EP "Peas in a Pod"
veröffentlicht, die wir über unser eigenes Label One good eye
vertreiben. Man kann sie auch nach der Show kaufen. Wir veröffentlichen
diese zwei, behalten die Restlichen für Verhandlungen mit der Plattenfirma
fertig produziert in der Hinterhand. Das ist aber alles noch reine Planung,
erst mal ist noch kein neues Album absehbar. Doch wenn sie kommen und
ein Album wollen (schnippt mit dem Finger), haben wir ein Album mit den
besten Songs noch in der Tasche.
SpiriTV:
Auf der neuen EP sind was für Titel ?
Shane Cooper:
Comet, Chain Reaction, Concrete Messiah und Dongball sind alte Songs,
die wir aber nie veröffentlicht haben. Peas in a Pod und Supernova
sind aus der neuen Produktion von diesem Sommer. Die alten Songs wird
es auch nur auf dieser EP geben, sie kämen auf keinen Fall mit auf
ein neues Album.
SpiriTV:
Spielt ihr heute Abend denn auch von diesen neuen Songs? Oder anders:
Spielt ihr noch viel von den alten Sachen ?
Shane Cooper:
Ja, wir werden viel von den ganz neuen Sachen spielen, auch ein paar von
den alten aber nicht viele. Da stellt sich leider oft das Problem, dass
es ohne Allan einfach nicht dasselbe ist. Ohne ihn kann ich bestimmte
Songs einfach nicht singen, also sind wir mit dem alten Repertoire sehr
eingegrenzt.
SpiriTV:
Das bezieht sich noch auf die Frage von vorhin, ob ihr nun eine eher völlig
neue Band seid, oder sich „bloß“ die Besetzung verändert
hat ?
Shane Cooper:
Oh, wir spielen immer noch "Breed" und "Scapegoat".
Dass wir viele der anderen Songs jedoch nicht mehr spielen können,
das ist leider wahr. Ich wollte gerne "Snake In The Grass" von
der "Lifeboat" spielen, aber ohne Allan geht es einfach nicht.
Viele der alten Songs ruhen in Frieden, besonders die, die ich mit Allan
zusammen gemacht habe. Er fehlt dann einfach.
SpiriTV:
Aber wie kriegt ihr diese schnelle Produktion von neuem Material auf die
Reihe? Du wohnst jetzt in Colorado, Paul und Justin leben in England,
Herwig hier in Deutschland. Wie funktioniert das ?
Shane Cooper:
Das ist eine ganz interessante Sache: Internet und Mp3-Technologie. Wir
haben uns billig Webspace angemietet, der uns 5 Dollar im Monat kostet.
Wir spielen unsere Songideen am Rechner ein und laden sie hoch. Dann schickt
man den anderen eine Email, sie holen sie ab und geben ihr Urteil ab oder
bearbeiten die Idee. It works! Wir laden uns die Ideen rauf und runter,
tauschen uns so aus. Das funktioniert wunderbar. Manche Bands haben schon
Kontaktschwierigkeiten innerhalb eines Landes, aber wir kommunizieren
über 8000 Meilen, und es geht super. Früher brauchte ich von
mir zu Herwig eine Kassette und 45 Minuten, jetzt heißt es nur noch:
hochladen - runterladen, fertig, das dauert 1 Minute.
SpiriTV:
Wirkt sich das auch auf die Kreativität im Vergleich zur herkömmlicher
Produktion im Proberaum aus ?
Shane Cooper:
Auf jeden Fall. Die Distanz entspannt das Ganze. Außerdem haben
wir keine externen Produzenten mehr, das läuft alles nur noch unter
uns bzw. über Herwig. Für eine endgültige Produktion treffen
wir uns dann natürlich an einem Ort. Dafür haben wir letzten
Sommer zwei Gigs gemacht, haben gutes Geld geholt, und das reichte für
meinen Flug und für den von Justin und Paul. In Pirmasens haben wir
alles eingespielt, und als wir wieder weg waren hat Herwig die Gitarren
noch mal eingespielt und im Monat danach die restliche Produktion gemacht.
Herwig ist jetzt unser Produzent, und ich finde, er macht einen großartigen
Job.
SpiriTV:
Die ganze Produktion läuft also unter euch ab, sozusagen auf Kumpelbasis
?
Shane Cooper:
Ja, genauso ist es. Ich vertraue Herwig, er weiß was er macht, ich
warte dann nur noch darauf, dass er mir den Endmix schickt. Ich mache
auch das Artwork für die CD selber (zeigt mir die CD). Der Titel
"Peas in a Pod" bedeutet ungefähr "Wie die Erbsen
in der Schale." Das ist eine amerikanische Redewendung und beschreibt
eine sehr enge Freundschaft. Die deutsche Entsprechung wäre etwa
"Alle im selben Boot". Die Bilder stammen fast alle aus meiner
alten Party-WG in Kaiserslautern. Viele der neuen Tracks sind Widmungen
an alte Freundschaften von uns und an die wilden Tage. (lächelt)
Wir haben heute noch viel Kontakt und fahren gemeinsam in Urlaub. Davon
erzählt die CD, besonders das Stück Peas in a Pod.
SpiriTV:
Danke für das Interview.
Hier gibt es das Review der
neuen Headcrash EP "Peas in a Pod"
Weitere Infos findet Ihr unter:
www.onegoodeye.org
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