| Wetlnichtrauchertag Resümee 2005 | |
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von Tanja Betzmeier
Während meines Auslandssemesters in Italien wurde ich Zeuge einer krassen Zäsur im italienischen Alltagsleben: Pünktlich zum 1.1.2005 trat ein neues Gesetz in Kraft, dass das Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen untersagt. Als ich nach den Weihnachtsferien nach Sizilien zurückkehrte, war zumindest abends in Kneipen und Bars nichts mehr wie vorher. Bei eisigen Temperaturen drängten sich Scharen von Rauchern vor den Türen der Vergnügungsorte, um ihrer Sucht nachzugeben. Drinnen herrschte oft gähnende Leere. Die paar Nichtraucher, die sich wegen der Kälte nicht dazu überwinden konnten, ebenfalls auf die Straße überzusiedeln, saßen auf unbestimmte Zeit verlassenen Stühlen gegenüber. Mit der Zeit sank aber die Zahl derer, die bereit waren, für ihre Gemütlichkeitsfluppe das Risiko einer Erkältung auf sich zu nehmen. Die Innenräume füllten sich wieder, die Zigaretten hingegen waren verschwunden. Erstaunlich war vor allem die breite Akzeptanz der neuen Regelung. Mit der Androhung von empfindlichen Bugeldern und der Verpflichtung der Wirte, sich an der flächendeckenden Kontrolle zu beteiligen, ist es der italienischen Regierung gelungen, von einem Tag auf den anderen das Markenzeichen italienischer Bars, die undurchdringlichen Rauchwolken, zu beseitigen. Die Gesundheit bedankt sich. Denn wer außer in den eigenen vier Wänden kaum noch mehr irgendwo ungestört rauchen kann, raucht auch weniger, einfach weil ihm die Gelegenheit dazu fehlt. Rauchern wie Nichtrauchern ist hiermit gleichermaßen geholfen. In Irland und Norwegen ist Rauchen in der Öffentlichkeit schon seit längerem verboten. Die zwielichtigen irischen Pubs sind nun zumindest vom Rauch befreit und in Dublins Restaurants, so hört man, kann man den Irish Stew jetzt ohne Nikotingehalt genießen. Schweden schließt sich dem guten Beispiel an und verbannt ab dem 1.6.2005 die Zigarette aus dem Nachtleben. Egal, ob Bar, Disco, Cafè oder Restaurant – das mondäne Ziehen und Ringeblasen ist tabu. Es steht den Ladeninhabern zwar offen, spezielle separate Raucherräumlichkeiten anzubieten, diese müssen aber rauchdicht gegen den übrigen Raum abgesichert sein. Außerdem ist es untersagt, dort alkoholische Getränke und Speisen anzubieten, was den Aufenthalt äußerst ungemütlich machen dürfte. Auch in Schweden blieb der erwartete Protest im Vorfeld bisher aus. Im Gegenteil: Eine Umfrage ergab, dass für 98% der Befragten ein Rauchverbot keinen Einfluss auf die Häufigkeit ihrer Nutzung gastronomischer Angebote nehmen würde. Spanien, Portugal, England,Schottland, Lettland und die Beneluxstaaten werden nach den einhellig positiven Erfahrungen der Vorreiterländer im Laufe der nächsten Jahre folgen und ebenfalls Gesetze zum Schutze der Nichtraucher in der Öffentlichkeit in Kraft setzen. In Deutschland hingegen macht sich die Regierung seit Jahren mit stetigen Tabaksteuererhöhungen, die angeblich zum Wohle der Konsumenten erfolgen, unglaubwürdig. Zigaretten sollen unerschwinglich und damit unattraktiv werden. Kinder und Jugendliche, die nicht über allzu viel Geld verfügen, könnten so vor dem Einstieg in die Nikotinsucht bewahrt werden, so die Meinung der Regierung. Einkommensschwache Erwachsene sollen beim Kauf einer Schachtel Glimmstängel zweimal nachdenken, ob sie nicht nur ihrer Gesundheit, sondern auch ihrem Geldbeutel gegenüber diese Ausgabe verantworten können. Nebenbei wird dem Staat eine nette Steuereinnahmemöglichkeit eröffnet, die, ganz uneigennützig natürlich, mehr und mehr Geld in Eichels leere Kassen spült. Das Konzept ist nur teilweise aufgegangen. Verschiedene Probleme, mit denen die Politiker nicht gerechnet hatten oder nicht rechnen wollten, führen die Tabaksteuererhöhung ad absurdum. Denn die Steuereinnahmen aus Zigaretten sinken. Zum Einen, so wollen uns jedenfalls Statistiken glauben machen, wird wirklich weniger geraucht, je höher die Zigaretten besteuert werden. Zum anderen, und das ist wohl der Hauptgrund für den Rückgang der Steuereinnahmen, umgehen immer mehr eingefleischte Raucher die Steuern nun ganz, indem sie sich im großen Stil in Osteuropa eindecken. Ob Polen, Tschechien oder Rumänien – dort ist die Schachtel Zigaretten schon ab 80 Cent zu haben. Der bundesweite Durchschnitt an Schwarzmarktzigaretten liegt mittlerweile bei geschätzten 10 Prozent, im Grenzland bei 75 Prozent. Das alles ist den Etat-Verantwortlichen natürlich gar nicht recht, denn das Geld ist fest eingeplant – für die Bundeszuschüsse der versicherungsfremden Leistungen der Krankenkassen. Und die wollen auf dieses zugesicherte Geld partout nicht verzichten. Ein klassisches Eigentor! Die Einführung eines Gesetzes ähnlich dem in Italien und Irland hingegen wird in Deutschland noch lange auf sich warten lassen. Wer schlachtet schon die Kuh, die er melkt? Nur dass die Kuh in diesem Fall keine Milch gibt, sondern bestenfalls Wasser... Auch mit Rücksicht auf unser überlastetes Gesundheitssystem wäre es allerdings mehr als ratsam, einen prüfenden Blick auf die erfolgreichen Rauchverbotsmodelle anderer Staaten zu werfen und so von deren Erfahrung zu lernen. Das Geld, das jetzt über die Tabaksteuer für die Gesundheitsprävention erwirtschaftet werden soll und doch nicht im erwünschten Ausmaß in die Kassen kommt, könnte so an anderer Stelle einfach eingespart werden. Die zu füllenden Löcher, die von den Folgen des Nikotinkonsums verursacht werden, würden gar nicht erst entstehen. Deutschland ein rauchfreier öffentlicher Raum – eine Utopie? Wenn die Regierung auch weiterhin stur auf ihrem Kurs bleibt, auf alle Fälle...
Weitere Infos unter www.sweden.gov.se
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