O sole mio – Einmal Neapel, immer wieder Neapel!

 

von Tanja Betzmeir

 

Fast 2000 Jahre ist es her, dass der Vesuv zum letzten Mal ausgebrochen ist und die Städte Pompei und Ercolano unter seinen Lavamassen begraben hat. Heute erblüht an seinem Fuße eine prächtige Metropole: Neapel. Eine Stadt voller Leben, weitgehend unberührt von Touristen. Im Gegensatz zu anderen italienischen Reisezielen wie Florenz und Rom hört man hier auf den Straßen kaum eine andere Sprache als Italienisch. Wer genug hat von japanischen Touristenhorden und prolligen Amerikanern, die meinen, mit Geld alles kaufen zu können, der ist hier an der richtigen Adresse.


Einen Tag sollte man auf alle Fälle dafür einplanen, die vielen typisch italienischen Straßen und Gassen zu durchstreifen, wo eine „Bar“ neben der nächsten liegt und überall Stockwerk über Stockwerk die tropfende Wäsche von den Balkonen hängt. Besonders schön ist z.B. die Via Tribunali, die auf den Dom zuführt. Geschäfte mit allen nur erdenklichen Waren, Marktstände mit Fisch (der hier zu den Hauptnahrungsmitteln zählt), Obst und Gemüse laden zum Bummeln und Schauen ein. Hier liegt außerdem die Pizzeria „Da Matteo“, wobei man Pizzeria nicht in unserem Sinne verstehen sollte: Die meisten Pizzas gehen hier zum Mitnehmen über die Theke des Straßenstandes. Wer sich gerne hinsetzen möchte, kann das trotzdem und zahlt auch nicht mehr dafür, allerdings gibt es eben wirklich nur Pizza und jeweils eine Sorte Weiß-, Rotwein, Bier und Wasser. Dafür kostet das Vergnügen nicht mehr als 5 € pro Nase und die Pizzas sind wirklich lecker! Wer sich hier sein Mittagessen kauft, ist übrigens in guter Gesellschaft. Angeblich hat sich sogar Bill Clinton bei einem Neapel-Besuch bei Matteo eine Take-away-Pizza gegönnt.


Einen Ausflug wert ist die Insel Capri, die im Golf von Neapel liegt und in 40 Minuten mit dem Schnellboot zu erreichen ist (leider nicht ganz billig, Kosten ca. 22 € pro Person hin und zurück). Wenn man sich mal vom Hafen in die Stadt Capri hochgeschleppt hat, wird man mit einer wunderbaren Aussicht belohnt und wird sein Leben lang vom herrlich blauen Meer rund um Capri träumen! Sehenswert ist auch die „Blaue Grotte“, in die man nach komplizierten Umsteigeaktionen zu Wasser mit der Gondel manövriert wird. Wenn man ganz viel Glück hat, ist der Gondoliere gut gelaunt und fängt in der Grotte an, „O sole mio“ zu schmettern.


Und natürlich darf ein Besuch in Pompei nicht fehlen. Mit der Circumvesuviana ist man in einer guten halben Stunde schon kurz vor dem Eingang. Drinnen kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie gut die Ruinen die lange Zeit unter der Erde überstanden haben und wie gut viele Wandmalereien, Mosaike und Gefäße noch erhalten sind. Noch ist längst nicht die ganze Stadt ausgegraben und dennoch kann man problemlos sechs bis sieben Stunden über die holprigen Straßen laufen, in denen noch die Fahrrinnen der alten römischen Kutschen und Streitwagen zu sehen sind. Die größte Attraktion ist das alte Bordell, wo erotische Malereien die Wände schmücken und ein Blick auf blanke Steinklötze vermuten lässt, dass der Bequemlichkeitsstandard in alten Zeit nicht besonders hoch war. Ein Tipp für Pompei: Unbedingt was zum Essen einpacken, weil es innerhalb der Stadtmauern nur eine einzige Möglichkeit gibt, teuer ein paar belegte Brote zu kaufen, und die ist gleich in der Nähe des Eingangs. Wenn man einmal im Amphitheater sitzt und den Magen grummeln hört, ist es zu spät!


Noch ein Wort zu den öffentlichen Verkehrsmitteln in Neapel: Neapel besitzt ein gut ausgebautes Netz von Bussen und U-Bahnen. Nur gibt es leider dafür keine Fahrpläne und herauszufinden, welcher Bus denn jetzt dahin fährt, wo man hinmöchte, ist alles andere als einfach. Wer wenigstens nicht für jedes Mal Verfahren ein neues Ticket kaufen möchte und sich außerdem noch für Museen interessiert, dem sei die art’e’card empfohlen. Die kostet für Leute zwischen 18 und 26 für drei Tage 18 €, man kann damit alle öffentlichen Verkehrsmittel umsonst benutzen und hat freien Eintritt in alle Einrichtungen, die sich an dem Projekt beteiligen, auf viele andere gibt es Rabatt. Zu kaufen gibt es sie am Hauptbahnhof an der Piazza Garibaldi, allerdings ist der Verkaufsstand etwas versteckt, da muss man sich durchfragen.


Bis hierher war eigentlich hauptsächlich von Ausflugszielen rund um Neapel die Rede, aber natürlich hat auch Neapel selbst eine Menge zu bieten, z.B. das Aquarium, den Palazzo Reale, das Castel Nuovo oder auch die Villa Fioridana auf dem Vomero. Für ein kleines Mittagessen empfiehlt sich die „Tavola Calda“ am Ende der Via Toledo oder, besonders schön, das Literatencafé „Intra Moenia“ auf der Piazza Bellini, wo man von den knatternden, stinkenden Motorinos, die das sonstige Straßenbild prägen, weitestgehend verschont bleibt. Vor allem für Italienischstudenten sind die vielen modernen Antiquariate in der ganzen Stadt eine gute Gelegenheit, sich billig mit Semesterliteratur zu versorgen. Für Neuerscheinungen und italienische und internationale CDs gibt es den riesigen „Feltrinelli“ an der Piazza dei Martiri. Dies nur mal als kleine Auswahl. Wer jetzt Lust bekommen hat, sich selbst im nächsten Urlaub in das chaotische Gewühle der neapolitanischen Straßen zu stürzen, sucht sich am besten unter den vielen Attraktionen die aus, die ihm am meisten zusagen. Und nur keine Angst: In Neapel ist für jeden was dabei!


 
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