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NFL Europa: Der World Bowl geht nach Hamburg

von Dimitrios Papatheodorou, Photos : Sandra Scherning

Hamburgs
Hamburgs Offensive war dominant

Die NFL Europa hat einen neuen Champion. Im dritten Jahr ihres Bestehens feierten die Hamburg Sea Devils den ersten World-Bowl-Triumph, als sie Frankfurt Galaxy in einem spektakulären Spiel mit 37:28 besiegten.

48.125 Zuschauer in der Frankfurter Commerzbank Arena bildeten die Kulisse für die 15. Auflage des Endspieles der NFL Europa. Für Frankfurt war es die achte Finalteilnahme insgesamt und bereits die dritte in Folge. Das Frankfurter Publikum stellt einen in der NFL Europa unvergleichlichen Heimvorteil dar, wie bereits die Cologne Centurions in der vergangenen Woche feststellen mussten. Doch die Sea Devils waren entschlossen, sich nicht verunsichern zu lassen. Bereits der erste Drive der Hamburger führte sie in die gegnerische Red Zone. Von der 3-Yard-Linie landete ein Pass von Quarterback Casey Bramlet bei Wide Receiver Justin Jenkins. Wenn auch der Extrapunkt daneben ging, hatte der Gast aus dem Norden hatte einen ersten Eindruck seiner Entschlossenheit gezeigt. Frankfurt konnte dem im direkten Gegenzug nichts entgegen setzen, und so bekamen die Hamburger erneut das Angriffsrecht und zeigten den wohl spektakulärsten Spielzug des gesamten Spiels, einen so genannten Flea Flicker. Dabei wird der Ball zunächst den Running Back übergeben, der bis zur Line of Scrimmage vorstößt, sich dann umdreht und den Ball zum Quarterback zurückwirft. Dieser wiederum wirft dann einen tiefen Pass, in diesem Fall über 35 Yards auf Wide Receiver Marcus Maxwell. Nach dem Extrapunkt führten die Sea Devils mit 13:0. Doch nun waren auch die Gastgeber aufgewacht. Quarterback J.T. O’Sullivan fand Wide Receiver Brandon Middleton mit einem 24-Yard-Pass. Was folgte, war ein offener Schlagabtausch zwischen den beiden besten Teams der NFL Europa. Jeder Drive der verbleibenden ersten Halbzeit führte zu einem Punkterfolg. Dabei behielten die Sea Devils die Oberhand, die einen 33-Yard-Pass zu einem Touchdown und ein 24-Yard-Field-Goal verwandeln konnten. Frankfurt kam derweil zu nur einem Touchdown durch Running Back Decori Birmingham, und so gingen die Kontrahenten mit einem Spielstand von 23:14 aus Sicht der Hamburger in die Pause.

Beide Mannschaften hatten sich der bedingungslosen Offensive verschrieben. Dabei vertrauten sie insbesondere auf die Wurfarme ihrer Quarterbacks J.T. O’Sullivan und Casey Bramlet, die beide zu den drei besten Spielmachern in dieser Saison zählten, und genau so eröffnete der Titelverteidiger den zweiten Durchgang. Ein 24-Yard-Pass auf Wide Receiver Robert Ortiz brachte Galaxy bis auf zwei Punkte heran. Doch Casey Bramlet erhöhte mit einem 51-Yard-Pass auf Wide Receiver Josh Davis wieder auf 30:21. Neun Sekunden vor dem Ende des dritten Viertels brachte eine Raumstrafe wegen Passbehinderung gegen Hamburg die Frankfurter bis an die gegnerische 2-Yard-Linie. Running Back Sha-ron Edwards trug den Ball zum Touchdown in die Endzone. Zu Beginn des entscheidenden letzten Viertels stand es nun 30:28 für Hamburg. Doch die Herausforderer konnten abermals ihren Vorsprung ausbauen, als Casey Bramlet einen Pass über 10 Yards auf Marcus Maxwell zum Touchdown landen konnte. Bei einer Restspielzeit von 10:55 Minuten musste Frankfurt neun Punkte aufholen, was bedeutete, dass auf jeden Fall noch zwei Mal gepunktet werden musste. Fast sah es so aus, als ob Galaxy einen weiteren Pass-Touchdown landen konnte, doch der Treffer wurde wegen einer Passbehinderung annulliert. Frankfurt war gezwungen, ein Field Goal zu versuchen, doch Kicker Rhys Lloyd, bisher aus den weiten Distanzen eine Bank, traf diesmal das Tor aus 45 Yards nicht. Bei rund sechs verbleibenden Spielminuten schien es nun fast unmöglich, die Partie noch zu drehen. Und genau so kam es dann auch. Hamburg spielte bei eigenem Ballbesitz die Uhr herunter und konzentrierte ansonsten alles auf die Verteidigung. Es gelang, J.T. O’Sullivan so unter Druck zu setzen, dass Galaxy nicht mehr in die gegnerische Hälfte des Spielfeldes gelangte. O’Sullivans einzige Interception des Abends besiegelte die Entscheidung endgültig.

