Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch
 

von Tanja Betzmeir

 

Der Internationale Kalender ist eine Sammlung von Gedenktagen vielfältiger Art, zusammengestellt von den unterschiedlichsten Organisationen, Ländern und Gruppierungen. Er dient dazu, auf Missstände aufmerksam zu machen, die im Alltag oft zu wenig Beachtung finden oder ganz ausgeblendet werden. An einem festgelegten Tag im Jahr sollen die definierten Probleme im Mittelpunkt stehen und Anlass zur Diskussion geben. Der Weltkindertag gehört ebenso dazu wie der Weltgesundheitstag und der Weltnichtrauchertag. Am 26.6. wird der von der UNO ins Leben gerufene Internationale Tag gegen Drogenmissbrauch begangen. Zurecht, denn dieses Thema lohnt es anzusprechen. 1385 Todesfälle durch illegale Drogen verzeichnete die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marion Caspers-Merk im Jahr 2004. Die legalen Drogen fordern freilich weit mehr Opfer: Geschätzte 110 000 tabakbedingte und 42 000 alkoholbedingte Todesfälle pro Jahr ergeben eine Bilanz, die zu denken geben sollte.

Viele betrachten Drogenmissbrauch als ein Problem sozialer Randgruppen, weit entfernt vom eigenen Leben; ein Problem, das sie nicht betrifft. Doch Drogenmissbrauch betreiben nicht nur die Heroinabhängigen, die sich um die Bahnhöfe sammeln, und die Alkoholiker vor vielen Kirchen, die schon morgens um zehn eine Bierfahne vor sich hertragen. Drogenmissbrauch findet sich in allen Schichten, Einkommensklassen und Berufsgruppen und in fast jeder Altersstufe. Ob es nun legale oder illegale Drogen sind, spielt dabei nicht unbedingt eine Rolle. Auch Nikotin und Alkohol werden "missbraucht" und bewusst im Übermaß konsumiert. Die Grenze zwischen moderatem Genuss und sinnlosem Rausch ist oft nicht klar zu ziehen. Im Drogen- und Suchtbericht für das Jahr 2004, herausgegeben von (der) Marion Caspers-Merk im Namen der Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung, sind die aktuellen Tendenzen im Drogenkonsum und geplante Präventionsmaßnahmen zusammengefasst.

Besonders unter Jugendlichen, so wurde festgestellt, ist der Konsum vor allem legaler Rauschmittel ein ernstzunehmendes Problem. Das Durchschnittsalter des ersten Alkoholrausches liegt bei 15,5 Jahren. In der Altersgruppe zwischen 16 und 19 Jahren sind die meisten regelmäßigen Trinker zu finden. Außerdem wird hier am häufigsten das sogenannte "binge-drinking" praktiziert, bewusstes Trinken bis zum Vollrausch. Auch der Anteil der Raucher unter den 12- bis 25-Jährigen beträgt trotz eines Rückganges im Vergleich zum Vorjahr immer noch satte 35 %. Ursache hierfür wie auch für übermäßigen Alkoholgenuss ist keinesfalls mangelndes Wissen um die gesundheitsschädlichen Wirkungen, sondern der starke Einfluss von Peer Groups.

Immerhin 32% der 12- bis 25-Jährigen haben sogar schon illegale Drogen konsumiert, die meisten davon Cannabis, weniger (8%) auch Ecstasy, Kokain oder LSD. Dabei ist ein natürlicher Zusammenhang zwischen dem Konsum legaler und illegaler Drogen festzustellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche Kontakt mit illegalen Drogen suchen, ist größer, wenn sie vorher bereits Umgang mit legalen Drogen hatten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) will nun mit der Kampagne "Kinder stark machen" verstärkt auf diese Probleme hinweisen und versucht, vor allem in Sportvereinen über geschultes Trainings- und Betreuungspersonal Kinder für die Konfrontation mit Drogen fit zu machen. Ziel ist die Stärkung des Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins und eine Verbesserung der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Auch andere Aktionen wie der Mitmachparcours "KlarSicht" und die Mobilausstellung "Sehnsucht" oder die Kampagne "Bist Du stärker als Alkohol?" sollen Jugendlichen die Kraft geben, sich dem Einfluss der Peer Groups zu entziehen und "Nein" zu Drogen jeglicher Art zu sagen.

Ob die ambitionierten Projekte ihre Wirkung zeigen, wird sich erst im Laufe der nächsten Jahre herausstellen. Fest steht, dass derartige Modelle, die bereits in der frühen Kindheit intervenieren, sinnvoller sind, als eine stetige Anhebung der Tabaksteuer, die bereits abhängige Raucher wieder auf den richtigen Weg bringen soll. Drogen, egal welche und egal wie lange man sie nimmt, stellen eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit dar. Spätfolgen sind anfangs oft gar nicht abzusehen. Deshalb: Lieber gleich ganz die Finger davon lassen! Der Internationale Tag gegen Drogenmissbrauch wäre ein gutes symbolisches Datum dafür.

Der Drogen- und Suchtbericht zum Download unter: www.bmgs.bund.de/deu/gra/publikationen/p_9.php

 

 

 


 
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