Konzertbericht: New Model Army in Köln – Palladium 21.12.02

 

von Karsten Wiedemann

Ja ja, New Model Army. Bei dem Namen schwingt doch immer die Erinnerung an Zeltlager, Schwoof im örtlichen Kulturzentrum oder WDR-Rocknacht mit. Fünfzehnjährig, lange Haare, die Docks an den Füßen und dann auf sie mit Gebrüll, beim Pogo will ja keiner der letzte sein (frei nach dem Motto: Here comes the war).

So oder ähnlich spielte sich sicherlich die Sozialisation von vielen Altersgenossen in den neunziger (oder auch achtziger) Jahren ab. Der Autor dieser Zeilen konnte sich dieser Entwicklung jedenfalls nicht entziehen. Irgendwann werden die Docks dann allerdings in den Schrank gestellt, und das Jugendzentrum ist auch nicht mehr so angesagt, weil es ja schon um 01.00 Uhr schließt. Und New Model Army? Vielleicht von House, Techno oder Hip Hop verdrängt.

Plötzlich aber, Jahre später, da kommt alles wieder zurück: New Model Army spielen in Köln. „Was, die gibt es immer noch?“ Also, schnell die alten Platten raus, das T-Shirt (so fern es noch passt) an und auf zur Reise in die Vergangenheit.

Im Palladium warteten an jenem Abend eine Menge Gleichgesinnter auf die Helden ihrer Frühzeit. Vorher gab es allerdings noch eine harte Prüfung in Gestalt der grauenvollen Vorband 4Lyn, die außer dem Versuch Manowar den Ruf als lauteste Band streitig zu machen, nicht viel leistete. Zum Glück gibt es ja Ohropax, eine kleine Konzession an das Alter.

Tja, und dann kamen New Model Army auf die Bühne und los ging’s: Hüpfen, springen, schwitzen und mitsingen: „We are the 51st state of America.“ Vereinzelt tauchte sogar wieder die gute alte Luftgitarre auf. Erstaunlich auch, dass die meisten im Saale immer noch jede Textzeile zu kennen schienen, da konnte sich Sänger Justin Sullivan auch mal ein Päuschen gönnen. Der Frontmann dieser sympathischen Armee besaß übrigens gemessen an seinem Alter und dem Zustand seiner Zähne immer noch eine Menge Power. Nur die langen Haare sind irgendwo verloren gegangen.

Was soll man noch zu diesem gelungenen Abend sagen? NMA erfreuten ihre Fans damit, dass sie fast ihr gesamtes Repertoire zum besten gaben und erst nach drei Zugaben von der Bühne gingen. Kleine Abzüge in der B-Note gab es, weil die Geige nicht zum Einsatz kam und auch der Wunsch nach „Vagabounds“ unerhört blieb.
Ein Blick in die Runde zeigte im übrigen, dass New Model Army immer noch viele junge Fans haben. Laut der Einschätzung von Herrn Sullivan müssten sich wohl drei Generationen von Army-Fans im Publikum befunden haben. Manche hatten wohl schon einen Babysitter bestellen müssen.

So gingen wohl alle frohen Mutes nach Hause, vielleicht sogar mit dem Wunsch nach Wiederholung. Die kann es schon bald geben, denn es wird eine neu New Model Army Scheibe geben. Lohnt sich also gar nicht die Docks wieder in den Schrank zu stellen.

Info-Link : www.newmodelarmy.org

 

 

 
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