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Hart- aber HERZER |
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von Daniel Dündar
Eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben sie dieses auf ihrem Quasi- Debut Album "Glas". Quasi deshalb, da im Frühjahr diesen Jahres bereits eine EP mit dem aussagestarken Titel "6" veröffentlicht wurde. Anders als im Fall der EP, die, man höre und staune, 6 Titel hatte, wartet mit "Glass" jetzt ein Platte mit 13 Songs darauf, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Gegensatz zur eher "verhaltenen" Promo-Arbeit für die EP wird nun aber kräftig die Werbetrommel gerührt und mit "Monochrom" sogar eine Single samt Video ausgekoppelt. Dieser Mehraufwand in der Publikationsarbeit spiegelt sich auch an den beiden Platten wieder. Während "6" zwar schon eindrucksvoll bewies, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, die nicht auf einen fahrenden Zug aufspringt, sondern eine eigene Lok gekapert hat, hatten sie bei "Glass" die Zeit, ihr musikalisches Potential auszuschöpfen und der unterschwelligen Angst der Eingleisigkeit (die Songs bei "6" sind gut, gehen aber alle in eine Richtung) eine gehörige Absage zu erteilen. Da wechseln sich aggressive und kraftvolle Passagen mit sehr verhaltenen, nahezu zerbrechlichen Tönen ab, die in dem mit Streichern unterlegten Stück "Todestag", welches völlig aus dem Rahmen fällt, ihren angenehmen Höhepunkt finden. Sicherlich sind musikalische Einflüsse im anglo-amerikanischen sogenannten "New-Metal" unüberhörbar und speziell der Anfang der Platte erinnert doch ein wenig zu stark an "Korn", aber schaffen es HERZER immer wieder, es bei Einflüssen zu belassen und ihren eigenen Stil zu etablieren. Um bei Vergleichen zu bleiben: Die Tatsache, dass es sich hier um eine deutschsprachige Band handelt, veranlasst viele Journalisten dazu, eine passende Schublade zu finden, in die es Newcomer einzuordnen gilt. So wird häufig die sogenannte "Neue deutsche Härte" mit Rammstein als Vorreiter strapaziert, sobald eine deutschsprachige Band eine verzerrte E-Gitarre verwendet, oder eben deutscher HIP-HOP. Man kann nur ahnen wie viele bei HERZER wieder versuchen werden, sie irgendwo einzuordnen. Nimmt sich einer die Zeit mal ernsthaft drüber nachzudenken wird er schnell merken: so einfach ist es nicht! Durchaus Vergleiche sind in Ansätzen zu "Such a surge" zu ziehen, aber bleibt es auch hier bei einem Vergleich und kann die zitierte Eigenständigkeit nicht schmälern.
Häufig sind gerappte Passagen zu finden, aber auf der Suche nach einer guten, eingängigen Melodie wird man auch sehr schnell fündig. In den Refrains ist bei einigen Songs richtiger Hit-Charakter zu erkennen und ein Single Erfolg mit dem einen oder anderen Lied würde zumindest nicht überraschen. Im Vergleich zu vielen anderen deutschsprachigen Bands schaffen HERZER auch das vielleicht größte Wagnis bei dem Entschluss deutsche Texte zu verfassen, nämlich gute deutsche Texte zu verfassen. Nicht permanente Selbstbeweihräucherung a la HIP-HOP oder ständig noch extremere Perversionen wie eben bei der "Neuen deutschen Härte" werden hier feilgeboten, sondern Texte, die endlich mal einen gewissen Tiefgang und Identifikation bieten. Da werden Themen wie zerflossene Liebe (Seifenblasen) oder das Trauma eines Scheidungskindes (Findelkind) nicht plump und 100 % plakativ geschildert, sondern mit eigenen Worten. Klingt einfach, machen nur leider immer weniger Musiker!!! Das HERZER die sehr komplexe, von Beat-Programmierungen unterstütze Studio-Aufnahme auch live druckvoll und ansprechend umsetzen liegt unter anderem daran, dass die Samples auch live, von ihrem Schlagzeuger gesteuert, gespielt werden. Damit umgehen sie das Manko anderer Bands, die zwar hammermäßige Alben einspielen, aber live auf sämtliche Einspielungen verzichten und daher nur noch halb so fett klingen. Vom "insgesamten Sound" her sind HERZER aber definitiv live noch eine Spur härter und aggressiver, was leider manchmal die Hoffnung durchkeimen lässt, dass diese Aggressivität der Platte an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig besser getan hätte. Sehen wir es positiv: Eine Band, die ihre wahrlich gute Platte live noch steigern kann.
Dies zeigten sie auch bei ihrem Gig am 24.09.2001 im Prime Club in Köln. Als Support von "Pain in the ass" (Side Projekt von "Such an surge") konnten sie zeigen, dass sie auch Publikum beim ersten Hören mitreißen können. Nach anfänglichem Zögern füllte sich der Raum vor der Bühne schnell mit Leuten. Dies liegt nicht nur an dem Sound, sondern daran, dass HERZER auf der Bühne eine ziemlich homogene Einheit bilden, bei der man merkt, dass die Konstellation passt und sie Spaß haben. Zwar erinnern die Bewegungsabläufe phasenweise wieder sehr an diejenigen, die gerade "Korn" bei ihren Live-Shows entwickelt haben, aber das bringt die Musik halt auch mit sich. Alles in allem eine Band, von der man noch einiges erwarten darf, die man sich ungehört auf Platte kaufen und live ansehen sollte. Auszüge aus dem Interview mit HERZER hier zum reinhören: Frage 1: Im Verhältnis zu eurer EP 6 klingt das Album "Glass"
reifer und ausgefeilter! Wie kam es zu dieser schnellen Entwicklung? Frage 2: Wie entstehen die sehr persönlichen und schonungslosen
Texte, die ja eher düster und nachdenklich klingen? Frage 3: Auf eurer ersten Single "Monochrom" habt ihr ja mit Dero
von Oomph zusammengearbeitet. Wie kam es dazu? Frage 4: Wie geht ihr mit Kritik um, die ja mit steigender Popularität
nicht immer nur positiv ist? Frage 5: Wie war die Arbeit zu eurem ersten Musikvideo zu "Monochrom"?
Frage 6: Wie empfindet ihr die Erfahrung auf Tour zu sein? Frage 7: Wie geht es weiter mit Herzer? Weitere Infos unter: |
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