Nie wieder Live Music Hall!

 

von: Bernd Weber

Nachdem ich also letzte Woche in der Roonburg war und kein Bedürfnis hatte, dieses Erlebnis zu wiederholen (ich stand auf der Tanzfläche eingequetscht wie ein Auto in der Waschstrasse), wollte ich es diesen Freitag nach langer Zeit mal wieder in der Live Music Hall probieren.

22 Uhr. Ich reihe mich mit meinen Kollegen in die Schlange vor der LMH. Die ist heute besonders lang, aber ich will mich nicht beschweren, schließlich gibt's Freibier bis um elf.

22.15 Uhr. Es ist schweinekalt diesen April. Wenigstens sind wir ein paar Meter weitergekommen. Immer wieder gehen Menschen an uns vorbei Richtung Eingang. Verdammt! Kommen die vor mir rein? Sind das alles Freunde vom Türsteher?

22.30 Uhr. Zwei Drittel der Schlange haben wir geschafft. Jetzt kann ich sogar den Eingang sehen - und die zweite Schlange vor dem zweiten Eingang, die höchstens halb so lang ist wie unsere. Da sind die also hin.

22.45 Uhr. Geschafft: Endlich darf ich meine Geldbörse zücken und der freundlichen Kassiererin 5,50 Euro überreichen. Stolzer Preis für die Halle, aber ich will mich nicht beschweren, schließlich gibt's noch eine viertel Stunde Freibier. Jetzt nichts wie rein, Jacke gebe ich später ab, schnell zur Theke und des langen Wartens Lohn genießen.

22.50 Uhr. Seit fünf Minuten fließt das Kölsch in Strömen - aber nur links und rechts von mir. Hab mir wohl eine ungünstige Ecke an der Theke ausgesucht. Mit geduldigem Hundeblick schaue ich zur den Frauen hinterm Tresen. Ah, die eine hat mich gesehen. Zwei Bier bestellt.

22.55 Uhr. Meine Bestellung hatte die junge Dame wohl zum Anlass genommen, zunächst erst einmal sämtliche anderen Gäste zu bedienen. Ich rufe der Zapfmeisterin zu (so freundlich wie möglich, so laut wie nötig), ob sie bitte auch mal auf unsere Seite ausschenken könnten. Sie schüttelt freundlich den Kopf. Ich beschließe, in fünf Minuten über die Theke zu hüpfen und mir mein Bier selbst zu zapfen.

22.59 Uhr. Gerade noch rechtzeitig vor meinem Amoklauf bekomme ich zwei Kölsch. Jetzt erst mal raus aus dem Gedränge, an die frische Luft, tief durchatmen, und - auf ex!

So, jetzt geht's mir wieder besser. Entspannt kämpfe ich mich durch die Menge bis zur Garderobe am anderen Ende der Halle (die am Eingang war schon voll) und stelle mich geduldig in die Warteschlange.

Nach etwa zehn Minuten erfahre ich, dass leider jetzt auch diese Garderobe voll ist. Meine Kollegen haben ein Heizungsrohr entdeckt, über das sie ihre Jacken stülpen und zwischen Rohr und Heizung festzurren. Hmm, vielleicht hätte ich doch eine ältere Jacke anziehen sollen? Ich tue es ihnen gleich, was bleibt mir auch übrig. Und jetzt: endlich tanzen, Spaß haben!

24 Uhr. In der letzten halben Stunde musste ich auf der Tanzfläche zum Takt der 80er-Jahre-Musik unzählige Rippenstöße und Tritte auf meine Zehen (und die guten Schuhe) einstecken. Aber noch bin ich nicht zu Boden gegangen! Wie auch, wenn ich mich nur Arsch an Arsch mit den mich umgebenden Pärchen bewegen kann, die exzessiv ihre Paarungstänze ausführen.

Zeit für die obere Etage! Zum Glück weiß ich aus früheren LMH-Besuchen, dass oben gute, tanzbare Musik läuft "irgendwie, irgendwo, irgendwann" ist ja echt ein schönes Lied, aber nach dem 100 000. mal...), und es vor allem eine gibt: Platz zum Tanzen!

Schon auf halbem Weg nach oben dringt mir unangenehm stickig-stinkende Luft in die Nase. Oben angekommen bleibt mir der Atem weg. "Schau mal da", sagt mein Kollege, "ein Sauerstoffatom!". "Wo?" "Schon weg." Verdammt, gibt es hier keine Fenster, keinen Lüfter? Und was machen die vielen Menschen hier oben? Schnell zurück nach unten.

Knapp dem Erstickungstod entgangen begebe ich mich wieder auf die überfüllte Tanzfläche. Die Luft hier kommt mir jetzt vor wie frische Waldluft. Befreit atme ich auf und stimme ein zu Peter Schilling: "Völlig losgelöst, von der Erde..."

1 Uhr. Wo bin ich hier bloß gelandet? Die Leute um mich herum sind alle 10-12 Jahre jünger als ich, ich komme mir vor wie ein Greis im Kindergarten. Dabei bin ich doch erst 29, also noch nicht mal 30. Noch lange nicht! Das ganze scheint mir hier eine riesige Oberstufenparty zu sein. Fehlt nur noch dass mich jemand siezt.

1.30 Uhr. Er ist immer noch genauso voll wie zu Beginn, auf der oberen Etage gibt es immer noch keine Luft, und die Menschen um mich herum werden von Stunde zu Stunde jünger. "Boys don't cry" singen sie, aber mir ist nicht mehr nach Lachen zumute, ich gehe. Noch einmal der Kampf durch die Menge zu unserer "Garderobe", noch einmal zurück zum Ausgang, und dann: endlich draußen!

1.45 Uhr. Am Bahnsteig spricht mich ein recht attraktives Mädchen an, sie kommt mit dem Fahrplan nicht ganz klar: "Entschuldigung, wissen SIE (!) ob die Bahn um 2.06 Uhr heute fährt?"

Spätestens jetzt war mir eines klar: Nie wieder Live Music Hall!

 

Info-Link: Einen Video-Beitrag über die Live Music Hall findet ihr hier.

In welchen Club kann unser armer Redakteur noch gehen? Gebt ihm Tipps im Forum .

 

 
Wie gefällt Euch dieser Beitrag? Sagt uns Eure Meinung im Forum !!!
 


© SpiriTV e.V. 2001. Impressum
SpiriTV e.V. ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Seiten.
Hinweise zum RealPlayer