| Eine UN-verwechselbare Kritik- oder: Hat diese CD auch Bezüge zu United Nations? |
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von Jens Kaulen
Die Antwort auf die oben gestellte Frage lautet: Ja. Jedoch nicht im engeren Sinne. Aber bevor wir dazu kommen, fangen wir vorne an. Nach einer langen Tour, einer Anti-War-in-Iraq Single, einem Soundtrack, einer Musik-DVD und einem A-Capella Album ist April 2004 der neuesten Langspieler von Chumbawamba veröffentlicht worden. Müdigkeit kann man den acht Menschen aus Leeds daher nicht vorwerfen, und das, wo sie doch schon als alte Hasen im Geschäft gelten. Seit mehr als 20 Jahren produzieren sie mit schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre eine LP (UN ist ihr zwölftes Album), und auch die Formation hat sich in all den Jahren nur wenig verändert. Eine weitere Konstante ist ihre UN-typische Art, jedes Album neuen Regeln und Musikeinflüssen zu unterwerfen und so jedes Mal ein UN-Chumbawambamäßiges Album zu produzieren- eines, das mit dem vorherigen nur die poppigen Beats und die Chöre gemein hat. Dieses Jahr haben sich Chumbawamba vorgenommen, der World Music ihren Tribut zu zollen - und sich dabei dem Beatlessound anzunähern (es klingt nur scheinbar nach einem Widerspruch). Aus allen Teilen der Welt (siehe auch das Interview) haben sie sich Teile fürs Album zusammengesampelt, und diese finden in UN-befahrenen Melodien ihre Verwendung. Daher kann man durchaus behaupten, dass die Band etwas zur Völkerverständigung beiträgt - aber das ist nicht ihr einziges Anliegen. Unter anderem kriegen Kapitalismus, Krieg und Konsumverhalten in den Songtexten ihr Fett weg. Die Texte sind dabei bissig, aber erst verständlich, wenn man das informative Booklet studiert hat. Dieses bietet die verzwickten Hintergründe zu den Songs und es illustriert, wie genau die Chumbawambas das aktuelle Zeitgeschehen beobachten. Als Beispiel sollen hier die Lyrics aus „We don’t want to sing along“ dienen, in denen es um Konformismus und Ausgrenzung geht - Hintergrund ist dabei das Massaker von Columbine. Im Booklet kommen die Mörder mit einem Abschiedsbrief zu Wort, der besagt, dass sie die Hänselei der Mitschüler nicht länger ertragen konnten - und für Toleranz plädierten. Die Botschaft dieses Songs ist eindeutig und parteiergreifend, aber stellt auch eine weitgehend UN-bekannte und UN-beachtete Perspektive der Tragödie dar. Trotz all dieses Zynismus gibt es auch entspanntere Momente auf dem Album,
denn ihren Humor haben die Chumbas nicht verloren. Refrains wie „Remember
that someone is pissing in the wine“ grenzen zwar an Infantilität,
fordern aber auch, poptypisch, eher zum Mitsingen als zum Mitdenken auf.
Und so ist auch die Musik sehr massentauglich und doch etwas weniger klischeebehaftet
als beim letzten Album „Readymades“, wofür die kraftvollen
Sprechgesänge und die einfallsreich eingesetzten Samples Verantwortung
tragen. Die Melodie aus „On ebay“ hat Ohrwurmqualität,
und auch die anderen Songs sind handwerklich gut gemacht.
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