| Paradiesfrüchte reifen im Botanischen Garten Bonn |
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| von Lucia Schüz
Wenn wir in den Supermarkt gehen, haben wir die Auswahl zwischen einigen wenigen hochgezüchteten Tomatensorten. Sie sind besonders ertragreich, überaus transportfähig und halten sich oft wochenlang. rund und rot - so kennen wir sie meistens. Leider haben sie im Verlauf ihrer Weiterzüchtung auch geschmacklich immer mehr von ihrer ursprünglichen Vielfalt verloren. Im Nutzgarten der Bonner Botanischen Gärtens am Carl-Troll-Weg reifen etwa 80 auch weniger bekannte Sorten. Sie dokumentieren den ursprünglichen Reichtum unterschiedlichster Tomatensorten, die einst auch hierzulande kultiviert wurden. Hier sind Wildformen ebenso zu bewundern wie eine breite Palette an Farbvarianten von goldgelb über rötlich-gestreift bis schwärzlich. Ein großer Formenreichtum, der von kleinen kalebassenartigen Exemplaren bis zum faustgroßen "Coeur de Boeuf" reicht, bietet sich dem Auge des Betrachters. Auch innerhalb ihres typischen Tomatengeschmacks weisen die unterschiedlichen Sorten eine große Bandbreite an Varianten auf. Einige sind eher süßlich, andere eher säuerlich. Die Tomate gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und stammt aus Lateinamerika. Eine Vielzahl an Wildsorten wurde von den Einwohnern nach und nach für Menschen genießbar gemacht. Die Azteken nannten diese Frucht "tomatl" und kultivierten sie weiter. Die "Schwellfrucht" der Azteken hat einen weiten Weg nach Europa zurückgelegt. Im Zuge der Eroberungen wurde sie wegen ihrer aparten und ausgefallenen Blüten vorwiegend nach Italien und Frankreich importiert. Ihre Schönheit wurde mit so idyllischen Namen wie "Goldapfel" ("Pomo d'oro") oder "Liebesapfel" ("Pomme d'amour") gepriesen. Lange Zeit hielt man sie jedoch für ungenießbar und sogar giftig, daher konnte sie sich auch zunächst in Spanien nicht durchsetzen. Doch gibt es für Italien bereits für Anfang des 16. Jahrhunderts erste Belege für die Nutzung in der Küche. Einzug in die deutschen Gemüsegärten fand die Tomate erst Ende des 19. Jahrhunderts, ist heute jedoch aus unseren Gemüseregalen nicht mehr wegzudenken. Allergrößter Beliebtheit erfreuen sich auch der Tomatensaft und das Ketchup, dem mehr noch als den rohen Früchten ein immer wichtigerer gesundheitlicher Nutzeffekt zugeschrieben wird. Heute schätzt man, daß weltweit über 10.000 Sorten angebaut werden. Zu den zahlreichen Überraschungen für Augen und Gaumen am kommenden Wochenende will auch das Slowfood-Convivium Bonn beitragen, das am Samstag ab 12.00 Uhr Kostproben aus Tomaten anbietet. Sie wurden von den Mitgliedern am heimischen Herd gekocht und gebacken - die Rezepte gibt's selbstverständlich gratis dazu. Weiterhin werden unter anderem der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt wie der Verein Dreschflegel am Wochenende im Nutzgarten vertreten sein. Bei ihnen kann man biologisches Saatgut bzw. Samen von aussterbenden Sorten erwerben. Auch werden kühle Getränke angeboten werden, so dass bei diesen sommerlichen Temperaturen niemand dürsten muß.
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