Wüstenrock gegen Bush
 

von Michael Vaupel

Desert + Fortune
Desert + Fortune

Da ich zurzeit in Namibia bin, habe ich beschlossen, mir das neue Album von "Desert + Fortune" in der Namib-Wüste anzuhören, passend zum Bandnamen. In der Hoffnung, dass dieses Album mit dem Titel "Truth wins out" soliden Wüstenrock à là Queens of the Stone Age (ehemals Kyuss) bieten würde, denn die gehören zu meinen persönlichen Favoriten.

Hat sich meine Hoffnung erfüllt?

Schwer zu sagen, denn die Jungs von Desert + Fortune lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Sie sind irgendwie…anders. Ich weiß, von einem Rezensenten sollte man ein Worte wie "anders" nicht hören, aber hier fiel mir erstmal keine Alternative ein, die passte. Nach dem ersten Hören wusste ich einfach nicht, wie ich die CD einordnen sollte.

Der Opener "Damaskus" passt zu 100% in die Kategorie Wüstenrock: Schleppende Gitarren, psychedelischer Stimmungsaufbau, Doom-mäßig, eingängige Melodie. Sehr ordentlich. Etwas enttäuscht war ich, als ich gemerkt habe, dass es sich hier um eine Cover-Version handelt.

Ganz anders dann aber direkt der zweite Song "Black Nation". Hier ist der Refrain "Enter the night for a gothic celebration" recht passend: Man fühlt sich eher an die frühen "Fields of the Nephilim" oder auch an "The Cure" erinnert. Angenehmer Gothic-Rock, in Mid- bis Up-Tempo.

Kaum habe ich mich darauf eingestellt, da gibt es mit "Zombified" stilmäßig einen Mix zwischen den beiden ersten Liedern. Das folgende, etwas enttäuschende "White Light" schaltet dann einen Gang zurück und landet wieder in der Kategorie Wüstenrock.

Desert + Fortune
Megaherz

Der nächste Song? Eine komplette Überraschung, nämlich eine Zusammenstellung von Sprachsamples aus Reden von George W. Bush und Donald Rumsfeld. Das erinnert an die leider viel zu wenig bekannten "Flügschädel", die in so gut wie jedem Ihrer Songs mit solchen Collagen arbeiten. Diese Sprachfetzen werden von Desert + Fortune in einer bedrückenden Atmosphäre rübergebracht - umso überraschender dann das folgende frisch fröhliche klingende "Welcome to the War". Es wird deutlich, dass sich die Band damit gegen die Irak-Politik der Bush-Administration stellt.

Mein Fazit: "Gut minus".

Der Longplayer ist keineswegs eingängig - nach dem ersten Hören wusste ich nicht, was ich davon halten sollte. Nach dem zweiten und dritten Hören tendierte meine Ansicht dann zu "gefällt mir". Handwerklich auf jeden Fall solide, und die Melodien sind zwar nicht immer eingängig, aber überzeugen. Nachteil ist allerdings, dass einen - je nach persönlicher Stimmung - einmal mehr die eher schleppenden Stücke à là "Doom/Wüstenrock" und einmal mehr die meist schnelleren Gothic Rock-Songs ansprechen. Da es deshalb zu gewissen Brüchen kommt, trübt dies ein wenig die Hörfreude. Dennoch: Ein nicht nur in der Namib-Wüste hörenswertes Album!

Trackliste:
1. Damaskus
2. Black Nation
3. Zombified
4. White Light
5. Interlude
6. Welcome to the War
7. Bleed
8. Lovesong
9. Desparation
10. Kiss me
11. Promised Land
12. Awakening

Gesamtspielzeit: ca. 49 Minuten

 

 

 


 
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