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Wellenreiten in Frankreich |
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von Oliver Szabo Hallo, mein Name ist Oliver, ich bin 22 Jahre alt und Student an der Deutschen Sporthochschule Köln. Letztes Jahr zu Pfingsten hatte ich das Vergnügen mit 30 anderen einen zweiwöchigen Wellenreitkurs in Südfrankreich zu machen. Da es aber langweilig wäre von allem zu berichten, werde ich mich im Großen und Ganzen auf mein wesentliches Erlebnis dort beschränken. Viel Spaß beim Lesen.
Doch dann kam der Tag, an dem sich die Wellenreiter von den Badewannenkapitänen trennen sollten. Wie gewohnt verbrachten wir den Tag am Strand, bis uns plötzlich die Kursleiter riefen. Sie sagten uns, dass diejenigen, die Lust hätten, heute raus aufs Meer könnten, um die grünen Wellen anzustarten. Wir waren natürlich sofort alle Feuer und Flamme. Man vermittelte uns noch die Wegtauchtechniken, die man benötigt, um gegen die heranrauschenden Wellen eine Chance zu haben, wenn auf dem Weg zum sogenannten "lineup" ist (eine Stelle auf dem Meer, von wo man die Wellen anstartet und auf der alle Surfer sitzen). Dann ist es soweit, je fünf von uns werden einem Kursleiter zugeteilt, der uns auf dem Weg nach "draußen" und wieder zurück unterstützen soll. Wir nehmen unsere Boards unter den Arm und stapfen durch den Sand auf das Wasser zu. Ich komme mir vor wie die Astronauten in dem Film Armageddon, die sich aufmachen die Welt zu retten, nur dass ich mich damit begnügen würde möglichst meinen Arsch zu retten. Schließlich stehen wir am Wasser und eine gewisse Unruhe macht sich breit, sowohl bei uns als auch bei den Betreuern, weil die Wellen merklich größer werden und mit voller Wucht auf den Strand schlagen. Doch wir sind fest entschlossen es zu wagen. Der Teamer wartet den richtigen Moment ab und gibt uns ein Zeichen, worauf wir wie die Wilden ins Wasser stürzen, uns auf die Bretter legen und los paddeln, als ob es um unser Leben ginge. Die ersten zwei, drei Meter läuft es gut, doch plötzlich taucht eine "riesige" Welle vor mir auf, bestimmt 60cm, die mich zu verschlucken droht. Ich versuche schnell die Eskimorolle anzuwenden doch irgendwie interessiert die Welle dies recht wenig. Ich spüre nur, dass mir das Brett aus der Hand gerissen wird, und befinde mich im nächsten Augenblick schon in einer Waschmaschine. Das Ganze dauert ca. 2 Sekunden, dann werde ich an Land gerotzt. Ich rappele mich schnell auf, paddele wieder drauf los und versuche es erneut. Bumm, mich erwischt es wieder. Noch ein Anlauf ... doch ich werde zurückgepfiffen weil die anderen schon zu weit draußen sind. Ich versuche das Pfeifen zu ignorieren, überlasse der Vernunft letztlich wieder das Kommando über mein Kleinhirn und kehre an Land zurück, fest entschlossen es gleich ein zweites Mal zu probieren. Es kann ja nicht angehen, dass ich hier der Mongo in der Gruppe sein soll, der es nicht schafft Herr über die Naturgewalten zu werden. Pah! Das wäre ja der blanke Hohn!
