| Rechtschreibreform | ||
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von Tanja Betzmair
Kurz vor dem endgültigen Inkrafttreten der umstrittenen Reform zum 1.August 2005 scheint auch ihren Machern die Absurdität einiger Teilbereiche bewusst geworden zu sein. Statt alles für alle einfacher und eingängiger zu machen, ist vieles für viele schwerer und unverständlicher geworden. Von allen Seiten hagelt es Kritik. Niemand ist zufrieden. Führende Vertreter der deutschen Presse, so die FAZ, der Spiegel und alle Zeitschriften des Springer-Verlags, haben sich bereits angewidert von dem ewigen Hin und Her der Reformgegner und –befürworter abgewandt und sind wieder zum altbewährten zurückgekehrt, ohne sich um die bald verbindlichen Neuregelungen zu scheren. Denkbar schlechte Voraussetzungen für die neuen Formen und Regeln. Also: Was tun, wenn’s brennt? Der Rat der deutschen Rechtschreibung unter Dr. hc. Zehetmair versucht nun, in einer Schnellschussaktion zu retten, was zu retten ist. Besonders die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Zeichensetzung und die Trennung am Zeilenende sollen noch einmal unter die Lupe genommen werden, auf dass sich das Chaos lichte. Bis Anfang Juni sollten die ersten änderungsvorschläge ausgearbeitet sein. Um den geregelten Gang der Dinge zu gewährleisten, sprich: nach Beschlussfassung im Rat und öffentlicher Anhörung von Verbänden, ist eine Umsetzung dieser neuen Vorschriften auch nach dem Stichtag 1. August möglich, insofern sie die Belange der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Von Rücksichtnahme allerdings kann schon jetzt keine Rede mehr sein. Die Schüler, die nächstes Jahr unter noch weiter verschärften Bedingungen zum Abitur antreten, lernten drei Jahre lang, dass die Schiffahrt auf dem Rhein aus wohl ästhetischen Gründen auf ihr drittes f verzichtet und dass der Phantasie hinsichtlich ihrer Schreibweise etymologische Grenzen gesetzt sind. Ab der vierten Klasse waren diese Grundlagen plötzlich nichts mehr wert. Die Schifffahrt piekte jetzt wie die Brennnessel in der Mitte mit sperrigen Dreifach-Konsonantenanhäufungen und ob die Fantasie nun mit "f" mit einem durchgeht oder mit "ph", blieb ebendieser des Autors überlassen. Zwar, so der Trost für alle, die ihren Abschluss vor der verbindlichen Einführung ablegen konnten, war die alte Rechtschreibung noch nicht ungültig. Allerdings war sie trotzdem in der Korrektur rot als veraltet zu kennzeichnen, auch wenn dies nicht in die Bewertung eingehen sollte. Ein frustrierender Anblick für alle, die in der alten Rechtschreibung einen halbwegs sicheren Stand gefunden hatten. Keine einschneidende Veränderung ergab sich jedoch für diejenigen, die schon vorher mit der Orthographie auf Kriegsfuß standen.
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