TV-Duelle in Deutschland
 

von Tanja Betzmeir

 

TV Duell : Merkel - Schröder ?
TV Duell : Merkel - Schröder ?

42 Jahre nach den ersten Streitgesprächen zwischen Präsidentschaftskandidaten im US-Fernsehen standen sich auch im deutschen Fernsehen zum ersten Mal die beiden Kandidaten für die Bundeskanzlerwahl gegenüber. Vor der Wahl 2002 boten sich Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) in zwei Duellen Paroli und versuchten, das Fernsehpublikum auf ihre Seite zu ziehen. Jeweils 14 Millionen Zuschauer verfolgten den Schlagabtausch der beiden Politiker am Bildschirm. Dabei trat Stoiber im ersten Duell, gestärkt durch ein Rhetoriktraining, im Vergleich zu dem etwas kraftlos und zermürbt wirkenden Schröder überraschend souverän auf. Jedoch unterlief ihm ein schwerwiegender argumentativer Fehler: Die entschiedene Zusicherung, jederzeit deutsche Soldaten in den Irak schicken zu wollen, stieß in der Bevölkerung auf erbitterten Widerstand. Zeitungen starteten regelrechte Hetzkampagnen gegen Stoibers äußerungen, so dass dieser sich im zweiten Aufeinandertreffen dazu gezwungen sah, seine Aussagen bezüglich des Irakkrieges zu revidieren. Schröder hingegen, der durch die öffentliche Diskussion inzwischen wieder die Oberhand über seinen Konkurrenten gewonnen hatte, gelang es, in der zweiten Runde ein selbstsichereres Bild von seiner Person zu vermitteln und seine Standpunkte mit der angebrachten Vehemenz zu vertreten.

Drei Jahre später, ein Jahr früher als geplant, ist es nun wieder so weit. Obwohl noch ohne lange Tradition, scheinen Sender und Publikum die Konfrontationen im Fernsehen nun schon als obligatorisches Element des Wahlkampfes vorauszusetzen. Die Sender argumentieren mit den hohen Einschaltquoten, die ihrer Meinung nach auch Einfluss auf die Wahlbeteiligung nehmen könnten. Das Publikum freut sich auf einen spannenden „Infotainment“-Abend. Umfragen zufolge wünschen sich 58 Prozent der Befragten mindestens zwei TV-Duelle. Auch Gerhard Schröder scheint von der Idee angetan, sich möglichst oft zusammen mit seiner Konkurrentin Angela Merkel den Fernsehkameras zu präsentieren. Schließlich hat er als Person im Gegensatz zu seiner Partei immer noch viele Sympathien auf seiner Seite. Wie schon im letzten Wahlkampf stehe er für zwei Duelle zur Verfügung, so der amtierende Bundeskanzler.
Einzig Angela Merkel macht den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Ihr Zeitplan im kurzen Wahlkampf sei sehr knapp bemessen, so ließen ihre Sprecher verlauten. Daher könne sie höchstens Zeit für ein Duell erübrigen. Andere Formen des Wahlkampfes im Fernsehen schließe sie dabei aber nicht aus. So sind zum Beispiel Talkshows im Gespräch, in denen Merkel dem jeweiligen Moderator Rede und Antwort stehen will. Nur die direkte Konfrontation mit ihrem Widersacher, so scheint es, ist dem ersten weiblichen Anwärter auf den Kanzler-Posten unangenehm. Kein Wunder, ist Merkel doch dafür bekannt, sich unter Stress häufig zu versprechen und damit trotz starker Argumente eher unsouverän zu wirken. Schröder hingegen sammelt Sympathiepunkte durch seine Jovialität und frei gehaltene Reden im beinahe umgangssprachlichen Ton. Schlechte Karten also für die Powerfrau aus dem Osten.

Inzwischen haben sich Vertreter von Regierung, Union und Fernsehsendern auf den Termin des einzigen, ultimativen TV-Duells geeinigt. Am 4.September um 20.30 werden ARD, ZDF, RTL und SAT 1 das 90-minütige Streitgespräch zwischen Kanzler und Herausforderin übertragen. Moderiert wird das Medienspektakel von Sabine Christiansen, Maybritt Illner, Peter Kloeppel und Thomas Kausch.
Im Unterschied zur ersten Auflage 2002 wird die Debatte in einigermaßen ungezwungener Form stattfinden. Das strenge Zeit-Reglement mit festgelegter Minutenzahl pro Antwort wird aufgehoben. Stattdessen soll das Gespräch so lebendig und spontan wie möglich ablaufen. Dabei sind die Moderatoren lediglich dazu angehalten, auf gefühlsmäßig ausgeglichene Gesprächsanteile achten.
Wie sich Schröder und Merkel auf diesen großen Tag vorbereiten, ist nicht bekannt. Fest steht, dass beide im Hinblick auf das entscheidende Datum wohl weiche Knie bekommen. Auch wenn die Wirkung der TV-Duelle auf die Wahlergebnisse, unter anderem mangels Erfahrung, umstritten ist, lässt sich der Einfluss des persönlichen Auftretens auf das subjektive Urteilsvermögen nicht leugnen. Wer von seiner Person überzeugt, überzeugt wenigstens leichter von seinen Argumenten. Insofern bleibt nur, den Widersachern Glück zu wünschen. Brauchen können sie es wohl beide.

 

 


 
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