Ohhhhh, das will ich auch! Sofort nachdem wir unserem Helden, nennen wir ihn Michi, der "stoked" zu sein scheint, gratuliert haben macht sich die nächste Gruppe auf. Ich vorneweg. Und wieder die gleiche Prozedur: Zeichen abwarten, laufen paddeln. Und diesmal klappt es, ich bewältige die ersten Meter spielend und der Rest der Truppe auch. Es beginnt aber knapp zu werden, weil ein riesiges "Set" (1 Set = ca. 5 hintereinander gereihte Wellen) auf uns zukommt. Über die ersten vier kommen wir noch gerade so rüber bevor sie brechen, doch als wir der letzten entgegen paddeln, spüren wir, dass es nicht reichen würde. Adrian, der ganz vorne ist, schreit noch: "Eskimorolle!" Doch es ist zu spät: dieses 1,5 Meter Vieh baut sich vor uns auf und reißt mich wie einen kleinen dreckigen Lappen mit. Darauf folgt ein 5-Sekunden-Waschgang der mir wie eine halbe Ewigkeit vorkommt. Als ich auftauche, will ich sofort zu meinem Brett schwimmen, kann es jedoch nicht, weil sich Adrian in meiner "Leash" (eine Leine, die als Verbindung zwischen Surfer und Brett dient) verfangen hat. Ich schaue schnell ob noch eine Welle kommt, doch es scheint erstmal ruhig zu sein. Glück gehabt! Adrian kann sich befreien, und wir gelangen endlich zur "lineup", wo unser Helfer schon auf uns wartet. Ich setze mich so auf mein Brett, dass ich sowohl die Wellen als auch den Strand im Auge habe, damit ich merke, falls mich die Strömung zu stark abtreibt. Nun sitze ich da und warte auf die Wellen. Ich schaue und schaue, aber ehrlich gesagt, ich erkenne nichts. Plötzlich schreit der Teamer: "Da kommt eine!" Reflexartig bringe ich mein Brett in Position, fange wie ein Wahnsinniger an zu paddeln und ... es passiert nichts. Da kann doch was nicht stimmen?! Ich überlege kurz, ob sie vielleicht unter mir weggeschwappt ist, aber das ist unmöglich. Ich wollte gerade aufhören zu paddeln, als ich dieses Ohren betäubende Geräusch höre. Ich drehe mich um und sehe nur eine blaugraue Wand hinter mir. Ich fühle mich wie eine Fliege, die beobachtet, wie die Fliegenklatsche auf sie zu rast, von der sie gleich zerborsten wird. Ich scheiße aufs paddeln und klammere mich am mein Brett, doch schon spüre ich, wie diese Urgewalt mich in sich rein saugt, wie ein Gourmet seine Austern. Dann bekomme ich einen irren Schub von hinten (nein, kein Dünnpfiff) und werde von der Welle weggestoßen. Beschleunigung von fast null auf hundert in einer Sekunde! Beinahe wäre ich vom Brett gefallen, doch ich schaffe es gerade noch mich festzuhalten. Erst bin ich noch erschrocken und wünschte ich könnte mich unter einem Rock verkriechen, doch dann beginnt mir die Sache Spaß zu machen. Ich nehme mein Herz in beide Hände und stehe blitzschnell auf. Und ich kann es kaum fassen, ich fahre ... ich fahre ... juchuuuuuuuuuuuuuuuuu! Ein absolut geiles Feeling! Während der Fahrt schreie, johle, stöhne ich und mache das obligatorische "Hang Loose" (Surfergruß: Daumen und kleinen Finger seitlich abspreizen, die mittleren drei Finger anwinkeln).Ich freue mich einfach! Das war und ist pures Adrenalin! Als ich an Land komme, weiß ich, ich habe es geschafft! An diesem Abend stärkten wir uns zur Abwechslung mal mit Nudeln und gingen danach an den Strand. Dort machten wir ein Lagerfeuer, und dieses Gefühl von absoluter Freiheit keimte in mir auf, als ich sah, wie die Sonne sich zum Schlafen in den Ozean legte und Platz für den Mond machte. Es war wunderschön! Irgendwann schlief ich besoffen, zufrieden und vom Feuer gewärmt ein, wissend, dass ich das Glück hatte, etwas Einzigartiges erlebt zu haben. Hang Loose!
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