Rot ist mein Name - ein Krimi von Orhan Pamuk

 

voller Saal bei der Lesung im KOMED

Begegnungen: Orhan Pamuk und Annemarie Schimmel im KOMED
oder: "was Buchmalerei über Ost und West lehrt"

von Özlem Aydogan

Es war ein kalter Dezemberabend, an dem die Lesung von Orhan Pamuk stattfinden sollte. Meine Freundinnen und ich trafen uns im wie immer überfüllten Cinedom und gingen dann ins Literatur-Haus im KOMED-Gebäude. Der Saal war schon voll und kurz nachdem wir uns auf die wenigen übrig gebliebenen Plätze gesetzt hatten, betraten auch schon Orhan Pamuk und Annemarie Schimmel den Raum. Pamuk hatte sich für den Abend die große Dame der deutschen Orientalistik gewünscht, die nach dem Krieg ihre erste Lehrtätigkeit in der Türkei verbracht hatte und gerne kam. Sie schreibt hauptsächlich über den Sufismus (mystische Frömmigkeit im Islam mit dem Ziel, die Kluft zwischen Mensch und Gott zu überwinden), der wohl tolerantesten Ausrichtung des Islams.
Orhan Pamuk und
Annemarie Schimmel

Pamuk und Schimmel gaben dann einen guten Einblick in den neuerschienenen Roman "Rot ist mein Name". Interessant war neben dem Buch auch das Publikum. Man sollte eigentlich meinen, dass ein Buch in dem es vordergründig um die islamisch Miniaturmalerei geht, nicht viel Publikum anlocken würde, aber das Gegenteil war der Fall. Mehr als dreihundert Zuhörer boten ein ganz gemischtes Bild: Deutsche, Türken, junge Leute, Ältere, Studenten, Schriftsteller, Lehrer. Das zeigte besonders deutlich, dass das Buch eben für jeden interessant ist und nicht nur für eine bestimmte kleine Zielgruppe.

Pamuk erklärte, dass es in dem Buch "Rot ist mein Name" auf den ersten Blick nur um den Mord an einem Miniaturmaler geht, der im Osmanischen Reich im Jahre 1591 lebt. Es beginnt damit, dass ein Toter in einem Brunnen zu sprechen anfängt und dem Leser erzählt, wie er umgebracht wurde. Aber nicht nur der Tote spricht, sondern in jedem Kapitel spricht eine andere Person und auch Dinge und Tiere, wie z.B. der Hund oder die Münze sprechen. Das ist eine besondere künstlerische Darstellungsform in der islamischen Welt und heißt "Sprache der Dinge". Auf den zweiten Blick jedoch sieht man, dass Pamuk verschiedene Verkleidungen gewählt hat, um sein Anliegen, das durchaus auch aktuelle Auseinandersetzungen zwischen Ost und West betrifft, den Lesern nahe zu bringen, so z.B. die Darstellung als historischen Roman, eines Krimis, einer Künstlernovelle und einer Liebesgeschichte.

Was für mich persönlich neu war, war, dass bei der osmanischen Miniaturmalerei nicht Originalität, Neuheit und Individualität zählt, sondern die möglichst genaue Nachahmung des klassischen Vorbilds, sowohl vom Thema her, als auch vom Stil. Es ist der göttliche Zustand, der gegeben ist und nicht verändert werden kann. Man lebt zeitlos in den Bildern. Und genau darin liegt der Konflikt, als der Sultan ein Bild in Auftrag gibt, dass nach dem westlichen Stil gemalt werden soll und die zeitlose Welt durcheinanderbringt.

Das Buch ist sehr verständlich und flüssig geschrieben, so dass man sich sehr schnell einliest.

Nach der Lesung habe ich noch das letzte Exemplar des Buches mit einer persönlichen Widmung ergattert und kann das Buch nur weiterempfehlen.

Das Buch ist im Hanser Verlag erschienen und ist überall im Handel für 58 DM erhältlich.

Orhan Pamuk
Pressestimmen:
"Ein Nebeneinander von Kriminalroman und Tausendundeinernacht, mystischer Abhandlung und Zeitungsglosse, James Joyce, Dante, Rilke, osmanischen Dichtern, Dostojewski, arabischen Philosophen, modernen türkischen Schriftstellern und ... und ... und ." (Neue Züricher Zeitung)

"ein wunderbares Stück Großstadtliteratur, eine Hommage an Istanbul, die ehemalige Hauptstadt des osmanischen Reiches und heutige Metropole eines Schwellenlandes am Schnittpunkt zwischen Europa und dem Nahen Osten, Geschichtsträchtigkeit und moderner Urbanität." (Neue Züricher Zeitung)

Über den Autor:
Orhan Pamuk, 50, studierte Architektur und Journalismus. Seine Romane (u.a. "Das schwarze Buch", 1995, "Das neue Leben" 1998) erhielten wichtige internationale Literaturpreise. Er wurde in Istanbul in eine recht wohlhabende Familie hineingeboren, die eine westliche Kulturanbindung förderte und ging auf verschiedene amerikanische Schulen. Mit 20 Jahren gab er seine Malerausbildung auf und sperrte sich 10 Jahre zu Hause bei seiner Mutter ein und las und schrieb. Mit 35 begann er die östliche und islamische Tradition zu erforschen. Schon vorher mit 30 gelang ihm der Durchbruch mit seinen erschienen Werken. Heute lebt Orhan Pamuk in Istanbul.

 
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