| | von Jan Hommer; Fotos: Gabi Vogt
Vom
13. bis 23. 11. 2008 fand in Köln in diversen Theatern das ECHT –
Festival statt. Wie der Titel schon erahnen lässt, hatte das
Theaterfestival es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viel „echtes“
Leben auf die Bühne zu holen und die Abgrenzung zwischen
Bühnengeschehen und Realität -soweit dies möglich ist- zu durchbrechen,
speziell im Hinblick auf Politik/politische Themen im Theater. Nicht
umsonst wurde das Festival von der „Bundeszentrale für Politische
Bildung“ veranstaltet.
Ein Höhepunkt der jeweils über den ganzen
Tag verteilt stattfindenden Theaterveranstaltungen war -nicht zuletzt
was den positiven Anklang beim Publikum angeht- sicherlich das Stück
„Nothing Company“ der schweizerischen Theatergruppe „Far A Day Cage“.
Darin
geht es um eine Firma, die tatsächlich -wie der Titel schon sagt-
nichts verkauft, kein materiell existierendes Produkt jedenfalls,
stattdessen nur Wünsche und Hoffnungen der Kunden, welche sich auf
dieses nicht existente „Produkt“ richten. Hier wird der Kapitalismus in
seiner modernsten, vielleicht -wenn man es so sagen möchte-
„degeneriertesten“ Form vorgeführt, woraus „Far A Day Cage“ (oder
zumindest die Figuren, die sie in diesem Stück verkörpern) den Schluss
ziehen, dass es jetzt wohl bald mit ihm zu Ende sei. Also müssen
Alternativen her, und diese werden in der zweiten Hälfte des Stückes in
dramatischer Form aufgezeigt und gegeneinander abgewogen, wobei
allerdings keiner die Qualität des wirklichen „Königswegs“ zugestanden
werden will und das Resumé eher pessimistisch ausfällt. Am Schluss
meldet sich einer der Schauspieler „persönlich“, als Schauspieler und
nicht als die Figur, die er verkörpert, an das Publikum und erläutert
seinen persönlichen Standpunkt. Als Quintessenz bringt er die ganze
Problematik des Stücks auf eine einfache Formel: „Stell Dir vor es ist
Kapitalismus und keiner geht hin.“ Der besondere gestalterische
„Kniff“ des Stücks (neben einem gut ausgedachten, simplen und völlig
ausreichenden Bühnenbild, bei dem ausgeschnittene große Kartons die
verschiedenen Mini-Bürobereiche darstellen, in denen man in solcherlei
Firmen zu arbeiten pflegt) besteht daraus, dass sich immer mal wieder
zwischendurch „Regisseur“ und „Autorin“ (in Wirklichkeit gespielt von
zweien der Schauspieler) zu Wort melden und im „Audiokommentar“(!) -wie
bei einer modernen DVD- zum Stück ihre Meinung zu den persönlichen
Vorlieben bestimmter Schauspieler, gegenseitige Beweihräucherungen
aufgrund z.B. der „guten Regieeinfälle“ und andere „unnütze“ Anekdoten
dieser Art zum Besten geben. Diese Passagen dient als gelungener Comic
Relief, lockert an den richtigen Stellen die Spannung und ermöglicht,
dem Stück danach wieder besser folgen zu können.
Eines
Verdachts konnte sich der Autor dieses Artikels nicht erwehren: An
einer Stelle im Stück, an der es für die Protagonisten scheint, als sei
das „System“ erfolgreich „lahmgelegt“ und sie ob dieses Triumphs in
Hochstimmung sind, folgt eine äußerst lange Pause, in welcher alle
gebannt und erwartungsvoll das Publikum anblickten. Gehörte es zum
Konzept des Stücks, dass sie etwa gar an dieser Stelle darauf hoffen,
jemand aus den Zuschauerreihen möge die Initiative ergreifen
(„Zivilcourage zeigen“, wie man so schön sagt) und von sich aus auf die
Idee kommen, zu klatschen, damit sie das Stück beenden und nach Hause
gehen können? Wenn dies so geplant war, dann ging die Rechnung nicht
auf, denn es blieb mucksmäuschenstill und kein Zuschauer traute sich
auch nur zu husten, worauf hin das Stück dann (-etwa ein alternatives
Ende, ein Plan B für den Fall, dass die Zuschauer nicht wie gewünscht
mitmachen würden?), eingeleitet durch einen weiteren launischen
„Audiokommentar“ noch eine zeitlang weiterging und dann erst im
furiosen Finale endete.
Links: Bundeszentrale für Politische Bildung Far A Day Cage
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