Most Valuable Player: Casey Bramlet
Es war das Spiel der Big Plays. 12 Spielzüge mit mehr als 20 Yards zeigten die beiden Kontrahenten, die ganz überwiegende Zahl davon durch Passspiele. Dabei konnte Hamburgs Casey Bramlet das Quarterback-Duell eindeutig zu seinen Gunsten entscheiden. 20 von 27 Pässen fanden eine Anspielstation, vier davon zu Touchdowns. Damit übertraf Bramlet den bisherigen NFL-Europa-Rekord von drei Touchdown-Pässen aus dem Jahr 1995.Der Hamburger Quarterback war der herausragende Akteur auf dem Spielfeld (Passer Rating: 155.5) und wurde verdient zum Most Valuable Player, dem wertvollsten Spieler der Partie, gewählt. Die Sea Devils spielten mit einer beeindruckenden Effizienz. Bis zu Beginn des letzten Viertels führte nur ein einziger Drive nicht zum Punkterfolg, als Kicker Shane Andrus ein Field Goal nicht verwandelte. Doch auch Galaxy puntete im gesamten Spiel nur einmal, was bewies, dass hier zwei außergewöhnliche Mannschaften aufeinander trafen. Frankfurts Spiel litt jedoch unter einigen Unkonzentriertheiten. So wurden 12 Strafen für einen Raumverlust von insgesamt 116 Yards kassiert. Besonders schmerzlich waren dabei zwei Strafen für Passbehinderung, von denen die eine den Gegner an die eigene 1-Yard-Linie brachte, und die andere einen eigenen Touchdown annullierte. Insgesamt betrachtet hat das Duell der beiden besten Mannschaften der Spielzeit 2007 einen verdienten Sieger gefunden.

Den Zuschauern im fast ausverkauften Frankfurter Stadion wurde ein äußerst unterhaltsamer Football-Abend beschert, der ohne Zweifel den Höhepunkt der 15. Saison der NFL Europa darstellte. Ob im nächsten Jahr zum 16. Mal um den World Bowl gekämpft wird, wird sich allerdings wohl in den nächsten Wochen entscheiden. Dann nämlich steht ein Treffen der Eigner der NFL-Teams an, die die europäische Liga zum großen Teil finanzieren. Trotz des noch bis 2010 angelegten Fünfjahresplans soll eine Bestandsaufnahme gemacht und die Perspektive der Liga eingeschätzt werden. Zugunsten der NFL Europa spricht jedenfalls, dass ein neuer Gesamt-Zuschauerrekord erzielt wurde. Erstmals seit Eröffnung der Liga im Jahre 1991 kamen zu allen Spielen durchschnittlich über 20.000 Zuschauer.

Die World-Bowl-Sieger:

2007 Hamburg Sea Devils
2006 Frankfurt Galaxy
2005 Amsterdam Admirals
2004 Berlin Thunder
2003 Frankfurt Galaxy
2002 Berlin Thunder
2001 Berlin Thunder
2000 Rhein Fire
1999 Frankfurt Galaxy
1998 Rhein Fire
1997 Barcelona Dragons
1996 Scottish Claymores
1995 Frankfurt Galaxy
1992 Sacramento Surge
1991 London Monarchs

Info-Links:
www.hamburg-seadevils.de
www.nfleuropa.de