Besuch im Kölner Sportmuseum - "Als Frauen noch Gewinnpreise waren"

 

von Jan Szyszka

Das Sportmuseum am
Kölner Rheinauhafen
Köln. "Heute wird es sehr, sehr anstrengend", bemerkt Tina Gartz, Gruppenführerin im Kölner Sport- und Olympiamuseum, bereits bevor sie die zu betreuende Gruppe zum ersten Mal sieht. Anschließend begrüßt sie mit erhobener Stimme ihre neue Kundschaft und versucht verzweifelt, den hohen Lärmpegel zu senken.

Nach kurzer und unterstützender Intervention durch die Klassenlehrerin Anke Riedel reagieren die 25 Schüler der 8c der Hauptschule Pulheim so, daß Tina Gartz mit ihrer Führung durch das etwas andere Museum beginnen kann. Die von ihr angesprochenen Ausstellungsstücke, wie z.b. ein NBA-Trikot von Michael "Air" Jordan, schaffen es dann aber tatsächlich, bei den meist männlichen Schülern für einen Anflug von Interesse und Neugier zu sorgen.

Herakles als antikes griechisches
Bild des Modellsportlers
Man beachte die Größe: 3m!
Als dann auch noch am Eingang des eigentlichen Ausstellungsbereiches ein rückwärtslaufendes Laufband die Schüler zu einem leichten Laufschritt bewegt, ist das typische Desinteresse der meisten Schüler im Hinblick auf einen normalen Museumsbesuch verflogen. Die Verschnaufpause, die die meisten nach mehrmaliger Benutzung des Laufbandes brauchen, nutzt Tina Gartz, um im ersten Ausstellungsraum über die ersten Olympischen Spiele von 776 v. Chr. zu berichten. Anhand einer fast drei Meter hohen Steinfigur, einem Abbild des Halbgottes Herakles, erklärt die 24-jährige Sportstudentin die Anforderungen an einen antiken Athleten in den damaligen Disziplinen. Als das Thema auf die damaligen Preise für den Sieger kommt, macht sich Empörung bei der 14-jährigen Sabine breit: "Frauen als Preise! Das kann doch nicht wahr sein."

Bobschlitten
In den anschließenden Ausstellungsräumen steht nun mehr das Ausprobieren im Vordergrund. Ein Rennrad und ein Bobschlitten laden die Schüler zum Mitmachen ein. "Gerade für dieses Alter bietet

sich das Sportmuseum an, da es die Schüler nicht zum Stillsitzen verurteilt, sondern den Bewegungsdrang fördert", zeigt sich Klassenlehrerin Anke Riedel von dem Museum begeistert. Anschließend eilt sie in Richtung des antiken Boxringes, der gerade von einigen ihrer Schüler entdeckt wird. Tina Gartz erzählt gerade etwas über die Brutalität des antiken Boxens, beim Stichwort "Sieg oder stirb" halten es die meist männlichen Schüler nicht mehr aus und stürmen in den Ring. "So etwas zum Aggressionsabbau würde ich mir manchmal bei uns im Klassenzimmer wünschen", beichtet Anke Riedel, während sich im vollbesetzten Ring die Acht-Klässler um die Sandsäcke drängeln. Der 14-jährige Dirk-Mike verläßt nach zehn Minuten als letzter den Ring. "Egal was jetzt noch kommt, das Boxen hat in jedem Fall am meisten Spaß gemacht."

Boxring zum Ausprobieren ...
Angucken, anfassen und ausprobieren - das Motto der Kölner Sport und Olympiamuseums erscheint auf den ersten Blick sehr untypisch für ein Museum.

Doch gerade diese Interaktivität macht den zweistöckigen Steinbau am Rheinauhafen zum modernsten seiner Art. Auf über 2000m² Ausstellungsfläche wird Wissen zum Anfassen und mit modernsten Mitteln vermittelt. Besonders die vielen Bildschirme faszinieren die meisten Schüler. Inmitten dieser vielen Reize steht Gruppenführerin Tina Gartz manchmal auf verlorenem Posten. Die Schüler schenken den informativen Vorträgen der Sportstudentin häufig kein Gehör, weil sie schon wieder etwas Neues entdeckt haben oder das vorgestellte Sportgerät einfach mal benutzen wollen. Da aber nicht jedes Ausstellungsstück zur Nutzung freigeben ist, haben die verschiedenen Aufsichten viel zu tun.

Das die Schüler selten die Informationen aufgenommen haben, wird nach der 20minütigen Führung deutlich. Ausgestattet mit Papier, Bleistift und einem Fragebogen teilt Tina Gartz alle Schüler in Gruppen auf und schickt sie auf Museumsralley. Vor den meisten Fragen stehen die Schüler anfangs ziemlich ratlos da. Also muß Tina Gartz auch hier wieder unterstützend eingreifen. Marcel, Stefan und Frank scheinen schon bei der ersten Frage zu verzweifeln. "Was ist den der antike Fünfkampf??", zeigt sich Frank völlig ratlos. Nach einem kleinen Hinweis machen sich die drei dann Richtung "Antiker Raum" auf. Als sie nach fast zehn Minuten mit der richtigen Antwort wiederkommen, ist für Tina Gartz die heutige Führung beendet. "Es war sehr anstrengend. Gerade dieses Alter und dann fast nur Jungen. Aber insgesamt war ich doch sehr überrascht. Bei der Museumsralley haben sich alle richtig Mühe gegeben und fast alle hatten am Ende die richtigen Antworten. Trotzdem - ich bin jetzt geschafft.", zieht Tina Gartz schließlich doch ein positives Fazit und macht sich auf den Weg in zur Universität - das Studium wartet.

Mehr Informationen:
www.sportmuseum-koeln.de

 

 
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