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Da Interview mit Kutlu Yurtseven, Rapper von der "Microphone Mafia" |
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von Markus Gärtner
Kutlu Yurtseven: Es hat 1984 angefangen. Wir haben erst gebreakt und später Hip Hop Partys auf dem Marktplatz in Flittard veranstaltet, aber nur so bis 22h. Ich hab´ Texte von LL Cool J gerappt und mit Signore Rossi zusammen 1989 dann die Band gegründet. SpiriTV: Wie ging ´s weiter? Kutlu Yurtseven:
Wir haben erst versucht auf Englisch zu rappen, aber Signore Rossi konnte kein Englisch und hat ´s dann auf italienisch gemacht. Dann meinte ich okay, dann mach ich ´s auf türkisch. Also hatten wir deutsch, englisch, türkisch und italienisch. Die Sache mit der Mehrsprachigkeit ist eher aus der Not entstanden. Irgendwelche Fernsehleute und Pädagogen, mit denen wir was gemacht hatten, haben das dann instrumentalisiert, und wir haben uns dann etwas verleiten lassen auf dieses Exotentum. Wir haben bei Sony gesignt und hatten einen Clip laufen für die RTL- Kampagne "Medien gegen Rassismus", der in jedem europäischen Land lief und haben mitgemacht bei dem "Hand in Hand" Sampler auch gegen Rassismus. Irgendwann wurde man nicht mehr an seiner Musik gemessen, sondern nur an diesem Multi Kulti Aspekt.
SpiriTV: Wie siehst Du die Entwicklung im deutschen Hip Hop? Gibt es inzwischen nur noch Kommerzvorwürfe? Kutlu Yurtseven: Jeder will mit seinem Hobby Geld verdienen. Das ist bei den Fußballern in der Bundesliga genauso. Breakdancer haben jahrelang dafür trainiert, bis es sich irgendwie auszahlt. Nur ist es mittlerweile so, dass jeder, der ein Mikrofon halten kann, ein Album herausbringt und darunter die Qualität leidet. Die ausländischen Immigranten haben Hip Hop hochgehalten. Inzwischen ist Hip Hop aus dem Proletariat in die Mittelschicht gewandert. Im Moment gibt es auch zu viele Battle Raps. Es ist modern, Minderheiten zu dezimieren oder über die Mutter des anderen herzuziehen ... SpiriTV: Wie kam es zu der Kooperation mit "Rhein Energy Cologne" ? (siehe unten) Kutlu Yurtseven: Wir haben für unseren Kölner Track lokale Aushängeschilder gesucht und kannten die Jungs schon von den Spielen, wo wir ein paar Mal vorher aufgetreten sind. Es war alles sehr locker.
SpiriTV: Das neue Album hat ein ziemlich cooles Cover ... Kutlu Yurtseven: Das Bild kommt von einem texanischen Häftling, der auf Stofftaschentücher Tattoos gemalt hat. Ein New Yorker Galerist hat das dann ausgestellt. Es drückt in einem Bild aus, worum es uns geht: Respekt und Leidenschaft ohne die ganze Gangsterscheisse. SpiriTV: Wie ist der Kontakt zu anderen Kölner Rappern ? Kutlu Yurtseven: Ich habe mit Tatwaffe (Die Firma) zusammen studiert, und wir haben auch sonst viele Features, auf dem neuen Album z.B. von Chicken George. SpiriTV: Wie stehst du zu anderen deutschen Rappern, wie z.B. KKS?
Kutlu Yurtseven: Ich finde Savas als Rapper gut, auch wenn er manchmal mit den Inhalten übertreibt, aber ich bin gespannt auf ´s Album. Sammy Deluxe ist auch ein guter MC, aber er ist sich seiner Vorbildfunktion nicht ganz bewusst. Zum Beispiel war es scheiße, als er sich bei VIVA vor laufender Kamera einen Joint gedreht hat. Afrob und Spezializtz sind supercool und auch Torch, der wie wir eher messageorientiert ist. SpiriTV: Ihr seid auf Tour im Moment, wie ist das Feedback ? Kutlu Yurtseven: Sehr cool. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Städten. In Schwäbisch Hall war es voll, während man in Hamburg natürlich grosse Events gewohnt ist. Da ist das alles schon etwas abgenutzt. SpiriTV: Du hast dich mal negativ über den aktuellen Comedytrend geäußert. Kutlu Yurtseven: Ja, solche Leute wie Mundstuhl oder auch Erkan und Stefan, die mit dieser Art des falschen Deutsch die Leute verarschen. Bei Kaya Yanar ist das eher Vergangenheitsbewältigung, er ist ja auch Türke. In der Medienlandschaft wird oft nur noch auf Teufel komm raus provoziert. Wo das enden kann, hat man bei Stefan Raab und Moses Pelham gesehen. Hip Hop mal beiseite, als erstes zählt immer der Mensch. SpiriTV: Du bist auch im sozialen Bereich aktiv.
Kutlu Yurtseven: Wir appellieren an die Kids, in ihrer Freizeit was Positives zu machen. Ich habe die offene Jazzhausschule bei der Mache eines Hip Hop Musicals mit Jugendlichen unterstützt, und wir gehen auch an die Schulen und reden über Emigrationskultur in Verbindung mit Hip Hop. Schon witzig, wenn samstags um acht Uhr an der Schule die Kinder stehen und warten, während sie in der Woche schwänzen. Die Kinder fühlen sich unverstanden und von den Lehrern nicht respektiert, und dabei geht es genau darum: Akzeptanz und Respekt. SpiriTV: An der Uni wird gestreikt, wie siehst du die Sache mit den Studiengebühren? Kutlu Yurtseven: Ich finde es cool, dass gestreikt wird, aber ich denke es wird nichts bringen. Es herrscht so eine latente Gleichgültigkeit. Die Leute setzten andere Prioritäten als früher, und es fehlt auch an Zusammengehörigkeitsgefühl. Alles wird zum Wohlstandsgegenstand, und es gibt Leute, die wirklich sehr hart arbeiten müssen. Ich bekomme kein BAFÖG und habe früher auch als Concierge und Koch im Hotel gearbeitet. SpiriTV: Wie geht ´s in Zukunft weiter ? Kutlu Yurtseven: Die Arbeit mit unserem Label, Al Dente Recordz, läuft weiter. Im Oktober kommen die Alben von Profilistix auf deutsch und Strassenkinder, die Rap, Ragga und Soul mischen. Aber irgendwann ist es vorbei. Drei bis vier Jahre gebe ich mir noch auf der Bühne.
SpiriTV: Hast Du ein paar Tipps für junge Rapper ? Kutlu Yurtseven:
Spaß an der Sache und eine dicke Haut haben.
Das Interview führte Raptalent Markus Gärtner |
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